Joachim Herrmann, Bayerns langjährigster Innenminister, hat in fast zwei Jahrzehnten im Amt viele schwere Verbrechen, Terrorakte und Gewalttaten erlebt. Trotzdem habe er den Glauben an das Gute im Menschen nicht verloren, sagte der CSU-Politiker der Augsburger Allgemeinen im Vorfeld seines 70. Geburtstags am 21. September. Gerade in belastenden Situationen gebe ihm sein christlicher Glaube Halt. Zugleich räumte er ein, dass ihn manche Ereignisse noch lange beschäftigen und er dann mitunter erst spät zur Ruhe komme.
Neben den dunklen Seiten seines Amts erlebe er aber auch viel Positives. Herrmann verwies auf zahlreiche Menschen, die sich mit großem Einsatz für andere engagierten, darunter Polizeikräfte, Feuerwehren, Hilfsorganisationen und das Technische Hilfswerk.
Besonders belastende Tage im Jahr 2016
Als besonders einschneidend bezeichnete Herrmann eine Woche im Sommer 2016. Innerhalb weniger Tage ereigneten sich damals ein Anschlag in Würzburg, der Amoklauf am Münchner Olympia-Einkaufszentrum sowie ein weiterer Anschlag in Ansbach. Auch einzelne Verbrechen hätten sich tief eingeprägt. Beispielhaft nannte er die Tötung eines Polizeibeamten in Augsburg im Jahr 2011. Solche Fälle ließen ihn nicht los.
Modelleisenbahn als Hobby für später
Trotz seiner langen Amtszeit denkt Herrmann nicht daran, sich mit seinem Geburtstag aus der Politik zurückzuziehen. Auf die Frage, womit er sich eines Tages nach der politischen Laufbahn beschäftigen könnte, sprach er über seine Modelleisenbahn. Diese befindet sich weiterhin im Elternhaus, das inzwischen von seiner Tochter und deren Familie bewohnt wird.
Mit einem Augenzwinkern sagte Herrmann, seine Anlage sei vermutlich nicht ganz so umfangreich wie jene des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer. Früher habe ihn das Hobby stark begeistert. Bevor er sich wieder intensiver damit befassen könne, müsse die Anlage allerdings erst digitalisiert werden. Den Vergleich mit der Deutschen Bahn kommentierte er scherzhaft: ähnlich, aber hoffentlich deutlich schneller.
Entscheidung über 2028 noch offen
Ob er bei der Landtagswahl 2028 noch einmal antreten will, ließ Herrmann offen. Darüber werde zu gegebener Zeit entschieden, spätestens innerhalb des kommenden Jahres, sagte er.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber