Studie: Aktuelle Hitzewelle in Europa laut Forschern ohne Klimawandel kaum denkbar
Die derzeitige Hitzewelle in West- und Mitteleuropa hätte nach Einschätzung von Forschern ohne den menschengemachten Klimawandel in dieser Intensität nahezu nicht stattfinden können. Nach Angaben der Organisation World Weather Attribution wären die aktuell gemessenen Höchstwerte am Tag ebenso wie die ungewöhnlich warmen Nächte vor etwa 50 Jahren zu dieser Jahreszeit praktisch unmöglich gewesen. Selbst in anderen Jahreszeiten wären solche Temperaturen damals nur schwer vorstellbar gewesen.
Nach Berechnungen der Wissenschaftler läge eine vergleichbare Hitzewelle unter den früheren klimatischen Bedingungen im Schnitt rund 3,5 Grad niedriger. Der Klimawandel sei damit der entscheidende Grund für die derzeitigen Rekordtemperaturen.
Das Forschungsteam um die deutsche Klimawissenschaftlerin Friederike Otto vom Imperial College London untersucht bei extremen Wetterereignissen regelmäßig, wie stark die Erderwärmung dazu beiträgt. Dafür werden aktuelle Messdaten mit historischen Werten sowie mit Modellen verglichen, die zeigen sollen, wie sich das Wetter ohne den Einfluss des Klimawandels entwickelt hätte.
Nächte besonders stark betroffen
Im Fall der aktuellen Hitzewelle kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass die außergewöhnlich hohen Nachttemperaturen heute etwa 100-mal wahrscheinlicher sind als noch im Jahr 2003, als Europa bereits unter einer schweren Hitzewelle litt. Die extremen Tageshöchsttemperaturen seien im gleichen Zeitraum etwa zehnmal wahrscheinlicher geworden.
Zugleich schließen die Experten aus, dass das natürliche Klimaphänomen El Niño maßgeblich für die gegenwärtige Hitzewelle verantwortlich ist. Dieses habe in Europa in der Regel nur einen vergleichsweise geringen Einfluss.
Friederike Otto erklärte, Wissenschaftler kämen sich inzwischen vor „wie eine kaputte Schallplatte“: Es handle sich um Klimawandel, der Mensch trage die Verantwortung, El Niño sei nicht die Ursache, Lösungen seien bekannt – würden jedoch nicht schnell genug umgesetzt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber