Tausende demonstrieren in Bayern gegen Rechtsextremismus
In München, Bamberg und Regensburg sind insgesamt rund 20.000 Menschen gegen Rechtsextremismus auf die Straße gegangen. Nach dem AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt wurden zugleich Forderungen nach einem möglichen Verbotsverfahren lauter.
Parallel dazu fanden in München und Bamberg auch rechte Kundgebungen statt, die sich gegen die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) richteten und seinen Rücktritt verlangten. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich daran knapp 2.000 Menschen. Insgesamt verliefen die Versammlungen weitgehend ohne größere Störungen, auch wenn es vereinzelt Zwischenfälle gab.
München: Deutlich mehr Teilnehmer bei "Prüf-Demo"
Am Münchner Siegestor kamen laut Polizei etwa 12.000 Menschen zu einer sogenannten Prüf-Demo zusammen. Damit war die Beteiligung viermal so hoch wie ursprünglich angemeldet. Hintergrund der bundesweiten Aktion ist die Forderung, dass Parteien, die vom Verfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall oder als gesichert rechtsextrem eingestuft werden, durch das Bundesverfassungsgericht überprüft werden sollen.
Zur gleichen Zeit versammelten sich am Königsplatz rund 350 Menschen zu einer rechten Demonstration unter dem Motto: "Diese Regierung muss weg." Die Veranstaltung war für bis zu 1.000 Teilnehmer angemeldet worden. In unmittelbarer Nähe protestierten zunächst rund 100 Gegendemonstranten. Nach späteren Polizeiangaben wuchs die Zahl zeitweise auf etwa 600 an.
Als ein Teil der Gegendemonstranten versuchte, sich der "Merz muss weg"-Versammlung zu nähern, griff die Polizei ein. Dabei kam es zu körperlichen Angriffen, bei denen vier Beamte leicht verletzt wurden. Die Polizei setzte Reizstoffsprühgeräte und einen Schlagstock ein. Zudem wurden vier Anzeigen wegen Angriffs auf Polizeibeamte aufgenommen.
Bamberg: Gegenprotest deutlich größer
Auch in Bamberg prägten Deutschlandfahnen das Bild. Bei einer Demonstration der Initiative "Einigkeit für Deutschland – Projekt M1llion" zogen nach Polizeiangaben rund 1.500 Menschen mit Trommeln und Trillerpfeifen durch die Stadt. Auf Transparenten standen Forderungen wie "Merz muss weg" sowie der Schriftzug "Omas gegen Frieden". Die Gruppe verlangt unter anderem Neuwahlen, einen Stopp der Migration und den Rücktritt der Bundesregierung.
Dem gegenüber stand ein deutlich größerer Gegenprotest mit rund 4.000 Teilnehmern. Aufgerufen hatten verschiedene Organisationen, darunter die "Omas gegen Rechts". Zu lesen waren dort Parolen wie "Hier ist kein Platz für rechte Hetze" und "Braune Soß nur zum Kloß".
Kurzzeitig kam es laut Polizei zu Verzögerungen beim Aufzug von "Projekt M1llion". Demnach versuchten 14 Menschen mit einer Sitzblockade, den Demonstrationszug zu stoppen. Einige von ihnen mussten von Einsatzkräften weggetragen werden, bevor der Marsch fortgesetzt werden konnte.
Regensburg: 3.500 Menschen setzen Zeichen
In Regensburg beteiligten sich laut Polizei rund 3.500 Menschen an einer Demonstration gegen Rechts. Die Initiative gegen Rechts (IgR) hatte nach dem AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt zu der Kundgebung aufgerufen.
Die Organisatoren erklärten, man wolle ein klares Signal senden: Man stehe weiterhin gemeinsam gegen menschenfeindliche Positionen, an der Seite der Betroffenen rechter Politik in Sachsen-Anhalt und für ein offenes, solidarisches Regensburg. Zudem betonte die Initiative, eine Stimme für die AfD verbessere nichts für die Menschen – auch nicht für ihre eigenen Wählerinnen und Wähler – und gefährde besonders Minderheiten, die zuerst ins Visier solcher Politik gerieten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber