Iran

US-Militär stoppt Irans Raketen über Nahost

Trump stoppt die Iran-Angriffe – doch Teheran zielt laut US-Militär weiter auf US-Truppen im Nahen Osten. Droht jetzt Eskalation?

29.07.2026, 01:47 Uhr

Neue Angriffe im Nahen Osten überschatten die laufenden diplomatischen Bemühungen und treiben die Ölpreise erneut nach oben. Erstmals seit dem vorläufigen Stopp der US-Angriffe auf Ziele im Iran haben Teherans Streitkräfte wieder US-Ziele in der Region attackiert. Parallel dazu gingen die USA und Saudi-Arabien gemeinsam gegen proiranische Ziele im Irak vor.

Ballistische Raketen auf US-Truppen abgefeuert

Das US-Militär hat nach eigenen Angaben am Dienstagabend (US-Ostküstenzeit) mehrere ballistische Raketen abgefangen, die aus dem Iran auf amerikanische Truppen im Nahen Osten abgefeuert worden seien. Das US-Regionalkommando Centcom sprach auf X von einem abgewehrten Angriff; alle Geschosse seien erfolgreich abgefangen worden. Welches Ziel genau attackiert wurde, teilte das Militär zunächst nicht mit.

US-Präsident Donald Trump kündigte danach Vergeltung an. Nach Angaben des Senders Fox News sagte er, die USA würden den Iran hart treffen. Demnach betonte Trump auch, die amerikanischen Streitkräfte hätten nur wenige Minuten Zeit gehabt, um auf den überraschenden Raketenangriff zu reagieren.

Der iranische Rundfunk verbreitete später eine Erklärung der Revolutionsgarden, wonach der Angriff einer US-Militärbasis in Jordanien gegolten habe. Auch Jordaniens Streitkräfte meldeten, fünf aus dem Iran abgefeuerte Raketen abgefangen zu haben.

Angriff als mögliches politisches Signal

Der Iran-Experte Hamidreza Azizi bezeichnete den Vorfall auf X als bemerkenswert. Seiner Einschätzung nach war es das erste Mal, dass Teheran einen solchen Angriff ausführte, ohne zuvor selbst von den USA oder Israel angegriffen worden zu sein.

Azizi sieht einen möglichen Zusammenhang mit dem Besuch des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu im Weißen Haus. Der Raketenbeschuss könnte demnach als Warnung an Washington gedacht gewesen sein, sich nicht an einer neuen Militärkampagne gegen den Iran zu beteiligen oder selbst eine solche zu beginnen.

USA und Saudi-Arabien greifen Ziele im Irak an

Zeitgleich meldete Centcom neue Militäraktionen im Irak. Gemeinsam mit Saudi-Arabien hätten US-Streitkräfte im Osten des Landes mehrere Logistik- und Waffenlager einer dem Iran nahestehenden Gruppierung angegriffen. Amerikanische und saudische Kampfflugzeuge hätten die Ziele bombardiert; das Militär sprach von einem Schlag gegen „Terroristen“.

Als Begründung hieß es, in den vergangenen 72 Stunden habe es mehr als 30 von den iranischen Revolutionsgarden angeordnete Drohnenangriffe gegeben. Diese hätten sich laut US-Angaben gegen in Saudi-Arabien stationierte US-Truppen sowie gegen die Energieinfrastruktur des Landes gerichtet. Die Attacken auf US-Streitkräfte seien erfolglos geblieben.

Das saudische Verteidigungsministerium erklärte, die gemeinsamen Angriffe hätten Miliz-Zielen im Irak gegolten, von denen zuvor Attacken auf saudische Ölanlagen ausgegangen seien. Trump bezeichnete die betroffenen Milizen laut Fox News als „Krebsgeschwür“ und sagte zudem, die Angriffe seien mit der irakischen Regierung abgestimmt gewesen.

Milizen melden Tote und Verletzte

Die sogenannten Volksmobilisierungskräfte (PMF), ein Bündnis überwiegend schiitischer und Iran-treuer Milizen im Irak, meldeten nach den nächtlichen Luftangriffen 20 Tote und 32 Verletzte in den eigenen Reihen. Nach ihren Angaben wurden Ziele in mehreren Landesteilen getroffen, darunter im Raum Bagdad, im südlichen Basra und in Ninive im Norden. Beschädigt worden seien Gebäude, Fahrzeuge und militärische Ausrüstung.

Krisensitzung in Bagdad

Als Reaktion auf die Angriffe berief Iraks Ministerpräsident Ali al-Saidi nach Angaben der Staatsagentur INA eine Krisensitzung des nationalen Sicherheitsrates ein. Bei dem Treffen in Bagdad sollte es um die Sicherheitslage und die Luftangriffe gehen.

Im Krieg zwischen Iran und seinen Gegnern geraten die Golfstaaten zunehmend mit in den Strudel des Konflikts. Länder wie Saudi-Arabien und Kuwait stehen dem Bericht zufolge teils auch unter Beschuss aus dem Irak, wo mit Teheran verbündete Milizen weiterhin erheblichen Einfluss haben. Die Regierung in Bagdad strebt zwar eine Entwaffnung dieser Gruppen an, derzeit erscheint das jedoch kaum realistisch.

USA hatten Angriffe auf den Iran zuletzt ausgesetzt

Die USA hatten Ende vergangener Woche nach Darstellung von Trump auf weitere Angriffe im Iran verzichtet, um den laufenden Verhandlungen mit Teheran noch eine Chance zu geben. Zuvor hatte das US-Militär Berichten zufolge fast zwei Wochen lang Nacht für Nacht Ziele im Iran angegriffen.

Als weiterer möglicher Grund für die Pause gelten schwindende Munitionsbestände der USA. Nach einem Bericht der New York Times betrifft das vor allem Luftabwehrmunition wie Patriot-Raketen.

Bericht: Iran weist omanischen Vorschlag zurück

Unterdessen stocken offenbar auch diplomatische Bemühungen rund um die Straße von Hormus. Laut einem Bericht des Wall Street Journal hat der Iran einen neuen Vermittlungsvorschlag Omans zurückgewiesen. Teheran und Maskat sprechen seit Wochen über eine gemeinsame Kontrolle der strategisch wichtigen Meerenge.

Dem Bericht zufolge schlug Oman nun eine zeitweilige Lösung vor. Teheran beansprucht jedoch demnach einen größeren Anteil an den Routen durch die Passage und lehnte den Vorschlag deshalb ab.

Netanjahu in Washington empfangen

Trump hatte am Dienstag den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu im Weißen Haus empfangen. Für Netanjahu war es der erste Besuch in den USA seit Beginn des Iran-Kriegs. Das Treffen galt als heikel, weil zuletzt unterschiedliche Interessen im weiteren Vorgehen gegen den Iran sichtbar geworden waren.

Das Gespräch fand nicht öffentlich statt, konkrete Inhalte wurden nicht bekannt. Netanjahu sagte später im Interview mit Fox News, es sei „eines der besten Treffen“ gewesen, die beide je gehabt hätten.

Netanjahu nahm in Washington zudem an der Trauerfeier für den verstorbenen US-Senator Lindsey Graham teil.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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