Politik

Merz schwänzt Klimagipfel – Neubauer spricht von Tabubruch

Fast 200 Staaten ringen in Antalya ums Klima – doch der Kanzler fehlt. Warum sein Fernbleiben jetzt scharfe Kritik auslöst.

04.11.2026, 16:16 Uhr

Bundeskanzler Friedrich Merz wird nicht am Treffen der Staats- und Regierungschefs im Rahmen der Weltklimakonferenz im türkischen Antalya teilnehmen. Ein Sprecher der Bundesregierung erklärte in Berlin, Merz sei in der kommenden Woche wegen anderer Termine verhindert. Nähere Angaben zu den Gründen machte er nicht und verwies lediglich auf unterschiedliche Interessenlagen und Terminüberschneidungen.

Von Klimaschützern kam deutlicher Widerspruch. Die Aktivistin Luisa Neubauer von Fridays for Future sprach von einem „klaren Tabubruch“ – insbesondere in einem Jahr, das von extremer Hitze und zahlreichen klimabedingten Katastrophen in Europa geprägt sei. Mit seiner Absage lasse der CDU-Politiker junge Menschen in der sich zuspitzenden Klimakrise demonstrativ allein. Zugleich vermittle die Bundesregierung international den Eindruck, beim Klimaschutz nicht entschlossen genug zu handeln.

Greenpeace nennt die Absage eine „Blamage“

Auch Greenpeace übte scharfe Kritik. Der geschäftsführende Vorstand von Greenpeace Deutschland, Martin Kaiser, bezeichnete es als „unfassbar“, dass es auf die mehr als 15.000 Hitzetoten dieses Sommers hierzulande kaum politische Reaktionen gegeben habe. Angesichts der Lage müsse Merz aus seiner Sicht persönlich bei der UN-Konferenz auftreten und einen grundlegenden Kurswechsel in der deutschen Klimapolitik ankündigen.

Kaiser verwies darauf, dass Deutschland nach Einschätzung des unabhängigen Expertenrats für Klimafragen seine Klimaziele für 2030 und 2040 derzeit nicht erreichen werde. Vor diesem Hintergrund sei das Fernbleiben des Kanzlers ein schlechtes Signal und eine „Blamage“ für das Land.

In Antalya beraten ab Montag für zwei Wochen Delegationen aus fast 200 Staaten darüber, wie die Erderwärmung begrenzt und ärmere Länder stärker unterstützt werden können. Zu der Konferenz werden Zehntausende Diplomaten, Medienschaffende und Lobbyvertreter erwartet.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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