Politik

DIW-Chef will die «Rente mit 63» kippen

CDU-Aufstand gegen das Aus der Rente mit 63: Muss der Plan jetzt kippen? DIW-Chef Fratzscher warnt mit klaren Worten.

03.08.2026, 00:02 Uhr

DIW-Chef: Ende der abschlagsfreien Frührente ist für Reform entscheidend

DIW-Präsident Marcel Fratzscher hält die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Frührente nach 45 Beitragsjahren für unverzichtbar. Gegenüber der "Rheinischen Post" sagte er, dieser Schritt sei das zentrale und finanziell bedeutendste Vorhaben der vorgesehenen Rentenreform. Nach seiner Einschätzung könnten dadurch langfristig Einsparungen von knapp zehn Milliarden Euro erzielt werden. Zudem rechnet er pro Rentnerjahrgang mit rund 125.000 zusätzlichen Erwerbstätigen.

Fratzscher betonte, ohne diesen Baustein sei die gesamte Rentenreform praktisch gescheitert. In diesem Fall müsse die Bundesregierung erneut ganz von vorn beginnen und insbesondere die Finanzierung der gesetzlichen Rente grundlegend neu ordnen.

Aus seiner Sicht hätte ein Festhalten an der sogenannten "Rente mit 63" außerdem zur Folge, dass die gesetzliche Rentenversicherung künftig noch stärker Geld von Jüngeren zu Älteren sowie von ärmeren zu wohlhabenderen Menschen umverteilt. Profitieren würden davon vor allem Besserverdienende und Männer, während Menschen mit erhöhtem Risiko für Altersarmut deutlich seltener Vorteile daraus zögen.

Ostdeutsche CDU-Regierungschefs widersprechen

Widerstand kommt von den drei ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten Michael Kretschmer aus Sachsen, Sven Schulze aus Sachsen-Anhalt und Mario Voigt aus Thüringen. Sie wandten sich in einem Brief an die Bundesregierung gegen die Empfehlung der Rentenkommission und verteidigten die abschlagsfreie Frührente. Ihre Begründung: Wer 45 Jahre lang Beiträge gezahlt habe, habe seinen Anspruch ausreichend erworben — an diesem Grundsatz wolle man festhalten.

Die Rentenkommission hatte empfohlen, den abschlagsfreien vorzeitigen Renteneintritt nach 45 Beitragsjahren zu beenden. Dieses Modell ist weiterhin unter dem Begriff "Rente mit 63" bekannt.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hatten zuvor angekündigt, die Vorschläge der Kommission vollständig umsetzen zu wollen. Auch Unionsfraktionschef Thorsten Frei sowie CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann machten zuletzt klar, dass die CDU an der Abschaffung als Teil eines umfassenden Reformpakets festhalten will. CSU-Chef Markus Söder sprach sich ebenfalls dagegen aus, das Gesamtpaket erneut aufzuschnüren.

Bas fordert Klarheit von der Union

Arbeitsministerin Bas, die das Thema innerhalb der Bundesregierung federführend betreut, bezeichnete die Reform als "Gesamtkunstwerk". Zugleich forderte sie die Union auf, ihre Haltung zur abschlagsfreien Frührente eindeutig festzulegen. Sollte die Union das Paket tatsächlich neu verhandeln wollen, sperre sie sich dem nicht, sagte Bas im ZDF-"Sommerinterview". Derzeit sehe sie dafür jedoch keine klare Linie.

Der Begriff "Rente mit 63" ist zwar weiterhin verbreitet, trifft die aktuelle Rechtslage aber nur noch eingeschränkt. Der abschlagsfreie vorgezogene Renteneintritt ist bei ausreichender Versicherungsdauer derzeit erst ab einem Alter von 64,5 Jahren möglich.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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