Golan warnt vor möglichem Iran-Krieg unter Netanjahu
Der israelische Oppositionspolitiker Jair Golan hat Ministerpräsident Benjamin Netanjahu davor gewarnt, das Land in einen neuen Konflikt mit dem Iran zu führen. Auf der Plattform X erklärte der Vorsitzende der linksliberalen Demokraten, Netanjahu verfüge nicht über das nötige Vertrauen in der Bevölkerung, um eine solche militärische Auseinandersetzung zu verantworten. Zugleich sprach er sich für eine schnelle Bildung einer anderen Regierung aus.
Nach Einschätzung Golans wächst die Gefahr einer erneuten Eskalation mit Teheran. Israel befinde sich inzwischen in einem Muster wiederkehrender Spannungen und militärischer Zusammenstöße mit dem Iran. Die Sicherheit des Landes dürfe dabei nicht für Netanjahus politischen Selbsterhalt instrumentalisiert werden, mahnte er.
Bericht über Gespräch zwischen Trump und Netanjahu
Wie das Wall Street Journal berichtet, soll Netanjahu am Samstag mit US-Präsident Donald Trump telefoniert haben. Demnach fand das Gespräch vor dem Hintergrund amerikanischer Vorbereitungen auf mögliche neue Luftangriffe gegen den Iran statt. Bereits seit geraumer Zeit gibt es Spekulationen, wonach das US-Militär gemeinsam mit der israelischen Armee nach den US-Zwischenwahlen am 3. November erneut Ziele im Iran angreifen könnte.
Die Parlamentswahl in Israel vom 27. Oktober hat unterdessen keine klaren Verhältnisse geschaffen. Zwar liegt Netanjahus rechtskonservative Likud-Partei mit ihrem Lager vor den politischen Gegnern, doch reicht es auf keiner Seite für eine eindeutige Mehrheit. Beobachter rechnen deshalb mit schwierigen und langen Koalitionsgesprächen. Sollte keine Einigung gelingen, könnte sogar eine weitere Wahl notwendig werden.
Herzog drängt auf Kompromisse
Staatspräsident Izchak Herzog will am Mittwoch die Gespräche mit den Parteien zur Regierungsbildung aufnehmen. Auf Basis der Empfehlungen der Parteichefs wird er anschließend entscheiden, wem er den Auftrag zur Bildung einer Regierung erteilt.
Nach Angaben seines Büros rief Herzog die politischen Akteure dazu auf, nach der Wahl wieder mehr Realismus walten zu lassen. Im Wahlkampf seien manche Kandidaten sehr weit gegangen, nun müsse man auf den Boden der Wirklichkeit zurückkehren. Um eine weitere Abstimmung zu vermeiden, sollten die Parteien offen für Kompromisse und „kreative Lösungen“ sein, forderte er.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber