Bayern

Bayreuther KI-«Ring»: So irre war der Walkürenritt

Bayreuths KI-«Walküre» enttäuscht weiter – doch zwei Stars retten den Abend. Warum trotzdem alle über die Premiere reden.

28.07.2026, 23:12 Uhr

Wirre Projektionen und nahezu unbewegliche Figuren in flatternden, grauen Kostümen: Auch die "Walküre" bei den Bayreuther Festspielen fordert ihr Publikum mit einer von Künstlicher Intelligenz erzeugten Bildsprache heraus. Bei der Premiere am Dienstagabend fielen die Reaktionen auf die Inszenierung geteilt aus, während der musikalische Teil durchweg gelobt wurde.

Für den zweiten Abend von Richard Wagners "Ring des Nibelungen" überließen Marcus Lobbes, Leiter der Akademie für Theater und Digitalität in Dortmund, und sein Team erneut einer KI die visuelle Gestaltung. Das System war mit Material zur Tetralogie gefüttert worden und erzeugt daraus freie, teils chaotische Assoziationen. Mitten darin erscheint sogar einmal das Wort "Hakenkreuz".

Gerade beim im dritten Akt überwiegend düster illustrierten Walkürenritt wirkt vieles rätselhaft. Neben Motiven, die an den Film "Apocalypse Now" erinnern und damit an eine der bekanntesten kulturellen Bezüge dieser Musik, taucht plötzlich auch eine saftig grüne Schafswiese auf. Warum die Maschine diesen Sprung macht, bleibt offen.

Rätselhafte Symbole auf der Bühne

Ähnlich unklar bleibt, weshalb bei Brünnhildes Verbannung auf den Feuerfelsen auf einmal die olympischen Ringe zu sehen sind. Soll das an das olympische Feuer erinnern? Oder steckt darin ein Verweis auf die Aufgabe, die Siegfried im dritten Teil des "Ring" erwartet? Eine Deutung liefert die Inszenierung nicht.

Wenn KI die Regie ersetzt

Schon im deutlich kürzeren "Rheingold" zeigte sich, dass das Konzept an Grenzen stößt, wenn KI-Bilder nicht bloß eine Regie unterstützen, sondern diese vollständig ersetzen sollen. In der langen "Walküre" fällt das umso stärker ins Gewicht. Hinzu kommt, dass die Figuren in ihren grauen, vogelartigen Flatterkostümen fast gleich aussehen und oft hinter den Projektionen verschwinden. Bezeichnend: Klaus Florian Vogt trägt beinahe dasselbe Kostüm wie im "Rheingold" – dort als Loge, nun als Siegmund.

Bayreuther Festspiele - Die Walküre
So sieht die künstliche Intelligenz den Walkürenritt. Quelle: Enrico Nawrath/Bayreuther Festspiele/dpa

Musikalisch dagegen gab es viel Beifall. Klaus Florian Vogt wurde als Publikumsliebling gefeiert. Noch stärkeren Applaus erhielten jedoch Camilla Nylund als Brünnhilde und Michael Volle als Wotan für ihre herausragenden Leistungen. Der eigentliche Star des Abends war für viele aber Dirigent Christian Thielemann, seit Jahren ein besonderer Favorit auf dem Grünen Hügel.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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