Die USA setzen im Konflikt mit dem Iran um die Straße von Hormus weiter auf Unterstützung aus Peking. Nach Angaben von US-Präsident Donald Trump hat Chinas Staatschef Xi Jinping bei ihrem Treffen in Peking sogar konkrete Hilfe in Aussicht gestellt. Xi habe gesagt: "Wenn ich irgendwie helfen kann, würde ich das gerne tun", erklärte Trump dem Sender Fox News.
Auch US-Außenminister Marco Rubio drängte China zu einem stärkeren Engagement. Peking solle eine aktivere Rolle übernehmen und den Iran dazu bewegen, von seinem Kurs im Persischen Golf abzurücken, sagte Rubio ebenfalls bei Fox News.
Das Weiße Haus teilte nach dem Treffen mit, Washington und Peking seien sich einig, dass die für den Energiehandel zentrale Meerenge offen bleiben müsse. Xi habe demnach Chinas Ablehnung einer Militarisierung der Straße von Hormus bekräftigt und sich außerdem gegen Gebühren für die Durchfahrt ausgesprochen.
Iran sieht die USA als Ursache der Blockade
Teheran weist die Vorwürfe zurück und macht vor allem die USA für die Lage verantwortlich. Außenminister Abbas Araghtschi sagte am Rande des Treffens der Brics-Außenminister in Neu-Delhi dem Staatssender Press TV, nicht der Iran, sondern die amerikanische Blockade sei das eigentliche Hindernis.
Aus iranischer Sicht sei die Straße von Hormus für Handelsschiffe offen, sofern die Durchfahrt im Vorfeld mit den iranischen Seestreitkräften abgestimmt werde. Nach Angaben der Revolutionsgarden passierten seit der vergangenen Nacht rund 30 Schiffe die Meerenge, darunter laut der Agentur Tasnim auch chinesische Schiffe.
In der für den globalen Öl- und Gasmarkt wichtigen Passage herrscht seit längerem eine Pattsituation. Seit Beginn des Kriegs am 28. Februar wurde die Schifffahrt durch iranische Drohungen und Angriffe auf Tanker und Frachter weitgehend lahmgelegt. Die USA reagierten darauf mit einer Blockade von Schiffen, die iranische Häfen anlaufen oder verlassen.
IEA erwartet sinkende Ölnachfrage
Die Folgen des Kriegs zeigen sich auch am Energiemarkt. Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet mit einem stärkeren Rückgang der weltweiten Ölnachfrage und mit schrumpfenden Reserven. In ihrem in Paris veröffentlichten Monatsbericht geht sie davon aus, dass die globale Nachfrage nach Rohöl in diesem Jahr im Schnitt um 420.000 Barrel pro Tag auf rund 104 Millionen Barrel täglich sinken wird.
Als Gründe nennt die IEA ein knapperes Angebot und lokale Versorgungsengpässe. Regierungen und Unternehmen versuchten deshalb, den Verbrauch mit Sparmaßnahmen, Preiskontrollen und teils auch Rationierungen zu dämpfen.
Neue Verhandlungen zwischen Israel und Libanon
Parallel dazu gibt es im Konflikt zwischen Israel und Libanon neue diplomatische Bemühungen. Vertreter beider Länder wollen unter Vermittlung der USA zu weiteren Gesprächen in Washington zusammenkommen. Nach früheren US-Angaben soll dabei ein umfassendes Friedens- und Sicherheitsabkommen vorangebracht werden, das zentrale Interessen beider Seiten berücksichtigt.
Überschattet wird dies von neuer Gewalt: Bei einem Angriff der libanesischen Hisbollah mit einer Sprengstoffdrohne im Norden Israels wurden nach Militärangaben mehrere Zivilisten verletzt. In der Grenzstadt Rosch Hanikra wurden auf einem Parkplatz drei Menschen verletzt, zwei davon schwer, berichtete das israelische Portal ynet.
Die israelische Armee sprach von einem schweren Verstoß gegen die seit Mitte April geltende Waffenruhe. Nach libanesischen Behördenangaben wurden seit Inkrafttreten der Feuerpause im Libanon knapp 400 Menschen getötet, in Israel mehrere Soldaten.
Emirate weisen Berichte über Netanjahu-Besuch zurück
Die Vereinigten Arabischen Emirate haben Berichte über einen angeblichen Besuch des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu zurückgewiesen. Das Außenministerium erklärte, weder Netanjahu noch eine Militärdelegation seien empfangen worden.
Zuvor hatte Netanjahus Büro mitgeteilt, der Regierungschef habe die Emirate während des Iran-Kriegs heimlich besucht und dort Präsident Mohammed bin Sajid getroffen. Demnach soll es dabei einen "historischen Durchbruch" in den Beziehungen zwischen Israel und den Emiraten gegeben haben.
Scharfe Kritik aus Teheran
Aus dem Iran kam daraufhin scharfe Kritik. Der Staatssender Irib berichtete unter Berufung auf Außenminister Araghtschi, Teheran sei über Netanjahus Reise informiert gewesen – und zwar auf dem Höhepunkt der militärischen Konfrontation. Eine Zusammenarbeit der Emirate mit Israel sei für den Iran "unverzeihlich". Die Feindseligkeit gegenüber Teheran bezeichnete Araghtschi demnach als ein "dummes Glücksspiel".
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion