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Letzte Stunden: Tennessee vor historischer Hinrichtung

Schock in Tennessee: Erstmals seit 200 Jahren soll eine Frau hingerichtet werden – trotz letzter dramatischer Rettungsversuche.

30.09.2026, 06:18 Uhr

Ein Berufungsgericht im US-Bundesstaat Tennessee hat die geplante Hinrichtung der zum Tode verurteilten Christa Pike kurz vor der Vollstreckung gestoppt. Nach Gerichtsangaben hat die 50-Jährige Zweifel an der Rechtmäßigkeit des früheren Verfahrens dargelegt, die nun inhaltlich geprüft werden müssen.

Pike hätte am 30. September hingerichtet werden sollen. Wäre die Strafe vollstreckt worden, wäre sie die erste Frau seit 1819 gewesen, die in Tennessee hingerichtet wird.

Zweifel an der Bewertung ihrer Kindheitstraumata

Im Mittelpunkt der neuen gerichtlichen Prüfung steht die Frage, wie Pikes schwere Traumatisierungen aus der Kindheit juristisch gewürdigt wurden. Pike hatte angegeben, als Kind massivem Missbrauch ausgesetzt gewesen zu sein.

Vor Gericht argumentierte sie, der Bundesstaat Tennessee habe sie zunächst als Lügnerin dargestellt und ihre Schilderungen von Missbrauch als erfunden abgetan. Später habe der Staat den Missbrauch dann jedoch anerkannt. Nach Auffassung der Verurteilten stellt dieser Kurswechsel die Grundlage des damaligen Verfahrens und damit auch das verhängte Strafmaß infrage.

Gnadenantrag und Antrag beim obersten Gericht erfolglos

Bis zuletzt hatten mehrere Initiativen versucht, den Vollzug zu verhindern. Amnesty International verwies darauf, dass Pike in ihrer Kindheit schwerem Missbrauch ausgesetzt gewesen sei, darunter Vergewaltigung, sexuelle und körperliche Gewalt, Misshandlung und Vernachlässigung. Auch Experten der Vereinten Nationen forderten, die Hinrichtung auszusetzen.

Ein Gnadengesuch an den republikanischen Gouverneur Bill Lee blieb ohne Erfolg. Ebenso scheiterte ein Antrag an das oberste Gericht des Bundesstaates Tennessee.

Mutter des Opfers kritisiert Aufmerksamkeit

Die Mutter der getöteten jungen Frau äußerte sich in der New York Times empört über das große öffentliche Interesse an Pike kurz vor der geplanten Hinrichtung. Niemand könne sie jemals davon überzeugen, dass die Verurteilte sich verändert habe, wurde sie zitiert. Selbst während der Isolationshaft habe Pike Trost und Unterstützung erhalten – etwas, das ihrer Tochter nie mehr möglich gewesen sei.

Pike selbst sagte der Zeitung: „Ich finde nicht, dass jemand mich töten sollte, um mir beizubringen, dass es falsch ist, jemanden zu töten.“ In einer Audioaufnahme, die ihre Anwälte der Zeitung übergaben, erklärte sie zudem, sie durchlebe diese Hinrichtung jeden Tag in ihrem Herzen.

Tat aus dem Jahr 1995

Pike wurde 1996 wegen des Mordes an einer damals 19-jährigen Bekannten zum Tode verurteilt. Zum Zeitpunkt der Tat im Jahr 1995 war sie 18 Jahre alt.

Drei Teenager folterten und töteten das Opfer in einem abgelegenen Gebiet nahe der University of Tennessee in Knoxville. Nach Angaben des Death Penalty Information Center (DPI) wurde nur Pike zum Tode verurteilt. Ihr damaliger Freund, der zur Tatzeit 17 Jahre alt war, erhielt eine lebenslange Freiheitsstrafe. Eine weitere Beteiligte, damals 18 Jahre alt, kam mit einer Bewährungsstrafe davon.

Hinrichtungen von Frauen in den USA sind selten

Nach Angaben der offiziellen Webseite der Regierung von Tennessee ist Pike derzeit die einzige Frau im Todestrakt des Bundesstaates. Nach Daten des Cornell Center on the Death Penalty Worldwide wäre sie die erste Frau seit mehr als 200 Jahren gewesen, die dort hingerichtet wird.

Die Todesstrafe ist in den USA nicht einheitlich geregelt. In 27 Bundesstaaten ist sie weiterhin vorgesehen, 23 haben sie abgeschafft. In vier der 27 Staaten mit Todesstrafe gilt derzeit ein Vollstreckungsstopp.

Laut DPI wurden in den USA im laufenden Jahr bis zum 24. September 28 Straftäter hingerichtet. Seit 1976 gab es demnach insgesamt 1.683 Hinrichtungen, darunter 18 Frauen – das entspricht etwa einem Prozent aller Vollstreckungen.

Auch die Methoden unterscheiden sich je nach Bundesstaat. Seit 1976 wurden laut DPI 1.492 Menschen per Giftspritze hingerichtet, 163 auf dem elektrischen Stuhl und 19 durch Gas. Sechs Menschen wurden von einem Erschießungskommando getötet, drei durch Erhängen.

Mehrheit der US-Bürger befürwortet Todesstrafe

Einer jüngst veröffentlichten repräsentativen Umfrage des Pew Research Center zufolge befürworten 66 Prozent der Erwachsenen in den USA die Todesstrafe für wegen Mordes verurteilte Täter. Zugleich meinen 59 Prozent, dass die Todesstrafe keine abschreckende Wirkung auf schwere Straftaten hat.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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