Deutschlands Raucherinnen und Raucher müssen sich auf deutlich höhere Zigarettenpreise einstellen. Hintergrund ist eine Gesetzesänderung mit stufenweise steigenden Tabaksteuern. Der Finanzausschuss des Bundestags will am Mittwoch darüber abstimmen, eine Zustimmung gilt als wahrscheinlich. Am Donnerstag soll dann der Bundestag entscheiden. Dass der Bundesrat am Freitag noch eingreift, wird kaum erwartet.
So stark könnten die Preise steigen
Nach den Plänen sollen die Tabaksteuern ab 2027 schrittweise erhöht werden. Bis 2030 könnte eine Zigarettenschachtel damit rund vier Euro mehr kosten als heute. Im Sommer lag der Durchschnittspreis für eine 20er-Packung bei 8,05 Euro. Für 2027 wird auf Grundlage des Gesetzentwurfs ein mittlerer Preis von 9,10 Euro erwartet. 2028 könnten es 9,91 Euro sein, 2029 etwa 10,81 Euro und 2030 schließlich 11,78 Euro. Markenprodukte könnten dann bis zu 14 Euro kosten, derzeit liegen sie noch unter 10 Euro.
Besonders stark betroffen wären Käufer von Feinschnitt für selbstgedrehte Zigaretten. Michael von Foerster vom Verband der deutschen Rauchtabakindustrie verweist darauf, dass viele Raucher bei steigenden Preisen für Fertigzigaretten bisher auf Feinschnitt ausweichen, um Geld zu sparen.
Genau dieser Preisvorteil werde nun aber kleiner, warnt er. Aus Sicht der Branche könnte das dazu führen, dass manche Konsumenten nicht innerhalb des legalen Markts wechseln, sondern illegale Ware kaufen. Leidtragende seien legale Anbieter und der Staat, profitieren würde demnach vor allem die organisierte Kriminalität.

Derzeit kostet eine 30-Gramm-Packung Feinschnitt meist zwischen 6 und 8 Euro. Sie enthält ungefähr doppelt so viel Tabak wie eine herkömmliche 20er-Schachtel. Nach vorliegenden Berechnungen könnte der gewichtete durchschnittliche Kleinverkaufspreis von gut 8 Euro im kommenden Jahr bis 2030 auf mehr als 12 Euro steigen.
Auch Zigarren, Zigarillos und Wasserpfeifentabak sollen teurer werden. Die Aufschläge fallen dort jedoch geringer aus als zwischenzeitlich im Gesetzgebungsverfahren diskutiert.
Welche Mehreinnahmen der Staat erwartet
Die Bundesregierung begründet das Vorhaben mit der angespannten Haushaltslage. Die Reform sei ein nötiger Beitrag zur Stabilisierung der Staatsfinanzen und diene zugleich dem Gesundheitsschutz. Im vergangenen Jahr nahm der Staat 17,6 Milliarden Euro an Tabaksteuern ein. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums soll die Erhöhung 2027 rund 1,5 Milliarden Euro zusätzlich bringen. Bis 2030 könnten die jährlichen Mehreinnahmen demnach auf 4,5 Milliarden Euro anwachsen.
In der Tabakbranche werden diese Erwartungen allerdings angezweifelt. Von Foerster hält die erhofften Zusatzeinnahmen für unrealistisch. Auch Jan Mücke vom Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse spricht von überzogenen Annahmen.
Er rechnet damit, dass mehr Verbraucher auf den Schwarzmarkt ausweichen, illegale Zigaretten kaufen oder ihre Ware im EU-Ausland besorgen. Zur Untermauerung verweist er auf eine Untersuchung des Beratungsunternehmens DIW Econ, das ähnliche Steuererhöhungen in anderen EU-Ländern ausgewertet und daraus Risiken für Deutschland abgeleitet hatte.
Das Bundesfinanzministerium hält dagegen. Für eine verstärkte Verlagerung auf den illegalen Markt gebe es keine unabhängigen belastbaren Belege. Zudem verweist das Ministerium auf Zollkontrollen, die solchen Geschäften entgegenwirken sollen.
Führt der Preisanstieg zu weniger Rauchern?
Unterstützung kommt von Krebsforschern. Sie hoffen, dass höhere Preise Menschen vom Rauchen abhalten oder zum Ausstieg bewegen. Katrin Schaller vom Deutschen Krebsforschungszentrum sagt, eine Erhöhung der Tabaksteuer sei die wirksamste Einzelmaßnahme, um zum Nichtrauchen zu motivieren.
Sie betont zugleich, dass steigende Steuern nicht automatisch mehr illegale Geschäfte bedeuteten. Entscheidend sei, Lieferketten konsequent zu überwachen und den Zoll personell und organisatorisch zu stärken. Dann lasse sich auch das Problem eines möglichen Schwarzmarkts begrenzen.
Der Grünen-Abgeordnete Johannes Wagner hält den Schritt grundsätzlich für richtig, geht ihm aber nicht weit genug. Aus seiner Sicht ist die Reform zu zaghaft. Höhere Aufschläge hätten seiner Meinung nach eine stärkere Wirkung auf das Rauchverhalten. Zugleich kritisiert er, dass die Regierung vor allem Haushaltslöcher stopfen wolle und weniger den Gesundheitsschutz in den Mittelpunkt stelle.
Auch von links kommt Kritik. Die Linken-Abgeordnete Doris Achelwilm warnt vor zusätzlichen Belastungen für Menschen mit geringem Einkommen. Ihrer Einschätzung nach trifft die Maßnahme vor allem sozial Schwächere, ohne den Haushalt entscheidend zu entlasten oder gesundheitspolitisch viel zu bewirken.
Rauchen bleibt weit verbreitet
Rauchen gilt als krebserregend. Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums starben 2023 in Deutschland rund 131.000 Menschen an den Folgen tabakbedingter Krankheiten.
Trotzdem ist der Konsum weiterhin ein Massenphänomen. Laut Mikrozensus 2025 rauchen 19 Prozent der Menschen ab 15 Jahren. Davon geben 14 Prozent an, regelmäßig zu rauchen, weitere 5 Prozent gelegentlich.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber