Borussia Mönchengladbach hat die Trennung von Cheftrainer Eugen Polanski offiziell bestätigt. Nach dem schlechtesten Saisonstart der Vereinsgeschichte zog der Fußball-Bundesligist einen Tag nach dem erschreckenden 0:5 beim SC Freiburg die Konsequenzen. Die Borussia ist nach drei Spieltagen weiter punktlos und steckt früh in der Saison bereits tief in der Krise.
Sportchef Rouven Schröder begründete den Schritt mit den ausbleibenden Ergebnissen: „Trotz einer guten Vorbereitung und positiver Ansätze ist es der Mannschaft in der Bundesliga nicht gelungen, die gewünschten Ergebnisse zu erzielen.“ Die zuletzt gezeigten Leistungen hätten zur Entscheidung geführt, Polanski mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben zu entbinden. Mit Polanski muss auch Co-Trainer Tobias Trulsen den Verein verlassen.
Polanski reagiert enttäuscht
Polanski verabschiedete sich mit emotionalen Worten. Borussia Mönchengladbach sei und bleibe sein Verein, sagte der 40-Jährige. Entsprechend schmerzhaft sei das Aus für ihn. Nach dem gesicherten Ligaverbleib habe man vor der neuen Saison einiges verändert und sich viel vorgenommen, dies aber nicht auf den Platz gebracht. Er hoffe nun, dass die Borussia schnell wieder in die Spur finde.
Fans machen ihrem Frust Luft
Der Schritt hatte sich bereits nach der Niederlage in Freiburg angedeutet. Dort vermied Schröder noch ein klares Bekenntnis zum 40-Jährigen. Auch Polanski, einst selbst Gladbacher Profi, schien zu ahnen, was folgen würde. Dazu machten die mitgereisten Fans ihrem Ärger mit deutlichen Rufen wie „Wir haben die Schnauze voll“ Luft.
Lichte übernimmt zunächst interimsweise
Zunächst soll Co-Trainer Jan-Moritz Lichte die Mannschaft übergangsweise betreuen und damit voraussichtlich auch am kommenden Samstag im Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 auf der Bank sitzen. Unterstützt wird er von Markus Gellhaus und dem weiteren Trainerteam.
Der 46-Jährige war erst im Sommer aus dem Nachwuchsbereich von Manchester City an den Niederrhein gewechselt. Dort arbeitete er zunächst als Assistent mit besonderem Fokus auf die Entwicklung der Mannschaft.
Wieder ein früher Trainerwechsel nach drei Spieltagen
Für die Borussia ist es erneut ein sehr früher Schnitt auf der Trainerposition. Schon in der vergangenen Saison trennte sich der Club nach dem dritten Spieltag von Gerardo Seoane. Fast auf den Tag genau vor einem Jahr hatte Polanski, zuvor Trainer der Gladbacher Regionalligamannschaft, das Team übernommen. Die vergangene Spielzeit beendete der Verein auf Platz zwölf.
Seit dem Abgang von Marco Rose im Sommer 2021 verschliss Gladbach damit bereits mehrere Trainer: Adi Hütter, Daniel Farke, Gerardo Seoane und nun auch Eugen Polanski. Wie schon im Fall Seoane war Gladbach trotz deutlicher Skepsis im Umfeld und in Teilen des Aufsichtsrats mit einem bereits angeschlagenen Trainer in die neue Saison gegangen. Damals hatte noch Sportchef Roland Virkus an Seoane festgehalten, kurz darauf musste auch er gehen. Nun steht Nachfolger Rouven Schröder erneut vor der Aufgabe, einen neuen Cheftrainer zu finden.
Alte Probleme bleiben bestehen
Mit der Freistellung folgt der Club zwar den üblichen Mechanismen des Geschäfts. Ob dadurch die tiefer liegenden Probleme gelöst werden, ist aber offen. Denn trotz vieler personeller Veränderungen sind die bekannten Schwächen geblieben: Bei Rückschlägen bricht das Team regelmäßig ein, die Abwehr wirkt instabil und eine funktionierende Führungsstruktur innerhalb der Mannschaft ist kaum zu erkennen.
Schröders Umbau zahlt sich bislang nicht aus
Nach der enttäuschenden Vorsaison hatte Schröder im Sommer nicht den Chefcoach ausgetauscht, sondern stattdessen Kader und Trainerteam um Polanski umfassend verändert. Elf Neuzugänge sollten neue Hoffnung auf eine ruhigere Saison ohne Abstiegssorgen bringen.
Auch die Rückkehr von Kapitän Tim Kleindienst, der fast die komplette vergangene Spielzeit verletzungsbedingt verpasst hatte, hatte zunächst für Aufbruchstimmung gesorgt. Diese ist inzwischen verflogen. Kleindienst sorgte zuletzt zudem mit scharfer öffentlicher Kritik an Mitspielern für Irritationen, ohne selbst sportlich Akzente zu setzen. In Freiburg schwächte der noch torlose Stürmer seine Mannschaft zusätzlich mit einer Gelb-Roten Karte.
Hinzu kommt großes Verletzungspech: Aktuell fallen fünf Spieler aus, teils mit schwerwiegenden Blessuren. Am Ende ließ die Bilanz den Verantwortlichen kaum Spielraum: Es ist der schlechteste Saisonstart der Vereinsgeschichte, dazu kam Polanski in 34 Bundesliga-Spielen nur auf einen Punkteschnitt von 1,09.
Länderspielpause könnte helfen
Für Gladbach kommt hinzu, dass auf das Spiel gegen Mainz 05 anschließend eine längere Pause wegen der Länderspiele folgt. Der künftige Trainer hätte dadurch zumindest etwas Zeit, die Mannschaft kennenzulernen und erste Änderungen einzuleiten – vorausgesetzt, die Borussia findet zeitnah eine Lösung.
Wer neuer Chefcoach werden könnte, ist offen. Als Kandidaten werden unter anderem Ole Werner und Horst Steffen gehandelt. Steffen kommt aus der Region und war bereits als Spieler und Nachwuchstrainer für die Borussia tätig. Auch Alexander Blessin und Christian Eichner gelten als mögliche Optionen.
Sportchef Schröder muss damit nicht nur einen neuen Trainer präsentieren, sondern auch einen Weg finden, einen taumelnden Traditionsclub möglichst schnell zu stabilisieren.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber