Politik

Nobelpreis-Alternative: Diese Frauen trotzen Systemen

Sie trotzen KI-Giganten und Regierungen: Der Alternative Nobelpreis ehrt Frauen, die Machtverhältnisse ins Wanken bringen.

30.09.2026, 06:10 Uhr

Alternativer Nobelpreis ehrt 2026 Frauen und frauengeführte Organisationen

Der diesjährige Right Livelihood Award würdigt Frauen sowie von Frauen geleitete Initiativen, die sich gegen fest verankerte Machtverhältnisse stellen und sich für Menschenrechte einsetzen. Ausgezeichnet werden die pakistanische Juristin Jalila Haider, das Netzwerk Rural Women’s Assembly im südlichen Afrika, die US-Informatikerin Timnit Gebru sowie die georgische Georgian Young Lawyers’ Association unter Führung von Tamar Oniani.

Nach Angaben der Right-Livelihood-Stiftung eint die Preisträgerinnen ihr Widerstand gegen Strukturen, die Menschen ausgrenzen. Stiftungsdirektor Ole von Uexküll erklärte, sie machten deutlich, dass weder die vertretenen Anliegen noch die betroffenen Menschen ohnmächtig seien.

Stiftung: Macht kann auch solidarisch sein

Von Uexküll betonte, Macht müsse nicht auf Hierarchie oder Gewalt beruhen. Ebenso könne sie aus Zusammenhalt, Kooperation und dem Willen entstehen, allen Gehör zu verschaffen. Die diesjährigen Auszeichnungen stünden deshalb für Werte wie Freiheit, Zusammenarbeit und Frieden mit der Natur — auch wenn diese Prinzipien derzeit von dominierenden Systemen an den Rand gedrängt würden.

Die Preisvergabe solle zeigen, dass gesellschaftliche Veränderungen nicht nur von einigen wenigen Einflussreichen ausgehen. Ein Beispiel dafür sei Timnit Gebru, die sich mit ihrer Arbeit auch gegen die Interessen großer Technologiekonzerne stellt.

Timnit Gebru: Kritik an unkontrollierter KI

Gebru beschäftigt sich seit Jahren mit den Risiken künstlicher Intelligenz. Bereits während ihrer Zeit bei Google, wo sie ein Team zu ethischen Fragen der KI mit leitete, warnte sie vor den Gefahren großer Sprachmodelle. Heute setzt sie sich für gerechtere Alternativen ein.

Right Livelihood Award - Timnit Gebru
Die US-Informatikerin Timnit Gebru will mit Verbündeten die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz gerechter machen. (Archivbild) Quelle: -/Right Livelihood/dpa

Sie kritisiert unter anderem riesige Rechenzentren, fehlende Transparenz bei Algorithmen und die Tatsache, dass KI bestehende Ungleichheiten verstärken kann. Laut Stiftung zeigt ihre Forschung, welchen Schaden solche Systeme schon heute im Alltag diskriminierter und marginalisierter Gruppen anrichten. Gebru erklärte, sie hoffe, die Auszeichnung ermutige andere Forschende und Ingenieurinnen und Ingenieure dazu, Menschenrechte stärker in wissenschaftliche Arbeit einzubeziehen.

Jalila Haider kämpft für die Hazara in Pakistan

Auch die pakistanische Menschenrechtsanwältin Jalila Haider wird geehrt. In der Provinz Belutschistan setzt sie sich mit ihrer Kanzlei für die Rechte der unterdrückten Hazara-Gemeinschaft ein. In einem Umfeld, das von Diskriminierung gegenüber Frauen, ethnischen Minderheiten und der LGBTQ+-Community geprägt ist, gilt sie als eine der wichtigsten Menschenrechtsverteidigerinnen des Landes.

Haider war die erste Frau aus ihrer Volksgruppe, die Anwältin wurde. Nach Einschätzung der Stiftung zeigt ihr Werdegang, wie Menschen und Minderheiten sich aus Unterdrückung befreien können.

Rural Women’s Assembly: Bäuerinnen organisieren sich gegen Gewalt und Entrechtung

Mit dem Rural Women’s Assembly (RWA) wird zudem ein Netzwerk von mehr als 178.000 Kleinbäuerinnen in elf Ländern des südlichen Afrika ausgezeichnet. Die Frauen kämpfen für das Recht, selbst über Land, Saatgut und ihre eigenen Körper zu bestimmen. Gleichzeitig unterstützen sie sich gegenseitig im Einsatz gegen sexuelle Gewalt und für die Anerkennung von Frauen als Landbesitzerinnen.

Von Uexküll nannte das Netzwerk ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie marginalisierte Menschen gemeinsam politische Stärke entwickeln und ihre Interessen wirksam vertreten können.

RWA-Regionalkoordinatorin Mercia Andrews sagte, eine einzelne Stimme könne keinen Berg versetzen. Erst die beharrliche, gemeinsame Kraft tausender Frauen auf dem Land könne scheinbar Unveränderliches ins Wanken bringen.

Georgische Juristinnen und Juristen verteidigen die Demokratie

Ebenfalls ausgezeichnet wird die 1994 gegründete Georgian Young Lawyers’ Association. Die Organisation ist die erste Preisträgerin aus Georgien und wird laut Stiftung für ihren Einsatz beim Aufbau und Schutz der Demokratie sowie für die Verteidigung zivilgesellschaftlicher Handlungsspielräume unter autoritärem Druck geehrt.

Trotz massiver Repressionen durch die Regierung halte die Vereinigung an ihrer Arbeit fest, erklärte von Uexküll.

Hoffnung auf grundlegenden Wandel

Mit allen Preisträgerinnen und Preisträgern verbinde sich die Hoffnung auf tiefgreifende Veränderungen, die auch schnell eintreten könnten, so die Stiftung. Erfolgreiche Zivilgesellschaft könne in Pakistan den Weg für politische Kräfte ebnen, die Minderheitenrechte stärken. Ebenso sei denkbar, dass der Einfluss großer Tech-Eliten in den USA künftig deutlich begrenzt werde.

Ausgewählt wurden die diesjährigen Geehrten aus 200 Nominierten. Der Right Livelihood Award wird jedes Jahr an Menschen und Organisationen verliehen, die sich unter anderem für Klimaschutz, Menschenrechte, Gerechtigkeit und Frieden engagieren. Die Preisverleihung findet am 1. Dezember in Stockholm statt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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