Morddrohung gegen Charlotte Knobloch sorgt für Entsetzen
Nach einer Morddrohung gegen Charlotte Knobloch, die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, spricht Bayerns Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle von einem massiven Grenzübertritt. Der 93-jährigen Holocaust-Überlebenden gilt bundesweit große Aufmerksamkeit. Spaenle erklärte, Deutschland befinde sich an einem "Scheideweg".
Schmiererei im Englischen Garten entdeckt
Wie das Polizeipräsidium mitteilte, entdeckte ein Zeuge am Donnerstag im Münchner Englischen Garten auf einer Parkbank und einem Mülleimer eine hingeschmierte Drohung und verständigte die Polizei. Nach Angaben einer Sprecherin stand die Gewaltandrohung ausdrücklich im Zusammenhang mit dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt. Infolge dessen sagte Knobloch ihre Teilnahme an einer Veranstaltung ab. Zuerst hatte die Abendzeitung darüber berichtet.
Knobloch hatte sich nach dem Erfolg der AfD bestürzt gezeigt. Sie erklärte, es sei für sie selbst in den schlimmsten Albträumen unvorstellbar gewesen, dass Rechtsextreme in Deutschland wieder auf diese Weise Wahlen gewinnen könnten. Offen sagte sie auch, dass ihr diese Entwicklung Angst mache.
Staatsanwaltschaft ermittelt
Inzwischen befasst sich die Generalstaatsanwaltschaft München mit dem Fall. Laut Oberstaatsanwalt Andreas Franck wurden Ermittlungen wegen Volksverhetzung, Bedrohung und Sachbeschädigung aufgenommen. Zu den Schmierereien gehörte nach seinen Angaben auch ein Davidstern. Franck betonte, dass es sich bei Knobloch um eine der bedeutendsten jüdischen Persönlichkeiten in Deutschland handle.
Die Israelitische Kultusgemeinde bestätigte am Freitag, dass die in der Drohung namentlich genannte Person tatsächlich Charlotte Knobloch ist. Die langjährige Kämpferin gegen Antisemitismus und frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland kündigte daraufhin an, nicht an der Abendveranstaltung teilzunehmen. Weitere Termine waren zunächst nicht betroffen.
Spaenle: "Mehr als ein Tabubruch"
Spaenle sagte, die Bedrohung einer Frau wie Knobloch sei weit mehr als ein Tabubruch. Sie habe nach der Shoah mit ihrer Entscheidung, mit ihrer Familie in München und in Deutschland zu leben, dazu beigetragen, dem Land wieder den Weg zurück in die zivilisierte Welt zu öffnen. Er äußerte die Hoffnung, dass die Täterin oder der Täter schnell gefunden und zur Rechenschaft gezogen werde.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber