Politik

IS-Rückkehrerinnen: Australien schlägt zu

Zurück aus Syrien, jetzt vor Gericht: Drei „IS-Bräute“ müssen sich in Australien sogar wegen Sklavenhaltung verantworten.

08.05.2026, 13:01 Uhr

Drei aus Australien stammende Frauen mit mutmaßlichen Verbindungen zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sind nach ihrer Rückkehr in die Heimat angeklagt worden. Nach übereinstimmenden Medienberichten in Australien reichen die Vorwürfe von der Beteiligung an Versklavung bis hin zur Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Die Ermittlungen laufen demnach bereits seit Jahren und begannen, nachdem die Frauen gemeinsam mit ihren Partnern, die sich dem IS anschließen wollten, in den Nahen Osten gereist waren.

Die Frauen kamen zusammen mit ihren Kindern bereits am Donnerstag in Australien an. Am Freitag mussten sie sich dann in Melbourne und Sydney vor Gericht verantworten.

Zuletzt hatten sie im Flüchtlingslager Roj im Norden Syriens gelebt. Australischen Medien zufolge halten sich dort weiterhin etwa 20 Frauen und Kinder mit IS-Bezug auf, die möglicherweise in den nächsten Wochen ebenfalls eine Rückkehr nach Australien anstreben.

Albanese: „Keinerlei Sympathie“

Gegen zwei der Rückkehrerinnen – eine Mutter und ihre Tochter – wurden Anklagen wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit erhoben. Laut der Zeitung Sydney Morning Herald ist ein vergleichbarer Fall in Australien bislang ohne Beispiel und deshalb von historischer Bedeutung. Das öffentliche Interesse an den Frauen, die in australischen Medien teils als „IS-Bräute“ bezeichnet werden, ist entsprechend groß. Premierminister Anthony Albanese erklärte den Berichten zufolge, er empfinde „keinerlei Sympathie“ für die Frauen und unterstütze die juristische Aufarbeitung.

IS-Rückkehrerinnen in Australien angeklagt
Vor ihrer Rückkehr nach Australien sollen die Frauen und ihre Kinder mehrere Jahre im Roj-Lager gelebt haben. (Archiv) Quelle: Baderkhan Ahmad/AP/dpa

Die drei Beschuldigten sind heute 31, 32 und 53 Jahre alt. Bei ihrer Ankunft soll es an einem Flughafen zu teils unübersichtlichen Szenen gekommen sein, wie australische Medien meldeten. Eine vierte Frau, die ebenfalls am Donnerstag eingereist sein soll, wurde den Angaben nach zunächst nicht festgenommen.

Vorwurf: Jesidische Frau versklavt

Der Mutter und ihrer Tochter wird konkret vorgeworfen, eine jesidische Frau als Sklavin gehalten zu haben. Sami Sheebo, ein Vertreter der jesidischen Gemeinschaft in Australien, sagte dem Sydney Morning Herald, der Fall reiße „schmerzhafte Erinnerungen und emotionale Wunden“ auf – besonders bei den Frauen, die unter Gefangenschaft und Versklavung durch den IS gelitten hätten.

Im Jahr 2014 hatte der IS das Siedlungsgebiet der Jesiden im Nordwesten des Irak angegriffen. Ziel der Extremisten war es, die jesidische Religion auszulöschen: Menschen wurden zur Konversion gezwungen, religiös indoktriniert, verschleppt und versklavt; Frauen und Mädchen wurden vergewaltigt, Männer ermordet, wenn sie sich weigerten, zum Islam überzutreten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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