Herzog startet Beratungen zur Regierungsbildung in Israel
Nach der Übergabe des offiziellen Endergebnisses der Parlamentswahl in Israel hat Präsident Izchak Herzog Gespräche mit den Parteien über die Bildung einer neuen Regierung begonnen. Bis Donnerstagabend werden Vertreter aller Fraktionen in seiner Residenz in Jerusalem erwartet.
Herzog erklärte, er wolle mit den Delegationen offen, direkt und auch kritisch sprechen. Dabei kündigte er an, nicht vor unbequemen Fragen zurückzuschrecken.
Enges Wahlergebnis macht Koalitionssuche schwierig
Mit Blick auf den knappen Ausgang der Wahl ohne eindeutigen Sieger rief der Präsident zu Einfallsreichtum, Mut und Kompromissbereitschaft auf. Sein Ziel sei es, eine weitere Neuwahl möglichst zu verhindern.
Bei der Abstimmung am 27. Oktober wurde die rechtskonservative Likud-Partei von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mit 27 der 120 Parlamentssitze stärkste Kraft. Dahinter folgte die Mitte-Partei Jaschar des früheren Generalstabschefs Gadi Eisenkot mit 21 Mandaten.
Das Mitte-rechts-Bündnis Bejachad der Ex-Regierungschefs Naftali Bennett und Jair Lapid erreichte zwölf Sitze. Die überwiegend arabische Vereinte Liste kam auf elf Mandate. Sowohl die Demokraten als auch die arabische Raam-Partei erhielten jeweils acht Sitze.
Sieben Mandate gingen jeweils an Israel Beitenu, die rechtsextreme Ozma Jehudit sowie das ultraorthodoxe Vereinigte Tora-Judentum. Je sechs Sitze entfielen auf die ebenfalls religiös-konservative Schas und den Religiösen Zionismus.
Üblicherweise betraut der Präsident den Politiker mit der Regierungsbildung, dem er die besten Aussichten auf eine Mehrheit im Parlament zuschreibt. Das muss nicht zwingend der Chef der stärksten Partei sein. Medienberichten zufolge könnte zunächst Eisenkot den Auftrag erhalten, da er womöglich die meisten Empfehlungen anderer Parteien auf sich vereint.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber