Nordrhein-Westfalen

Bahnchaos Düsseldorf-Köln: Sperrung dauert weiter an

Feuer an der Böschung stoppt eine zentrale NRW-Bahnstrecke – und die große Frage bleibt: War es wirklich nur ein Unfall?

11.07.2026, 08:33 Uhr

Die wichtige Bahnverbindung zwischen Düsseldorf und Köln ist nach aktuellem Ermittlungsstand vermutlich durch einen Brandanschlag lahmgelegt worden. Aus Sicherheitskreisen hieß es, es werde von einem Sabotageakt ausgegangen. Auf der linken Plattform indymedia.org wurde zudem ein mutmaßliches Bekennerschreiben veröffentlicht. Auch Polizei und Staatsanwaltschaft Köln teilten mit, dass die Ermittler derzeit davon ausgehen, dass das Feuer vorsätzlich gelegt wurde.

Die Strecke ist seit Freitag gesperrt, ein Termin für die Wiederaufnahme des regulären Zugverkehrs steht weiterhin nicht fest. Die Deutsche Bahn spricht von „immensen Schäden“.

Reul: „Diese Menschen wollen Chaos“

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) verurteilte den mutmaßlichen Anschlag scharf. Solche Taten seien kein Protest, sondern gezielte Sabotage, sagte er. Der Angriff treffe den Alltag vieler Menschen und nehme Kollateralschäden bewusst in Kauf.

Besonders mit Blick auf die derzeitige Trockenheit kritisierte Reul die mutmaßlichen Täter deutlich. Wer behaupte, im Sinne von Mensch, Tier und Natur zu handeln, und dann ausgerechnet jetzt einen Brandanschlag verübe, wolle keine bessere Welt, sondern vor allem Chaos stiften. Gewalt dürfe politische Auseinandersetzungen nicht ersetzen.

Mutmaßliches Bekennerschreiben veröffentlicht

Veröffentlicht wurde das Schreiben unter dem Namen „Kommando Angry Birds“. Darin beansprucht die Gruppe nach eigenen Angaben die Verantwortung „für die Sabotage der Bahnstrecke nördlich von Leverkusen“.

Dem Text zufolge seien Brandsätze in einem großen Kabelschacht an der nordöstlichen Ecke der Wupperbrücke sowie in einem weiteren schmaleren Schacht deponiert worden. Als Motiv nennt die Gruppe ein angebliches „Massensterben“ infolge einer „technologischen Eskalation“, das verhindert werden müsse.

Nach Informationen aus Sicherheitskreisen wird das Schreiben derzeit als echt eingeschätzt. Ein technischer Defekt als Ursache des Feuers gilt demnach als eher unwahrscheinlich.

Polizei sucht Zeugen

Nach dem Brand an dem Kabelschacht bei Leverkusen-Rheindorf sucht die Kriminalpolizei nun Zeugen. Nach ersten Erkenntnissen hatten Techniker das Feuer am Freitagvormittag an der Eisenbahnbrücke über die Wupper in der Nähe der Solinger Straße bemerkt und die Feuerwehr alarmiert.

Ein Sprecher der Kölner Polizei sagte, das Bekennerschreiben sei den Ermittlern bekannt. Nun werde geprüft, ob es tatsächlich authentisch ist. Außerdem untersuchen die Behörden, ob mögliche Verbindungen zu anderen Straftaten bestehen.

Staatsschutz ermittelt

Der Staatsschutz der Kölner Polizei hatte die Ermittlungen bereits am Freitag übernommen, weil ein politischer Hintergrund nicht ausgeschlossen werden konnte. Die Ermittler prüfen weiter, welche konkrete Straftat vorliegt und wer dafür verantwortlich sein könnte.

Mehrere Taten der Gruppe zugeschrieben

Die linksextremistische Gruppe „Kommando Angry Birds“ war bereits vor rund einem Jahr in Erscheinung getreten und hatte damals auch einen Anschlag auf die Bahnhauptstrecke zwischen Düsseldorf und Duisburg für sich reklamiert. Dort waren im Juli 2025 ebenfalls Brandsätze gezündet worden, die Strecke blieb tagelang gesperrt.

Anfang Januar dieses Jahres bekannte sich die Gruppe außerdem zu einem versuchten Anschlag auf ein Umspannwerk in Erkrath bei Düsseldorf. Dieser Angriff scheiterte.

NRW-Innenminister Reul hatte schon im vergangenen Jahr vor der Gruppierung gewarnt. Nach seinen Angaben soll sie im Raum Düsseldorf bereits mehrfach Sabotageakte verübt haben, darunter Angriffe auf Telekommunikationsmasten in Langenfeld/Erkrath sowie ein Tunnelbrand an der Autobahn 46. Die Ermittlungen seien aufwendig, auch weil es sich offenbar nicht um eine fest organisierte Gruppe handele.

Strecke weiter gesperrt

Wann der betroffene Abschnitt zwischen Düsseldorf und Köln wieder freigegeben werden kann, bleibt offen. Eine Sprecherin der Deutschen Bahn sagte am Samstagmittag, derzeit könne noch keine Prognose abgegeben werden, wann die Strecke wieder befahren werden könne.

Sowohl im Nah- als auch im Fernverkehr kommt es wegen der Sperrung weiter zu Umleitungen, Verspätungen und dem Ausfall einzelner Züge. Nach Bahnangaben laufen die Untersuchungen weiter. Zugleich arbeiteten Expertinnen und Experten der DB mit Hochdruck an der Reparatur der erheblichen Schäden.

Feuer an zwei Böschungen

Nach Angaben der Bahn waren am Freitagvormittag zwischen Langenfeld und Leverkusen an zwei Stellen Böschungen in Brand geraten. Die Feuerwehr konnte die Flammen zwar löschen, allerdings wurden dabei mehrere Signalkabel beschädigt. Deshalb ist der betroffene Streckenabschnitt derzeit nicht befahrbar.

Bahn meldet angespannte Lage in NRW

Die Deutsche Bahn bezeichnete die aktuelle betriebliche Lage in Nordrhein-Westfalen als „sehr angespannt“. Grund dafür ist neben der möglichen Sabotage auf der Strecke Düsseldorf–Köln auch ein am Freitag festgestellter Brückenschaden in Opladen bei Leverkusen.

Die beschädigte Brücke liegt auf dem Korridor Hagen – Wuppertal – Köln, der nach einer Generalsanierung erst vor Kurzem wieder in Betrieb gegangen war.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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