Zverev verliert erstes Match als Nummer eins – und wehrt sich gegen Zweifel
Alexander Zverev hat seinen Einstand als offizielle Nummer eins der Tennis-Welt verloren. Der 29-Jährige unterlag beim Masters in Paris in der zweiten Runde dem Italiener Lorenzo Musetti mit 6:7 (5:7), 2:6. Nach der verdienten Niederlage suchte der Hamburger keine Ausreden – ärgerte sich aber über die öffentliche Debatte um seinen Platz an der Spitze der Weltrangliste.
Zverev genervt von Diskussion um seinen Status
"Ich glaube nicht, dass sich irgendjemand in den letzten Tagen so oft rechtfertigen musste wie ich, was mich ehrlich gesagt nervt", sagte Zverev laut dem Portal Tennismajors nach der Partie. Er habe das Gefühl, erklären zu müssen, warum es in Ordnung sei, dass er die Nummer eins der Welt ist. Für ihn selbst stehe das nicht zur Debatte: "Ich habe es verdient, dort zu sein, wo ich bin."
Innerhalb der Tennisszene wird dennoch diskutiert, wie eindeutig Zverevs Aufstieg an die Spitze ist. Seine großen Rivalen Jannik Sinner und Carlos Alcaraz fehlten monatelang verletzt oder angeschlagen, zudem weist der Deutsche in dieser Saison eine negative Bilanz gegen Top-10-Spieler auf. Auf der anderen Seite gewann Zverev in diesem Jahr seine ersten Grand-Slam-Titel bei den Turnieren in Paris und New York.
Führung im Tiebreak noch verspielt
Seit Montag steht Zverev auch offiziell an Position eins der Weltrangliste. Dort löste er den seit Monaten verletzten Jannik Sinner ab. Der Italiener hatte seine Saison wegen anhaltender Knieprobleme vorzeitig beendet, der Wechsel an der Spitze war daher bereits zuvor absehbar.
Im ersten Satz lieferten sich beide ein ausgeglichenes Match, das erst im Tiebreak entschieden wurde. Zverev lag dort bereits mit 5:2 vorn, brachte den Vorsprung aber nicht ins Ziel. Musetti erhöhte anschließend das Risiko und wurde dafür belohnt. Besonders mit häufig eingesetzten Rückhand-Slices brachte der Weltranglisten-24. den Deutschen aus dem Rhythmus, der dadurch nicht wie gewohnt Druck aufbauen konnte.
Gegen Musetti hat Zverev nun vier der vergangenen fünf Duelle verloren. Zudem ist der Italiener erst der fünfte Profi der Tennis-Geschichte, der einen Gegner in dessen erstem Match als Weltranglistenersten schlagen konnte. Musetti zeigte sich nach seinem Coup selbst überrascht: Er sei ein wenig "geschockt" von dem Niveau, das er gegen Zverev abrufen konnte. "Es ist unglaublich."
Im zweiten Satz ohne Energie und ohne Antwort
Zu Beginn des zweiten Durchgangs gab Zverev früh sein Aufschlagspiel zum 1:2 ab. Danach wirkte der Hamburger zunehmend kraftlos und fand keinen Weg mehr zurück in die Partie. Die Körpersprache sprach Bände, ein sichtbares Aufbäumen blieb aus. Musetti nutzte diese Schwächephase konsequent.
Zverev wurde nach dem Match entsprechend deutlich. "Um es einfach auszudrücken: Er hat wirklich gut gespielt und ich habe wirklich schlecht gespielt", sagte er. Es sei einer seiner schwächsten Auftritte der vergangenen Monate gewesen. "Ich war schlecht. Das ist ganz einfach, es gibt keine Ausreden."
Blick geht nun zu ATP Finals und Davis Cup
Nach dem frühen Ausscheiden bleibt Vielspieler Zverev nun mehr Zeit, um für die ATP Finals vom 15. bis 22. November zu regenerieren. Direkt im Anschluss steht für ihn noch die Davis-Cup-Endrunde in Bologna an. Dort trifft die deutsche Mannschaft am 26. November zunächst auf Großbritannien. Sollte das Team weiterkommen, wartet zwei Tage später im Halbfinale der Sieger des Duells zwischen Spanien und Österreich.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber