Politik

Lehrergespräch, Brotzeitbox: Was Eltern jetzt müssen

Eltern kennen oft die Grenzen von Lehrkräften – doch ihre eigenen Schulpflichten? Experten sehen hier einen brisanten Trend.

14.09.2026, 04:30 Uhr

Wenn Schule ohne Eltern nicht funktioniert

Viele Mütter und Väter staunen nach dem Schulstart ihres Kindes, wie stark sie im Alltag eingebunden werden: Zuhause soll regelmäßig gelesen und geübt werden, für Feiern werden Kuchen erwartet, Bastelmaterialien organisiert oder Ausflüge begleitet.

Auch später endet diese Mitwirkung nicht. Eltern können sich aus schulischen Themen ihrer Kinder nicht einfach heraushalten. In Bayern sind sie sogar gesetzlich dazu verpflichtet, mit der Schule zusammenzuarbeiten. Doch aus Sicht vieler Lehrkräfte klappt das nicht immer ausreichend.

Was das Gesetz von Eltern verlangt

Nach den Vorgaben in Bayern sollen Eltern die Erziehungsarbeit der Schule unterstützen und darauf achten, dass ihre Kinder ihre schulischen Aufgaben zuverlässig erfüllen. Schule und Familie tragen demnach gemeinsam Verantwortung für Lernerfolg und persönliche Entwicklung.

Konkret bedeutet das unter anderem: Eltern müssen sicherstellen, dass ihr Kind regelmäßig am Unterricht teilnimmt und alle nötigen Materialien dabei hat. Das Kultusministerium verweist außerdem darauf, dass Elternabende und die Begleitung von Fördermaßnahmen wichtige Verbindungen zwischen Schule und Elternhaus schaffen. Für einen erfolgreichen und positiven Schulalltag reicht das allein jedoch nicht aus.

Lehrkräfte beobachten wachsende Probleme

Zwar begleiten viele Eltern die Schulzeit ihrer Kinder sehr engagiert, manchmal sogar überfürsorglich. Gleichzeitig berichten Lehrkräfte aber, dass die Zahl der Familien zunimmt, die sich zu wenig kümmern. Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, Simone Fleischmann, sieht dabei sowohl Überforderung als auch eine steigende Erwartungshaltung gegenüber dem Staat.

Schulranzen in einer Grundschule
Schulranzen, Sportzeug, Sonnenschutz, Brotzeit – gerade am Anfang schafft der Nachwuchs es nicht ohne Hilfe. (Symbolbild). Quelle: Arne Dedert/dpa

Nach Beobachtung vieler Grund- und Mittelschullehrkräfte bleiben häufig schon grundlegende Dinge liegen: Kinder gehen abends nicht rechtzeitig ins Bett, stehen morgens nicht pünktlich auf, kommen ohne Frühstück, ohne Pausenbrot, ohne Getränk oder ohne Sonnenschutz in die Schule. Fleischmann macht deutlich, dass Schulen solche Versäumnisse nicht für alle Kinder ausgleichen können.

Fehlende Rückmeldungen und wenig Struktur zuhause

Probleme zeigen sich laut Lehrkräften nicht nur im Alltag, sondern auch bei der Kommunikation mit den Familien. Andrea Zran, stellvertretende Vorsitzende des BLLV im Landkreis München und Leiterin einer Grundschule in Haar, berichtet, dass Eltern teils erst nach mehreren Aufforderungen zu Lernentwicklungsgesprächen erscheinen oder Termine wiederholt versäumen. Auch Elternbriefe würden oft gar nicht gelesen, obwohl die genutzte App Nachrichten in verschiedene Sprachen übersetzen kann.

Aus ihrer Sicht setzt sich die Passivität in Erziehungsfragen fort. Sie schildert, manche Eltern wirkten angesichts der Herausforderungen resigniert, etwa beim nächtlichen Medienkonsum schon bei jüngeren Kindern. Häufig fehle es zuhause an festen Abläufen, Ritualen und klaren Regeln.

Wenn schwierige Lebenslagen Familien belasten

Oft sind Familien betroffen, die mit belastenden Umständen kämpfen: fehlende Bezugspersonen, finanzielle Sorgen oder psychische Erkrankungen können dazu führen, dass schulische Unterstützung in den Hintergrund rückt. Manchmal spielen auch kulturelle Unterschiede und Missverständnisse eine Rolle.

Fachleute weisen zudem darauf hin, dass Kinder aus Elternhäusern mit wenig eigener Bildungserfahrung häufiger betroffen sind, weil schulische Leistungen dort teils weniger Gewicht haben. Daneben gibt es Kinder, denen materiell zwar vieles zur Verfügung steht, denen aber emotionale Zuwendung und Verbindlichkeit fehlen.

Gute Elternarbeit braucht Respekt und Zeit

Die Folgen solcher Entwicklungen zeigen sich oft im Verhalten und in den Leistungen von Kindern und Jugendlichen. Für Florian Schmidt, Rektor der größten Münchner Mittelschule an der Rockefellerstraße, ist die Zusammenarbeit mit Eltern deshalb entscheidend. Wichtig sei vor allem, dass Gespräche stattfinden und beide Seiten sich auf Augenhöhe begegnen.

Sein Ansatz: Eltern soll klar vermittelt werden, dass Schule und Familie dasselbe Ziel haben – nämlich das Beste für das Kind. Damit erreiche er meist Offenheit und Einsicht. Bei Sprachproblemen seien Dolmetscher eine große Hilfe. Nur in wenigen Fällen gelinge es gar nicht, einen Zugang zu den Eltern zu finden.

Schulen fordern mehr Unterstützung

Allerdings kostet diese Elternarbeit viel Zeit, und gerade bei Lehrkräftemangel fehlen dafür oft die Ressourcen. Schmidt fordert deshalb mehr Personal an Schulen und stärkere multiprofessionelle Teams aus Lehrkräften, Schulsozialarbeit und Schulpsychologie.

Aus seiner Sicht ist das notwendig, um Kinder besser zu fördern und langfristig auch bei Vergleichsstudien wie Pisa wieder erfolgreicher zu sein. Denn wenn sich gesellschaftliche Entwicklungen fortsetzen, dürften die Aufgaben der Schulen weiter wachsen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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