Politik

Letzte Hoffnung der Demokraten? Obama wird 65

Seit Obama weg ist, taumeln die Demokraten – warum sie bis heute keinen echten Nachfolger finden, überrascht.

03.08.2026, 05:00 Uhr

Wenn Barack Obama an diesem Dienstag 65 Jahre alt wird, denken viele wohl zuerst an seine entspannte Ausstrahlung und sein außergewöhnliches Charisma. Von der Ankündigung seiner Präsidentschaftskandidatur 2007 in Springfield im Bundesstaat Illinois bis zu seinem berühmten Mikrofon-Moment beim letzten Dinner mit der Hauptstadtpresse Jahre später verstand es Obama wie kaum ein anderer, Menschen für sich einzunehmen – selbst jene, die ihn eigentlich kritisch begleiten sollten.

Fast ein Jahrzehnt nach dem Ende seiner Amtszeit ist Obama weiterhin präsent. In einem jüngst veröffentlichten Video warf er gemeinsam mit dem Rollstuhlbasketballer Josh Turek Körbe und machte dabei zugleich Werbung für einen demokratischen Senatskandidaten aus Iowa im Vorfeld wichtiger Zwischenwahlen. Auch in sozialen Netzwerken bleibt der frühere Präsident aktiv und teilt dort regelmäßig Musik- und Buchtipps mit seinen Anhängern.

Im Juni eröffnete Obama in Chicago sein Präsidentenzentrum. Dort wird sein Lebensweg nachgezeichnet: von der Kindheit des auf Hawaii geborenen Politikers über seine Arbeit mit sozial benachteiligten Menschen in Chicago bis hin zu seinem Familienleben mit Michelle Obama und den gemeinsamen Töchtern Malia und Sasha. Die Ausstellung zeigt außerdem seinen politischen Aufstieg vom jungen demokratischen Senator in Washington bis zum ersten Afroamerikaner im Amt des US-Präsidenten.

Erfolge überstrahlen die Schattenseiten

In Erinnerung geblieben sind vor allem seine innenpolitischen und außenpolitischen Erfolge. Dazu zählt besonders die Gesundheitsreform von 2010, bekannt als „Obamacare“. International werden oft die Tötung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden im Jahr 2011, das Atomabkommen mit dem Iran sowie das Pariser Klimaabkommen von 2015 genannt. Auch seine Besuche in Berlin sind vielen in Deutschland noch präsent.

Angela Merkel wird 70
Sind eigentlich Freunde: Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Ex-US-Präsidenten Obama. (Archivbild) Quelle: Michael Kappeler/dpa POOL/dpa

Weniger stark im Gedächtnis verankert sind dagegen die problematischen Seiten seiner Präsidentschaft von 2009 bis 2017. Dazu gehören etwa die Überwachung des Handys der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel, tödliche US-Drohnenangriffe in Pakistan, die später als völkerrechtswidrig bewertet wurden, sowie die Abschiebung von Millionen Menschen aus den Vereinigten Staaten.

Segen oder Belastung für die Demokraten?

Trotz allem gilt Obama bis heute als letzter wirklich großer Star der Demokratischen Partei. Mit seiner Ausstrahlung und seiner rhetorischen Stärke setzte er den Maßstab für viele Nachfolger womöglich so hoch, dass kaum jemand daran herankommt. Während seiner Amtszeit verloren die Demokraten Berichten zufolge mehr als 1.000 Mandate auf Ebene der Bundesstaaten, bei Gouverneursämtern und im Kongress. Der Sender PBS zog bereits 2016 das Fazit, Obama hinterlasse seiner Partei eine Organisation, die lange in seinem Schatten gestanden habe und nun nach einer eigenen Identität suche.

Bis heute tun sich die Demokraten schwer, starke Persönlichkeiten mit landesweiter Strahlkraft zu etablieren. Zwar besiegte Joe Biden 2020 Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl, doch seine Amtszeit wurde zuletzt immer wieder von unglücklichen Auftritten und Aussetzern überschattet. Sein später Rückzug aus dem Wahlkampf 2024 schadete der Partei zusätzlich.

An bekannten Namen fehlt es den Demokraten zwar nicht. Die Gouverneure Gavin Newsom aus Kalifornien und Gretchen Whitmer aus Michigan gelten als mögliche Präsidentschaftsbewerber. Auch über eine neue Kandidatur von Ex-Vizepräsidentin Kamala Harris wird spekuliert. Doch keiner von ihnen wirkt bislang so mühelos überzeugend wie Obama einst.

Mehr Aufmerksamkeit bekommt daher eine jüngere Generation von Demokraten mit Außenseiterimage. Der New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani wird immer wieder mit Obama verglichen. Weil er in Kampala in Uganda geboren wurde, ist ihm eine Präsidentschaftskandidatur laut Verfassung jedoch verwehrt. Zudem sorgte er zuletzt mit umstrittenen Aussagen und Grenzüberschreitungen seiner Zuständigkeiten für Schlagzeilen. Abdul El-Sayed, der in Michigan einen Senatssitz anstrebt, wird zwar von prominenten Parteilinken wie Bernie Sanders und Alexandria Ocasio-Cortez unterstützt. Doch wie bei Ocasio-Cortez selbst bleibt fraglich, ob ein klar linkes Profil bei landesweiten Wahlen mehrheitsfähig ist.

Trump und Obama: Verachtung oder Neid?

Für Donald Trump ist die Unsicherheit der Demokraten politisch ein Vorteil. Der republikanische Präsident hat nie verborgen, wie wenig er von der Partei und besonders von Obama hält. Auf dem „Presidential Walk of Fame“ wird etwa behauptet, das inzwischen aufgegebene Atomabkommen mit dem Iran sei „schrecklich“ gewesen. Dabei wird ausgeblendet, dass Obama überhaupt eine Vereinbarung mit Teheran zustande brachte, während Trump sich trotz seines Images als großer „Deal-Maker“ auch Monate nach Kriegsbeginn am Iran festbeißt.

Es stellt sich daher die Frage, ob Trump Obama tatsächlich verachtet oder ihn in Wahrheit eher beneidet. Nach den Angriffen auf iranische Atomanlagen im Jahr 2025 inszenierte sich Trump in einer Weise, die an Obamas Auftreten nach der Tötung bin Ladens erinnerte. Auch einen Friedensnobelpreis hätte Trump offenbar gern. Gleichzeitig verspottete er das neue Obama Presidential Center als riesige Mülltonne, plant jedoch selbst ein Präsidentenmuseum.

Während Trump regelmäßig gegen seinen Vorgänger austeilt, hält Obama an seinem Ruf als „No Drama Obama“ fest. Zur Eröffnung seines Präsidentenmuseums lud er jüngst alle noch lebenden US-Präsidenten ein – mit Ausnahme Trumps, und das ganz ohne große öffentliche Inszenierung. Trump mag lauter auftreten. Doch wenn es um Stil geht, dürfte Obama selbst mit 65 noch immer die Nase vorn haben.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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