Iran

Trotz Eskalation: USA suchen weiter Iran-Deal

Droht der Krieg doch zurück? Nach neuen USA-Iran-Attacken wächst die Angst - doch beide reden weiter. Auch Libanon bebt.

29.06.2026, 04:39 Uhr

Nach der jüngsten militärischen Eskalation am Persischen Golf bleibt offen, wann der Iran und die USA wieder direkt an einen Tisch kommen. Eine neue Gesprächsrunde werde erst stattfinden, wenn die Voraussetzungen dafür geschaffen seien und Einigkeit über Zeitpunkt und Ort bestehe, sagte Irans Vizeaußenminister Kasem Gharibabadi laut der Nachrichtenagentur Isna.

Technische Sitzungen der Arbeitsgruppen seien aus iranischer Sicht in dieser Woche nicht vorgesehen. Über Vermittler liefen die Konsultationen aber weiter, so Gharibabadi.

US-Angaben zufolge hatten Washington und Teheran bereits am Sonntag vereinbart, ihre gegenseitigen Angriffe im Streit um die Straße von Hormus vorerst auszusetzen und parallel weiter zu verhandeln. Aus informierten Kreisen in Washington hieß es, beide Seiten wollten zunächst von weiteren Maßnahmen absehen.

Trump: Treffen mit Iran am Dienstag in Doha geplant

US-Präsident Donald Trump erklärte am Montagnachmittag, dass für Dienstag ein Treffen in Katars Hauptstadt Doha geplant sei. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb er, der Iran habe um ein Treffen gebeten. Worum es dabei konkret gehen soll, ließ Trump zunächst offen.

Nach Angaben von Trumps Sprecherin Karoline Leavitt reisen Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und der US-Sondergesandte Steve Witkoff in dieser Woche zu hochrangigen Gesprächen nach Doha. Am Rande der politischen Gespräche seien auch technische Beratungen vorgesehen, sagte Leavitt dem Sender Fox News.

Aus dem Umfeld der US-Regierung wurde zudem bekannt, dass Kushner und Witkoff über verschiedene Aspekte des bereits unterzeichneten Rahmenabkommens sprechen sollen. Nach Informationen des US-Portals Axios wollen sie am Dienstag in Doha unter anderem auch mit Katars Ministerpräsident Mohammed bin Abdulrahman Al Thani über die Vereinbarung beraten.

Beobachter halten es für möglich, dass die zurückhaltenden Signale aus Teheran auch Teil einer Verhandlungstaktik sind.

Weiterer Streit um die Straße von Hormus

In den vergangenen Tagen war der Konflikt erneut eskaliert. Nach Angriffen auf Schiffe in der Meerenge, für die Washington den Iran verantwortlich macht, griff das US-Militär Ziele im Iran an. Im Gegenzug attackierten Irans Revolutionsgarden Ziele in den mit den USA verbündeten Golfstaaten Kuwait und Bahrain.

Hintergrund sind unterschiedliche Auslegungen des vor rund zwei Wochen unterzeichneten Rahmenabkommens zur Beendigung des Krieges. Besonders umstritten sind die Bestimmungen zur Straße von Hormus, die für den Welthandel von zentraler Bedeutung ist.

Teheran beansprucht die Kontrolle über den Schiffsverkehr für sich. Außenminister Abbas Araghtschi sagte am Sonntag in Bagdad, die Straße von Hormus werde innerhalb der kommenden 30 Tage wieder vollständig unter iranische Verwaltung gestellt. Die Verantwortung für die Meerenge liege allein beim Iran. Für die Islamische Republik ist die Passage, über die große Mengen an Öl und Dünger transportiert werden, zu einem wichtigen Druckmittel geworden.

Leavitt betonte zugleich, die Waffenruhe sei in Kraft. Trump werde aber auch künftig auf Angriffe auf Handelsschiffe reagieren, falls es dazu komme. Zugleich äußerte sie die Hoffnung auf ein tragfähiges Abkommen.

Gharibabadi zu Gesprächen im Oman

Parallel dazu reiste Vizeaußenminister Gharibabadi in den Oman, um dort über die Zukunft der Straße von Hormus zu beraten. Wie er auf X mitteilte, traf er am Montag bei einer ersten Sitzung eines neu gegründeten Komitees den omanischen Diplomaten Abdulasis Al Hinai.

Zu konkreten Ergebnissen wurde zunächst nichts bekannt. Gharibabadi erklärte jedoch, besprochen worden seien aktuelle Fragen rund um die Meerenge sowie die künftige Verwaltung der Straße von Hormus und die Hoheitsrechte beider Küstenstaaten.

Peseschkian verteidigt Rahmenabkommen als „großen Sieg“

Irans Präsident Massud Peseschkian verteidigte unterdessen das vor knapp zwei Wochen geschlossene Rahmenabkommen mit den USA. Bei einem Treffen mit Großajatollah Mussa Schobeiri Sandschani in der religiösen Hochburg Ghom sprach er laut seinem Büro von einem „großen Sieg“ für die Menschen im Iran.

Peseschkian nannte insbesondere die Aufhebung der Sanktionen gegen den Ölsektor sowie die Freigabe eingefrorener Vermögenswerte als wichtige Erfolge der Verhandlungen. Zugleich hatten führende Kleriker in Ghom vor wenigen Tagen zu Wachsamkeit aufgerufen. In einer Erklärung hieß es, die USA blieben weiterhin Irans Hauptfeind.

Experten sehen strategischen Vorteil für Teheran

Viele Schiffe nutzen eine von den USA unterstützte Route entlang der Südküste, also nahe Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Der Iran fordert dagegen, dass Schiffe einen Kurs entlang seiner Küste nehmen, und warnte vor der alternativen Strecke.

Ali Vaez von der International Crisis Group sagte dem Wall Street Journal, Teheran habe wenig Interesse daran, zuzusehen, wie sein politischer Hebel mit jedem Schiff schwinde, das in omanische Gewässer umgeleitet werde.

Nicole Grajewski von Sciences Po erklärte der New York Times, das Rahmenabkommen sei bewusst mit flexiblen Formulierungen versehen worden, weil es vermutlich nur so habe geschlossen werden können. Genau diese Unschärfen führten nun aber dazu, dass beide Seiten vor Ort Fakten zu ihren Gunsten schaffen wollten, bevor die Details in einer endgültigen Vereinbarung festgelegt werden.

Die jüngsten gegenseitigen Angriffe zwischen den USA und dem Iran erhöhen damit den Druck auf die ohnehin fragile Übergangsvereinbarung. Zusätzliche Belastung entsteht durch die andauernden Kämpfe zwischen Israel und der mit Teheran verbündeten Hisbollah-Miliz im Libanon.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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