US-Präsident Donald Trump hat die angekündigten neuen Gespräche mit dem Iran als „letzte Chance“ für Teheran bezeichnet. Im Weißen Haus sagte er, man befinde sich in Gesprächen – nach seiner Darstellung auf Wunsch des Irans. Zugleich bekräftigte Trump, mehrere Staaten hätten Washington gedrängt, der Diplomatie noch einmal Raum zu geben. Für den Iran sei dies „eine letzte Chance“, ein gutes Abkommen zu unterzeichnen, erklärte er.
Dabei verschärfte Trump seinen Ton erneut deutlich. Er sagte, er wolle dem Iran „jede letzte Chance vor der Enthauptung“ geben und verband sein Verhandlungsangebot damit einmal mehr mit einer scharfen militärischen Drohung.
Trump hatte bereits am Sonntag (Ortszeit) an Bord der Air Force One auf dem Weg von New Jersey nach Washington eine neue Verhandlungsrunde mit Vertretern der Islamischen Republik für Montag angekündigt. Unklar blieb zunächst, wo genau die Treffen stattfinden, wie lange sie dauern und wer daran teilnehmen soll.
Zunächst soll es um die Straße von Hormus gehen
Besondere Bedeutung hat nach Trumps Darstellung die Wiederöffnung der Straße von Hormus für den Schiffsverkehr. Er sagte nun, Ziel sei es, die für den internationalen Öl- und Gashandel zentrale Meerenge bis Dienstag vollständig zu öffnen.
Trump machte im Weißen Haus zudem klar, dass eine mögliche Lösung für die Schifffahrt in der Straße von Hormus keine iranischen Gebühren oder Abgaben für die Passage beinhalten dürfe.
In einer zweiten Phase solle es dann um die von ihm so bezeichnete „Denuklearisierung“ des Irans gehen. Trump räumte zugleich ein, dass dieser Teil deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen werde.
Die Straße von Hormus ist seit Kriegsbeginn eines der wichtigsten Druckmittel Teherans gegenüber den USA. Die Meerenge ist zentral für den Export von Öl, Gas und Düngemitteln aus den Staaten am Persischen Golf. Die Einschränkungen des Schiffsverkehrs hatten die Weltmarktpreise zuletzt stark belastet.
Nach Trumps öffentlicher Absage weiterer Angriffe sank der Ölpreis deutlich. Ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober kostete am Montagmorgen etwas mehr als 83 US-Dollar – knapp sieben Prozent weniger als vor dem Wochenende.
Eigentlich sollte die Meerenge bereits infolge des Rahmenabkommens vom Juni wieder geöffnet werden. Dazu kam es jedoch nicht. Nach einer kurzen Belebung kam der Schiffsverkehr wegen neuer Angriffe zuletzt wieder fast zum Erliegen. Das US-Militär erneuerte seinerseits eine Seeblockade, um den Iran von Einnahmen aus dem Rohölexport abzuschneiden – der wichtigsten Finanzquelle der Führung in Teheran.
Iran verweist zunächst nur auf Gespräche mit Oman
Eine klare Bestätigung direkter neuer Gespräche mit den USA gab es aus Teheran zunächst nicht. Stattdessen informierte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Ismail Baghai, zunächst nur über bilaterale Verhandlungen mit dem Oman über einen gemeinsamen vorläufigen Schifffahrtskorridor in der Straße von Hormus.
Trump reagierte darauf verärgert und warf dem Iran auf seiner Plattform Truth Social Unehrlichkeit vor.
Der Iran beansprucht die Kontrolle über den Schiffsverkehr in der Meerenge und will dort eine Maut erheben. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Irna verhandelt Teheran mit Oman, dem anderen Anrainerstaat, bereits seit Längerem über eine Neuregelung. Außenminister Abbas Araghtschi zufolge befinden sich diese Gespräche in der Endphase. Vor Beginn des Krieges war die Straße von Hormus für die internationale Schifffahrt uneingeschränkt offen.
Trump: Größter Angriff seit dem Zweiten Weltkrieg nur ausgesetzt
Trump hatte in der Nacht zum Samstag nach eigenen Angaben den größten Angriff des US-Militärs „seit dem Zweiten Weltkrieg“ vorerst abgesagt, um den diplomatischen Bemühungen um ein Kriegsende eine Chance zu geben. Im Weißen Haus bekräftigte er nun erneut, dass Verbündete die USA um eine letzte diplomatische Gelegenheit gebeten hätten.
Zugleich wiederholte Trump seine Darstellung, wonach die USA nur auf Drängen Saudi-Arabiens, der Vereinigten Arabischen Emirate, Katars und auch des Irans selbst auf eine weitere massive Angriffswelle verzichtet hätten. Seinen Worten zufolge wäre dies der größte Angriff seit dem Zweiten Weltkrieg gewesen und hätte den Iran schwer getroffen. Vor Journalisten sagte er, der Angriff wäre für den Iran „verheerend“ gewesen.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte auf der Plattform X, das Militär habe bereitgestanden und bleibe weiterhin einsatzbereit – auf einem Niveau, „wie wir es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht gesehen haben“. US-Medienberichten zufolge sollten bei einer neuen Angriffswelle auch iranische Infrastruktur und Energieanlagen ins Visier genommen werden. Trump betonte zugleich, die Pläne seien lediglich ausgesetzt und könnten „jederzeit“ umgesetzt werden.
Atomprogramm bleibt zentraler Streitpunkt
Auch das iranische Atomprogramm bleibt ein Kernpunkt der Verhandlungen. Das Rahmenabkommen vom Juni sah hierzu weitere Gespräche vor. Israel, die USA und mehrere andere Staaten werfen dem Iran vor, an Atomwaffen zu arbeiten. Teheran weist das zurück.
Trump deutete nun an, dass dieses Thema erst in einem zweiten Schritt angegangen werden solle. Experten gehen dennoch nicht davon aus, dass in dem hochsensiblen Streitpunkt rasch eine Einigung erzielt werden kann.
Trump hatte die angebliche Bedrohung durch das iranische Atomprogramm als einen der Gründe für die amerikanisch-israelischen Angriffe genannt. Zu Beginn des Konflikts hatte er erklärt, der Krieg werde nur wenige Wochen dauern. Inzwischen befindet er sich im sechsten Monat.
Zweifel an einem schnellen Durchbruch bleiben
Ob ein Abkommen zur Straße von Hormus und zum Atomprogramm tatsächlich so nah ist, wie Trump behauptet, bleibt fraglich. Beide Konfliktfelder gelten als äußerst komplex, die Interessen der Beteiligten liegen teils deutlich auseinander. Hinzu kommt, dass Trump in der Vergangenheit wiederholt Durchbrüche angekündigt hat, die später bestritten wurden oder sich nicht bestätigten.
Katar und Saudi-Arabien hatten zuletzt vor allem zur Deeskalation aufgerufen. Katar verlangte zudem die Umsetzung des bereits bestehenden Rahmenabkommens der Kriegsparteien.
Mitte Juni hatten sich Washington und Teheran auf ein Grundsatzabkommen verständigt, das den seit Ende Februar andauernden Krieg beenden sollte. Innerhalb einer 60-tägigen Übergangsphase sollten die noch offenen Punkte geklärt werden. Schon damals gab es jedoch erhebliche Zweifel, ob die Vereinbarung Bestand haben würde. Zudem kam es seither immer wieder zu schweren gegenseitigen Angriffen. Im Juli etwa griff das US-Militär fast zwei Wochen lang täglich Ziele im Iran an, während Teheran US-Stützpunkte in den Golfstaaten und in Jordanien attackierte.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber