Der Akku des Smartphones schwächelt schon lange vor Feierabend, also wird ein neues Gerät gekauft. Dazu kommen oft noch Zubehör und weitere Elektroprodukte wie Kopfhörer, Ladegeräte, eine elektrische Zahnbürste, ein Mixer oder eine energieeffizientere Waschmaschine. Nach vorläufigen Zahlen der Stiftung Elektro-Altgeräte Register wurden 2025 in Deutschland rund 3,4 Millionen Tonnen neue Elektrogeräte in Verkehr gebracht. Offiziell gesammelt wurden dagegen nur etwa 960.000 Tonnen Altgeräte. Damit verfehlt Deutschland die gesetzlich vorgeschriebene Sammelquote seit Jahren.
Dabei steckt in ausrangierter Elektronik eine große Menge wertvoller Materialien: Kupfer, Aluminium, Gold und weitere begehrte Rohstoffe. Eine Studie im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe kommt zu dem Ergebnis, dass sich durch bessere Erfassung und Verwertung jedes Jahr zusätzliche Rohstoffe im Wert von mehr als zwei Milliarden Euro zurückgewinnen ließen. Weltweit fielen laut UN im Jahr 2022 rund 62 Millionen Tonnen Elektroschrott an. Nur etwas mehr als ein Fünftel davon wurde nachweislich fachgerecht gesammelt und recycelt.
Ein Teil dieses Mülls landet trotz bestehender Exportverbote illegal in Afrika, oft deklariert als angeblich funktionstüchtige Gebrauchtware. Doch selbst defekte Geräte haben dort noch einen Markt: Sie werden repariert, dienen als Ersatzteillager oder werden zerlegt, um Rohstoffe zu gewinnen. Wie eng wirtschaftliche Chancen und Umweltprobleme beieinanderliegen, zeigt sich besonders deutlich in Accra, der Hauptstadt Ghanas.

Schrott als Lebensgrundlage
Das Gelände von Agbogbloshie in Accra galt lange als Symbol für die Schattenseiten des weltweiten Elektronikhandels. 2013 zählten zwei Umweltorganisationen den Ort zu den zehn am stärksten verschmutzten Regionen der Erde. Internationale Bekanntheit erlangten Bilder junger Männer, die Kabel verbrannten, um an das Kupfer zu gelangen. 2021 räumten die Behörden die Deponie im Stadtteil Old Fadama, doch die Händler wichen aus und kehren inzwischen teilweise zurück. Schätzungen zufolge leben in Accra Zehntausende Menschen direkt oder indirekt von der Aufbereitung alter Elektronik.
Nur wenige Minuten vom Stadtzentrum entfernt ziehen sich Müllhaufen, Verkaufsstände und provisorische Werkstätten an einer verschmutzten Lagune entlang. Dort arbeitet auch Yakubu Adam, 53 Jahre alt, in einem gelben Trikot von Borussia Dortmund. Seine Zulieferer ziehen durch die Stadt und kaufen auf, was andere nicht mehr brauchen. Adam prüft die Geräte und verkauft alles weiter, was noch funktioniert.
Nicht weit entfernt repariert ein Mann namens Fuseni in einer engen Werkstatt voller Kabel elektronische Bauteile. Nach eigener Aussage schafft er bis zu 20 Stück pro Tag und erhält dafür umgerechnet rund drei Euro pro Teil. Auch größere Arbeiten werden erledigt: Alaiku Abdul Razak produziert mit etwa 20 Beschäftigten Ersatzteile für Maschinen, die Kunden ihm per WhatsApp skizzieren.
Kupfergewinnung ohne Feuer
„Oft wird nur die Umweltbelastung gesehen, nicht aber der wirtschaftliche Nutzen dieser Arbeit“, sagt Vincent Kyere, Projektleiter für Elektroschrott im ghanaischen Umweltministerium.
Lange prägten vor allem die Bilder aus Agbogbloshie das internationale Bild von Ghanas Elektroschrottwirtschaft. Inzwischen wächst jedoch die Anerkennung für das dichte Netz aus Sammlern, Händlern und Reparaturbetrieben, das ausgediente Geräte und wertvolle Rohstoffe wieder in den Kreislauf zurückführt. Ziel ist es, diese Erwerbsquelle zu erhalten, ohne dass Kabel verbrannt oder Schadstoffe unkontrolliert freigesetzt werden.
Auch deutsche Entwicklungsgelder flossen in diesen Wandel. Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) unterstützte Ghana von 2016 bis April 2026 dabei, die Verwertung von Elektroschrott umweltfreundlicher zu gestalten. Nach Angaben der GIZ wurden rund 1.500 Schrotthändler im sicheren Umgang mit Altgeräten geschult.
Wie das praktisch aussehen kann, zeigt das Unternehmen GreenAd. Dort wird die Isolierung alter Kabel nicht verbrannt, sondern maschinell entfernt. Sammler liefern ihre Kabel an und werden nach festgelegten Preislisten für die enthaltenen Rohstoffe bezahlt. Laut Projektmanager Bennett Akuffo hat GreenAd bereits mehr als 900 Tonnen Kabel angenommen. Zunehmend lande dort auch fabrikneue Ware aus Asien, die wegen Qualitätsmängeln direkt ins Recycling gehe.
Alte Monitore werden zu Fernsehern
Doch umweltfreundlichere Verfahren setzen sich nicht automatisch durch. „Am Ende entscheidet das Geld“, sagt Innocent Turkson, Vorsitzender eines Schrotthändlerverbands in der Hafenstadt Tema. Früher sei manches schlicht mit dem Hammer zerlegt worden. Heute müsse genauer sortiert werden, was mehr Zeit und zusätzliches Personal erfordere. Zudem fürchteten viele Händler schlechtere Preise, wenn staatlich unterstützte Abnehmer die Bedingungen vorgeben.
Dass sich mit alter Elektronik auch jenseits des klassischen Schrotthandels Geld verdienen lässt, zeigt Nana Yaw Konadu. Der Unternehmer ist überzeugt: „Das Letzte, was ein Elektronik-Recyclingunternehmen tun sollte, ist recyceln.“ Sein Ansatz setzt zunächst auf Reparatur und Wiederverwendung, erst danach auf Zerlegung.
In einer Werkshalle seiner Firma Electro Recycling Ghana bauen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus gebrauchten Dell-Computermonitoren Fernseher zusammen. Die Monitore stammen von einem deutschen Partnerunternehmen aus Nordrhein-Westfalen. Die fertigen Geräte kosten laut Konadu knapp 30 Euro. Für viele Menschen in Ghana wäre ein neues Fernsehgerät sonst kaum bezahlbar.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber