Erstes persönliches Treffen in New York
Im Ringen um die Nachfolge von Julian Nagelsmann als Bundestrainer ist die Entscheidung nach dem Gipfeltreffen in New York offenbar weit vorangekommen. Nach Angaben des DFB gab es beim ersten intensiven Gespräch zwischen der Verbandsspitze und Wunschkandidat Jürgen Klopp eine Verständigung über wesentliche Eckpunkte eines möglichen Vertrags.
Klopp kam zu dem Treffen in einem Hotel am John-F.-Kennedy-Flughafen betont locker gekleidet, ging nach dem mehrstündigen Austausch aber praktisch als künftiger Bundestrainer wieder hinaus. Mit ihm am Tisch saßen DFB-Präsident Bernd Neuendorf, DFB-Vize Hans-Joachim Watzke und Klopps langjähriger Berater Marc Kosicke.
Austausch dauerte mehr als vier Stunden
Nach Berichten dauerte das Treffen mit kurzen Unterbrechungen mehr als vier Stunden. Direkt danach äußerte sich keiner der Beteiligten öffentlich. Einen Tag später präzisierte der DFB den Stand der Gespräche und sprach von einem konstruktiven Austausch.
Wörtlich erklärte der Verband, beide Seiten seien zuversichtlich, die Verhandlungen erfolgreich abschließen zu können – vorbehaltlich einer Einigung mit Klopps aktuellem Arbeitgeber Red Bull. Zugleich kündigte der DFB an, dass die Gespräche in der kommenden Woche fortgesetzt werden sollen.
Es gibt noch eine Hürde
Die Bundestrainer-Frage ist damit auf die Zielgerade eingebogen, endgültig geklärt ist sie aber noch nicht. Entscheidend bleibt, ob eine Lösung mit Red Bull gefunden wird. Klopp ist dort seit Januar 2025 als Head of Global Soccer tätig und besitzt noch einen bis 2029 laufenden Vertrag.
Nach dpa-Informationen gilt weiter als denkbares Modell, dass Klopp seine operative Funktion aufgibt, dem Konzern aber als Markenrepräsentant verbunden bleibt. Genau dieses Konstrukt wird allerdings bei Traditionalisten innerhalb des DFB kritisch gesehen.
Zusätzliche Bewegung könnte in die Verhandlungen kommen, weil Red-Bull-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff in der WM-Finalwoche in die USA reisen soll.
DFB-Gremien müssen am Ende zustimmen
Selbst wenn Klopp und der DFB alle offenen Punkte ausräumen, ist der Vertrag noch nicht automatisch wirksam. Ein möglicher Kontrakt müsste anschließend noch in einer gemeinsamen Sitzung von Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung der DFB GmbH & Co. KG final beschlossen werden. Ein Termin dafür steht bislang noch nicht fest.
DFB-Vertreter reisten aus Frankfurt an
Klopp hält sich wegen der Fußball-WM bereits seit Wochen in den USA auf und arbeitet dort für MagentaTV als TV-Experte. Er beobachtet die Spiele vor Ort und ordnet sie sportlich ein.
Die DFB-Führung war eigens aus Frankfurt am Main nach New York gereist, um das direkte Gespräch mit ihm zu führen. Gerade für Präsident Neuendorf galt der persönliche Austausch als unerlässlich.
Bereits nach der Trennung von Nagelsmann hatten sich beide Seiten offen zueinander bekannt. Vieles war demnach schon vor dem Treffen inhaltlich vorbesprochen worden.
Vertrag bis 2030 bleibt ein mögliches Modell
Über die genaue Laufzeit wurde offiziell weiterhin nichts mitgeteilt. Im Gespräch bleibt aber ein Vertrag nicht nur bis zur EM 2028, sondern sogar bis zur Weltmeisterschaft 2030.
Auch bei der Vergütung wird kein großer Sprung erwartet. Medienberichten zufolge soll das Gehalt nur leicht über dem seines Vorgängers liegen. Unbestätigten Angaben nach soll Nagelsmann rund sieben Millionen Euro pro Jahr verdient haben.
Nagelsmann trat nach dem WM-Aus zurück
Klopp war beim DFB von Beginn an der klare Favorit auf den vakanten Cheftrainer-Posten. Vorausgegangen war das frühe WM-Aus der deutschen Mannschaft im Sechzehntelfinale gegen Paraguay im Elfmeterschießen.
Julian Nagelsmann verlor danach nach Berichten sowohl im Verband als auch bei vielen Fans deutlich an Rückhalt und trat schließlich zurück. Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann würdigte diesen Schritt ausdrücklich als Übernahme von Verantwortung.
Watzke hatte zuvor betont, dass es bei der Nachfolge nicht bloß darum gehen könne, "einen Namen auszutauschen". Der DFB sucht vielmehr eine Lösung, die auch sportlich und menschlich zur Nationalmannschaft passt.
Klinsmann beschreibt das Profil des Bundestrainers
Während der WM hatte der frühere Bundestrainer Jürgen Klinsmann die Aufgabe des Nationalcoachs als weit mehr als reine Trainingsarbeit beschrieben. Im Kern müsse der Bundestrainer ein „Menschen-Manager“ sein.
Es gehe um die Zusammenstellung des Kaders, die Führung der Mannschaft, den Umgang mit Familien und Umfeld sowie die Abstimmung mit dem Verband. Viele Beobachter trauen genau dieses Profil Klopp zu.
Aus Sicht des DFB wäre zudem die weitere Zusammenarbeit mit Rudi Völler hilfreich. Der Sportdirektor soll dem Verband auch nach dem WM-Aus bis zur EM 2028 erhalten bleiben.
Große Erfolge als Vereinscoach
Für die Rolle des Bundestrainers wäre es Klopps erste Station als Nationaltrainer. Seine Bilanz im Vereinsfußball zählt jedoch zu den stärksten in Europa.
Er führte den FSV Mainz 05 2004 in die Bundesliga, gewann mit Borussia Dortmund zweimal die deutsche Meisterschaft (2011, 2012) und 2012 den DFB-Pokal. Später wechselte er zum FC Liverpool, den er 2020 zur englischen Meisterschaft und 2022 zum Pokalsieg führte. Den größten Triumph feierte er 2019 mit dem Gewinn der Champions League.
Nach seinem Abschied aus Liverpool hatte Klopp erklärt, ihm sei nach den intensiven Jahren in der Premier League die Energie ausgegangen. Mit Blick auf den möglichen DFB-Job hatte er zuletzt aber deutlich gemacht, dass er wieder bereit sei.
Keine lange Hängepartie erwartet
Trotz offener Punkte mit Red Bull wird derzeit nicht mit einer langen Verzögerung gerechnet. Akuter Zeitdruck besteht ohnehin nicht: Die ersten Länderspiele der deutschen Nationalmannschaft in der neuen Saison stehen erst Ende September an.
Dann wartet direkt ein dichtes Programm. Im neu gestalteten Länderspielfenster bestreitet die DFB-Auswahl innerhalb von nur zehn Tagen vier Spiele gegen die Niederlande, Serbien und zweimal Griechenland. Sollte Klopp übernehmen, würde er also sofort mit einem anspruchsvollen Start beginnen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber