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Tom Cruise als Ölbaron: Wird «Digger» sein Oscar-Coup?

Kaum wiederzuerkennen: Tom Cruise mit Bauch und Glatze! In «Digger» mit Sandra Hüller überrascht er völlig – reicht das für den Oscar?

30.09.2026, 06:00 Uhr

Wenn Tom Cruise in seiner neuen Rolle besorgt auf eine schwer kranke, fast leblos wirkende Katze einredet und ihr mit dem Finger Futter geben will, ist der Superstar kaum wiederzuerkennen. Mit ausgedünntem grauem Haar, leichtem Bauch und auffälligem Make-up hat der sonst so geschniegelt auftretende „Mission: Impossible“-Darsteller äußerlich wenig mit seinem gewohnten Leinwandbild gemein.

Dass Cruise auch ungewöhnliche und selbstironische Figuren annehmen kann, ist nicht neu. Schon in „Tropic Thunder“ trat er stark verfremdet als exzentrischer Studioboss auf. In Alejandro González Iñárritus neuem Film „Digger“ zeigt sich der 64-Jährige nun erneut fernab seines Action-Images.

Ein Öltycoon im Zentrum der Katastrophe

Cruise verkörpert den einflussreichen Ölunternehmer Digger Rockwell, der eine globale Krise mitverursacht und dann unter Druck gerät, sie zu stoppen. Lange wurde um die Handlung des Films ein großes Geheimnis gemacht. Vor allem war unklar, in welche Richtung die Geschichte wirklich geht und welche Bedeutung Sandra Hüllers Figur an Rockwells Seite hat.

Kurz vor dem deutschen Kinostart am 1. Oktober ist mehr bekannt, doch allzu viel soll weiterhin nicht verraten werden. Selbst das Team hinter dem Film bat vor Pressevorführungen darum, größere Wendungen nicht vorwegzunehmen. Denn „Digger“ entwickelt sich anders, als es der Trailer zunächst vermuten lässt.

Im Kern dreht sich alles um Rockwell, einen skrupellosen, exzentrischen Geschäftsmann, dessen Bohrungen eine weltweite Bedrohung auslösen. Eine gewaltige Eisplatte bewegt sich auf Europa zu und könnte verheerende Tsunamis nach sich ziehen. Der US-Präsident, gespielt von John Goodman, fordert Rockwell auf, die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen. Nach rund einer halben Stunde schlägt der Film jedoch eine überraschende Richtung ein.

Tom Cruise
Tom Cruise zeigt sich in «Digger» von einer ganz anderen Seite. (Archivbild) Quelle: Chris Pizzello/Invision/AP/dpa

Satire auf Macht, Krisenpolitik und Selbstüberschätzung

Beworben als „Komödie katastrophalen Ausmaßes“, entpuppt sich der Film eher als überdrehter, grotesker Kommentar zur Gegenwart. Im Mittelpunkt stehen politischer und wirtschaftlicher Größenwahn sowie die menschliche Illusion, die Natur beherrschen zu können.

Besonders deutlich wird das in den Krisensitzungen zwischen Rockwell, dem Präsidenten und weiteren Entscheidungsträgern. Dort geht es weniger um Lösungen als um Deutungshoheit: Welche Begriffe soll man vermeiden? Wie lässt sich die öffentliche Erzählung so steuern, dass sie den Verantwortlichen nützt? Selbst Wörter wie „Explosion“ werden auf ihre kommunikative Wirkung hin abgeklopft.

Die Figuren sind bewusst überzeichnet. Cruise gibt Rockwell als narzisstischen Machtmenschen mit Cowboyhut und Westernstiefeln, der unbedingt als Retter wahrgenommen werden will. In einem ausgedehnten Monolog in amphitheaterartiger Kulisse wirbt er vor internationalen Vertretern sogar für die angeblich freiheitssichernde Bedeutung seiner Ölbohrungen.

Daneben beschäftigt ihn immer wieder das Schicksal seiner uralten weißen Katze, um die er sich geradezu manisch sorgt. Solche absurden und teils derben Momente ziehen sich durch den Film. Der Humor dürfte daher nicht jeden Geschmack treffen.

Sandra Hüller als Rockwells Halbschwester

Auch die Nebenrollen sind prominent besetzt. Riz Ahmed überzeugt als Wissenschaftler, John Goodman als aufbrausender Präsident. Sandra Hüller spielt Rockwells impulsive Halbschwester und Geschäftspartnerin, die ihn wegen der verursachten Katastrophe scharf zur Rede stellt. Allerdings bleibt ihre Leinwandzeit eher begrenzt.

Zum Ensemble gehören außerdem Jesse Plemons und Emma D’Arcy. Wer Tom Cruise einmal in einer völlig anderen Tonlage als in „Top Gun“ oder „Mission: Impossible“ sehen möchte, dürfte an „Digger“ Gefallen finden. Inhaltlich wirkt der Film stellenweise allerdings etwas überfrachtet. Die ersten Reaktionen fielen entsprechend sehr unterschiedlich aus – ein Werk, das das Publikum wohl spalten wird.

Kommt für Cruise eine Oscar-Chance hinzu?

Für den vierfachen Oscar-Gewinner Alejandro González Iñárritu ist „Digger“ der erste englischsprachige Film seit „The Revenant“ aus dem Jahr 2015. Damals erhielt Leonardo DiCaprio den Oscar für seine Hauptrolle. Ob nun auch Cruise mit dieser Zusammenarbeit auf Preise hoffen darf, bleibt offen.

Der Schauspieler war bislang viermal für einen Oscar nominiert: für „Geboren am 4. Juli“, „Jerry Maguire“, „Magnolia“ sowie als Produzent von „Top Gun: Maverick“. Gewonnen hat er bisher nicht; 2025 wurde er jedoch mit einem Ehren-Oscar ausgezeichnet.

Das Branchenblatt „Variety“ wertet die gemischten Reaktionen auf „Digger“ nicht zwingend als Nachteil für eine mögliche Auszeichnung. Gerade weil der Film kontrovers diskutiert werde, könnte er Cruise eher nützen. Schließlich steht der Schauspieler damit seit Langem wieder im Zentrum einer Debatte – nicht nur als Star, sondern als Darsteller in einem Werk, über das die Branche streitet.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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