Der Discounter Aldi Süd unterstützt die in weiten Teilen der Ernährungswirtschaft umstrittene Einführung einer Steuer auf zuckerhaltige Getränke wie Cola und Limonade. In einem Positionspapier, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, bezeichnet das Unternehmen eine solche Abgabe zusammen mit weiteren Maßnahmen wie Ernährungsbildung als wichtigen Beitrag zur Vorbeugung. Ziel sei es, den Zuckerkonsum und die Vorliebe für Süßes in der Bevölkerung schrittweise zu verringern, ohne den Genuss grundsätzlich einzuschränken. Zuerst hatte die Lebensmittel Zeitung darüber berichtet.
Die schwarz-rote Bundesregierung hatte im Zusammenhang mit ihrem Sparpaket zur Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge vereinbart, eine Steuer auf gesüßte Getränke einzuführen. Ein Gesetzentwurf wird derzeit im Bundesfinanzministerium vorbereitet. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) erklärte bei der Vorstellung des Haushaltsentwurfs für 2027, die Maßnahme solle auch dem Gesundheitsschutz dienen. Sein Grundsatz: Was krank mache, werde teurer. Details zur konkreten Ausgestaltung oder zum Starttermin nannte er bislang nicht. Zwischenzeitlich war auch von einer allgemeinen Zuckerabgabe die Rede.
18 Monate Übergangsfrist vorgeschlagen
In dem nach Angaben des Unternehmens weiterhin gültigen Papier vom Juni schlägt Aldi Süd vor, die Abgabe direkt bei den Herstellern zu erheben. Dadurch solle ein Anreiz entstehen, den Zuckergehalt in Rezepturen von Marken- und Eigenmarkenprodukten zu senken. Aus Sicht des Discounters wäre dafür eine Übergangsfrist von 18 Monaten nötig, damit möglichst viele Produkte angepasst werden können.
Nach den Vorstellungen von Aldi Süd sollte sich die Regelung ausschließlich auf Softdrinks beziehen. Fruchtsäfte, Milchgetränke und pflanzliche Milchalternativen sollten demnach ausgenommen bleiben.
In dem Papier heißt es außerdem, den größten Effekt hätte eine solche Abgabe dann, wenn am Ende gar keine zusätzlichen Einnahmen entstünden, weil alle Softdrinks reformuliert würden. Sollten dennoch Mittel eingenommen werden, sollten diese zweckgebunden etwa in Präventionsangebote wie Sportförderung und Ernährungsbildung fließen. Aldi Nord wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Thema äußern.
Deutliche Kritik aus der Branche
Aus dem Handel und der Ernährungsindustrie kommt weiterhin deutlicher Widerstand. Der Vorstandschef der Edeka-Zentrale, Markus Mosa, hatte die Pläne bereits im April kritisiert. Zusätzliche Abgaben würden seiner Ansicht nach die ohnehin angespannte Konsumstimmung weiter belasten, ohne Wachstum zu fördern. Außerdem sollten Verbraucherinnen und Verbraucher selbst entscheiden, was sie kaufen und essen.
Auch mehrere Branchenverbände sprachen sich Anfang Juli erneut gegen eine Zuckersteuer aus und warnten zusätzlich vor einer möglichen Einführung schon im Jahr 2027. Der Lebensmittelverband Deutschland und die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie erklärten, die gesundheitliche Wirksamkeit einer solchen Abgabe sei umstritten, während Verbraucher und Unternehmen zugleich stärker belastet würden. Auch Vertreter der Zuckerwirtschaft, des Getränkefachgroßhandels und weitere Verbände der Getränkebranche lehnen eine Zuckersteuer entschieden ab.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber