Politik

Kubas Stromkrise löst wütende Proteste aus

Bis zu 22 Stunden ohne Strom: In Havanna eskaliert der Frust. Jetzt prüft Kuba sogar ein heikles Hilfsangebot der USA.

14.05.2026, 17:52 Uhr

In Havanna haben Hunderte Menschen gegen die schwere Energiekrise demonstriert. In der kubanischen Hauptstadt kommt es täglich zu Stromausfällen, die in einzelnen Fällen bis zu 22 Stunden dauern. In mehreren Stadtteilen errichteten wütende Anwohner nachts brennende Barrikaden und machten mit Topfschlagen auf ihre Lage aufmerksam, wie Aufnahmen in sozialen Netzwerken zeigen. Die Regierung des sozialistischen Inselstaats macht dafür eine seit Monaten andauernde US-Blockade von Öllieferungen verantwortlich.

Am frühen Donnerstag ereignete sich erneut ein größerer Zusammenbruch der Stromversorgung. Nach Angaben des staatlichen Energieunternehmens UNE fiel das Netz zwischen der zentralen Provinz Ciego de Ávila und Guantánamo im Osten aus. Während der Hauptverbrauchszeiten liegt das Defizit im Stromsystem offiziellen Zahlen zufolge derzeit bei mehr als 2.000 Megawatt.

Kaum Treibstoff für die Kraftwerke

Seit Jahresbeginn durfte demnach lediglich ein russischer Tanker mit 100.000 Tonnen Öl Kuba anlaufen. Nach Regierungsangaben wären für das Land mit rund zehn Millionen Einwohnern jedoch mindestens acht solcher Lieferungen pro Monat nötig. Wegen fehlenden Brennstoffs und einer veralteten Infrastruktur kann Kuba derzeit nur etwa ein Drittel seines Strombedarfs decken.

Im Januar verlor Kuba außerdem seinen wichtigsten Lieferanten Venezuela, nachdem die USA den autoritär regierenden Präsidenten Nicolás Maduro durch einen Militäreinsatz entmachteten und festnahmen. Darüber hinaus setzte Washington im selben Monat weitere Öllieferanten Kubas mit der Androhung von Strafzöllen unter Druck, woraufhin unter anderem Lieferungen aus Mexiko ausblieben.

Havanna prüft Hilfsangebot aus den USA

Nachdem das US-Außenministerium am Mittwoch 100 Millionen US-Dollar an direkter humanitärer Hilfe für die kubanische Bevölkerung in Aussicht gestellt hatte, signalisierte die Regierung in Havanna Gesprächsbereitschaft. Nach Angaben aus Washington sollen mögliche Hilfsgüter über die katholische Kirche und andere unabhängige Organisationen verteilt werden.

Außenminister Bruno Rodríguez erklärte auf der Plattform X, Kuba sei bereit, sich die Details des Angebots sowie dessen Umsetzung anzuhören. Noch sei allerdings offen, ob es um finanzielle Unterstützung oder Sachleistungen gehe. Rodríguez betonte zugleich, die wirksamste Hilfe der US-Regierung wäre eine Lockerung des Energie-, Wirtschafts-, Handels- und Finanzembargos gegen die Insel.

Seit der Revolution von 1959 gelten die Beziehungen zwischen Kuba und den USA als belastet. Unter US-Präsident Donald Trump wurde der Druck auf Havanna weiter verschärft, um wirtschaftliche und politische Veränderungen zu erzwingen. Präsident Miguel Díaz-Canel warf Washington zuletzt auf X vor, Kuba mit "brutalen Maßnahmen" wirtschaftlich und energetisch zu ersticken.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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