Israel

Erneut Alarm: Israel trifft Beirut-Vororte

Explosion bei Beirut, Rauch über der Stadt: Israels neue Angriffe lassen die Waffenruhe kippen – droht jetzt die nächste Eskalation?

07.06.2026, 15:03 Uhr

Ungeachtet der eigentlich verkündeten Waffenruhe im Libanon hat Israels Militär erneut die Vororte der Hauptstadt Beirut angegriffen. Nach Angaben von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz galten die Attacken „Terroristen-Hauptquartieren“ und seien eine Reaktion auf Beschuss Israels durch die Hisbollah.

Aus den USA, die im Libanon vermitteln und zugleich auf ein Rahmenabkommen mit dem Iran hinarbeiten, gab es zunächst keine Stellungnahme. Die iranischen Revolutionsgarden hatten zuvor gewarnt, ein Angriff auf Beirut könne erneut einen umfassenden Krieg auslösen.

Nach Angaben der libanesischen Staatsagentur NNA wurden bei den Angriffen mindestens zwei Menschen getötet, elf weitere verletzt. Augenzeugenvideos zeigten dichte Rauchwolken über den als Dahija bekannten Vororten Beiruts. Das Gebiet gilt als Hochburg der Hisbollah, ist aber zugleich dicht besiedelt. Berichten und Zeugenaussagen zufolge wurde mindestens ein mehrstöckiges Gebäude schwer beschädigt. Israelische Medien meldeten, Ziel des Angriffs sei das Hauptquartier der Hisbollah gewesen.

Seit dem Inkrafttreten einer offiziellen Waffenruhe Mitte April hatte Israel seine Angriffe im Raum Beirut deutlich eingeschränkt. US-Präsident Donald Trump hatte damals einen Stopp israelischer Angriffe in dem Gebiet sowie ein Ende der Hisbollah-Attacken auf Israel verkündet. Israel hatte jedoch klargemacht, bei erneutem Beschuss wieder Ziele in den Vororten anzugreifen, und die Bewohner mehrfach zur Flucht aufgefordert. Nach offiziellen Angaben wurden im jüngsten Krieg im Libanon mehr als 3.600 Menschen getötet und rund 11.000 verletzt.

Wieder Raketen im Norden Israels

Zuvor war der Norden Israels erneut aus dem Libanon mit Raketen beschossen worden. Nach Angaben der israelischen Armee fing die Luftabwehr zwei Geschosse ab, die in israelisches Gebiet eingedrungen seien. Die Hisbollah reklamierte mehrere Angriffe auf israelische Truppen im Süden des Libanon für sich. Auch dort setzte Israel seine Angriffe fort.

Die Hisbollah und ihr wichtigster Unterstützer Iran stehen damit unter Druck, auf den jüngsten israelischen Angriff im Raum Beirut zu reagieren. Teheran hatte erneute Angriffe auf die Vororte der libanesischen Hauptstadt als rote Linie bezeichnet und vor einer neuen Eskalation im Krieg mit den USA und Israel gewarnt.

Der Analyst Ali Risk sagte dem Sender Al Jazeera, eine Antwort der Hisbollah sei ein riskanter Schritt und könne eine Rückkehr zu einem umfassenden Krieg auslösen. Bleibe eine Reaktion dagegen aus, könnten solche Angriffe auf den Süden Beiruts zur „neuen Norm“ werden.

Netanjahu: „Hisbollah ist auf der Flucht“

Netanjahu sagte zu Beginn einer Kabinettssitzung, Israel werde nicht hinnehmen, dass die Hisbollah auf sein Territorium und seine Ortschaften feuere, und entsprechend reagieren. Innerhalb einer Woche habe die Armee im Libanon 350 „Terroristen“ getötet. Man setze die Hisbollah massiv unter Druck und sehe Anzeichen dafür, dass sie sich zurückziehe, erklärte er weiter.

In der Nacht zum Donnerstag hatten sich Israel und der Libanon nach US-Angaben auf einen neuen Versuch verständigt, die bislang faktisch kaum wirksame Waffenruhe umzusetzen. Die Hisbollah wies die vereinbarten Bedingungen jedoch zurück. Kurz darauf kam es erneut zu Angriffen der proiranischen Miliz.

Auswirkungen auf Iran-USA-Verhandlungen?

Der israelische Angriff bei Beirut könnte auch die laufenden Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran zusätzlich belasten. Derzeit hält sich Pakistans Innenminister Mohsin Naqvi in Teheran auf, um die festgefahrenen Gespräche wieder in Bewegung zu bringen.

Neu hinzu kam eine scharfe Reaktion aus Teheran: Der iranische Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf verurteilte die Angriffe auf die Beiruter Vororte und drohte mit Konsequenzen. Das angebliche „grüne Licht“ für die Attacken mache amerikanische und israelische Stützpunkte zu legitimen Zielen des Irans, schrieb er auf der Plattform X. Die iranischen Streitkräfte hielten sich „alle Optionen offen“, da die Gegenseite nur die Sprache der Gewalt verstehe.

Iranischen Medien zufolge übermittelte Naqvi über Außenminister Abbas Araghtschi zudem eine schriftliche, versiegelte Botschaft des pakistanischen Armeechefs Asim Munir an den neuen iranischen obersten Führer Modschtaba Chamenei. Der 56-jährige Kleriker hat seit seiner Ernennung im März nach iranischer Verfassung das letzte Wort in allen strategischen Fragen.

Aus Teheran hieß es mehrfach, eine Einigung mit den USA sei nur möglich, wenn die Waffenruhe an allen Fronten eingehalten werde. Das gelte besonders für den Libanon, wo die Hisbollah als wichtigster Verbündeter Irans in der sogenannten Widerstandsachse gegen Israel gilt. Die iranischen Streitkräfte, vor allem die Revolutionsgarden, drohten wiederholt mit Vergeltung gegen Israel, setzten diese Drohungen bislang aber nicht um.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen