Feuerwehren in Südeuropa unter Extremdruck
Von Hitze und starkem Wind angefachte Brände setzen weite Teile Südeuropas weiter unter Druck. In Frankreich und Spanien konzentrieren sich die Einsatzkräfte derzeit vor allem darauf, ein Wiederaufflammen bereits weitgehend eingegrenzter Waldbrände zu verhindern. Zehntausende Evakuierte durften dort inzwischen in ihre Häuser zurückkehren. Auf der griechischen Insel Kreta und in der Türkei sind dagegen neue Feuer ausgebrochen, die teils außer Kontrolle gerieten und weitere Evakuierungen nötig machten.
Frankreich: Sorge vor erneutem Aufflammen bei Bordeaux
An der französischen Atlantikküste bei Bordeaux kämpft die Feuerwehr weiterhin mit Hochdruck gegen neue Brandherde. Große Trockenheit, sinkende Luftfeuchtigkeit und kräftiger Wind erschweren die Lage zusätzlich. Nach Angaben der Präfektur werden Temperaturen von bis zu 41 Grad erwartet. Windböen von bis zu 45 Kilometern pro Stunde könnten die Flammen erneut anfachen und in das Gelände treiben. Ab Donnerstag werden zudem Unwetter erwartet.
In der Nacht und am Morgen gingen die Einsatzkräfte gegen mehrere Brandherde vor, die auf bereits betroffenen Flächen wieder aufflammten. Rund 2.200 Feuerwehrleute bleiben im Einsatz. Das Feuer hat in der Region inzwischen 42.000 Hektar Fläche in Mitleidenschaft gezogen – das entspricht 420 Quadratkilometern und damit etwa der Größe des Stadtstaats Bremen.
Nach Angaben des französischen Innenministeriums waren landesweit bis Montagnachmittag insgesamt 116.085 Hektar durch Waldbrände zerstört worden. In den betroffenen Gebieten hängen weiter dichter Rauch und der Geruch von Verbranntem in der Luft. Große Flächen bestehen nur noch aus verkohltem Waldboden, Sand und Asche. Für Tiere und Pflanzen sind die Folgen erheblich.
Nicht überall konnten Gebäude gerettet werden. Manche Häuser wurden erfolgreich geschützt, andere brannten vollständig aus. In mehreren Orten sind Dächer eingestürzt, Fensterscheiben zerborsten und Gärten verwüstet worden.
126 verletzte Einsatzkräfte – rund 60.000 Menschen dürfen zurück
Nach Angaben der Präfektur wurden bislang 126 Feuerwehrleute verletzt. Von den ursprünglich 224.000 evakuierten Menschen in der Region, darunter zahlreiche Urlauber, konnten am Dienstagabend viele wieder zurückkehren. Die Behörden erlaubten den Bewohnern von drei vorsorglich geräumten Orten mit zusammen rund 60.000 Einwohnern die Rückkehr, nachdem diese von den Flammen verschont geblieben waren.
Trotz dieser Entlastung bleibt die Lage angespannt. Die Einsatzkräfte versuchen weiter, unter dem Einfluss von Hitze, Trockenheit und Wind eine erneute großflächige Ausbreitung der Feuer zu verhindern.
Spanien: Zehntausende kehren zurück, Warnung vor neuer Hitzewelle
Auch in Spanien dürfen in den Waldbrandgebieten rund um Madrid Zehntausende Menschen wieder in ihre Häuser zurückkehren. Für rund 40.000 Menschen gelten jedoch weiterhin Evakuierungen oder Ausgangsbeschränkungen.
Die Behörden warnen zugleich vor verfrühter Entwarnung. Mit Beginn der vierten Hitzewelle des Sommers, die voraussichtlich bis Sonntag andauern wird, dürften die Löscharbeiten in den kommenden Tagen erneut erschwert werden. Ministerpräsident Pedro Sánchez sagte, die Lage entwickle sich günstig, dennoch müsse man extrem wachsam bleiben, die nächsten zwölf Stunden seien entscheidend.
Bei den schweren Bränden im Westen der Region Madrid sowie in den angrenzenden Provinzen Ávila und Toledo konnten die Einsatzkräfte weitere Fortschritte erzielen. Nach Angaben des Innenministers Fernando Grande-Marlaska stabilisierte sich die Lage zuletzt.
Europäische Hilfe für Frankreich und Spanien
Unterstützung bei den Löscharbeiten erhalten Frankreich und Spanien auch aus anderen europäischen Ländern. Rumänien und Griechenland verlängerten ihre Einsätze. Ab Samstag soll zusätzliche Hilfe aus Polen kommen, wie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mitteilte. Belgien kündigte außerdem an, Feuerwehrkräfte und Löschfahrzeuge nach Frankreich zu entsenden.
Kreta: Zwei Feuerwehrleute sterben bei Waldbrand
Besonders dramatisch ist die Lage auf der griechischen Ferieninsel Kreta. Dort kamen bei einem Waldbrand zwei Feuerwehrleute ums Leben. Das Feuer wütet seit den Mittagsstunden in der Region der Ortschaft Nea Krya Vrysi im gebirgigen Hinterland im Süden der Insel.
Nach Medienberichten wurden die beiden Einsatzkräfte in ihrem Fahrzeug von den Flammen eingeschlossen. Die Feuerfront soll inzwischen eine Länge von rund 15 Kilometern erreicht haben. Wegen der schnellen Ausbreitung und starker Winde wurden bereits fünf Ortschaften evakuiert.
Mehr als 100 Feuerwehrkräfte sind im Einsatz. Vier Löschhubschrauber und vier Löschflugzeuge mussten ihre Einsätze jedoch abbrechen, weil der Wind in der Region zu stark war.
Türkei: Neue Brände in Antalya und weiteren Provinzen
Auch in der Türkei hält eine Serie von Waldbränden die Einsatzkräfte in Atem. In der südlichen Urlaubsregion Antalya bekämpft die Feuerwehr seit Dienstag mehrere Brände, von denen ein Großteil nach Behördenangaben inzwischen gelöscht werden konnte. Weil die Flammen Wohngebiete erreichten, wurden vorsorglich Bewohner evakuiert. Einige der geräumten Häuser brannten nieder.
Die Behörden warnten, dass starker Wind die Ausbreitung des Feuers weiter begünstigen könne. Die nahe gelegenen Tourismuszentren Adrasan und Olympos wurden wegen der Brände für den Verkehr gesperrt. Einsatzkräfte versuchen dort, das Feuer aus der Luft und am Boden unter Kontrolle zu bringen. Menschen kamen nach bisherigem Stand nicht zu Schaden.
Als Ursache für die schwierige Lage nannten die Behörden extreme Hitze, starke Winde und sehr trockene Luft. Nach Angaben des Gouverneurs von Antalya, Hulusi Sahin, dürfte dieses Wetter auch in den kommenden Tagen anhalten. Ungewöhnlich sei, dass statt kühlender Nordwinde ein trockener Wind vom Meer komme, der kaum Feuchtigkeit mit sich bringe.
Weitere Brände wurden zudem aus den westtürkischen Provinzen Balikesir, Kütahya, Canakkale und Yalova gemeldet. Auch in der südwestlichen Provinz Mugla wird weiterhin ein Feuer bekämpft.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber