Politik

«Gen Z regelt» wettert gegen Gewalt-Fokus

Vor den Jugendprotesten am Samstag wächst die Angst: Geht die Debatte über Klima und Bildung im Gewaltfokus völlig unter?

30.10.2026, 15:02 Uhr

Vertreter der Initiative „Gen Z regelt“ werfen der öffentlichen Debatte über die für Samstag angekündigten bundesweiten Proteste vor, sich fast ausschließlich um mögliche Ausschreitungen zu drehen. Damit werde aus ihrer Sicht gerade bestätigt, dass junge Menschen mit ihren Anliegen nicht ernst genommen würden. Bei einer Pressekonferenz in Köln sagte Steve, der die Kundgebung in München mitorganisiert, kaum jemand befasse sich mit den inhaltlichen Forderungen – stattdessen stehe ständig nur das Thema Gewalt im Mittelpunkt.

Der 18-Jährige betonte, die Bewegung habe eine klare Linie: Die Proteste sollten friedlich und ohne jede Form von Gewalt stattfinden. Zugleich wies er darauf hin, dass die Aktionen dezentral geplant seien. Die Teilnehmenden der Pressekonferenz könnten daher nur für die Demonstrationen in Köln, München, Berlin und Frankfurt sprechen, wo es offizielle Ortsgruppen von „Gen Z regelt“ gebe.

Proteste als „Hilferuf der Jugend“

Auf der Internetseite der Initiative sind Demonstrationen in 34 Städten angekündigt. Nach Angaben der Organisatoren wollen sich bundesweit insgesamt mehr als 160.000 Menschen beteiligen. Junge Menschen wollen dabei unter anderem für bessere Bildung, mehr Gesundheitsschutz, konsequenteren Klimaschutz sowie gegen eine Wiedereinführung der Wehrpflicht demonstrieren.

Steve erklärte die Vielzahl der Forderungen damit, dass es derzeit an vielen Stellen grundlegende Probleme gebe. Die geplanten Kundgebungen seien deshalb als „Hilferuf der Jugend“ zu verstehen.

Vor den Demonstrationen „Gen Z regelt“ – Pressekonferenz
Steve kritisierte, dass die öffentliche Diskussion zu den Protesten sich vorwiegend um das Thema Gewalt drehe und die Anliegen der jungen Menschen in den Hintergrund gedrängt würden. Quelle: Oliver Berg/dpa

Enttäuschung über die Bundesschülerkonferenz

Emma Hübner von „Gen Z regelt“ in Köln sagte, politischer und gesellschaftlicher Fortschritt brauche junge Menschen, die nicht nur angehört würden, sondern auch echte Möglichkeiten zur Mitgestaltung hätten. Die Generation Z verfüge in Deutschland wegen der älter werdenden Gesellschaft über vergleichsweise wenig politischen Einfluss, obwohl gerade junge Menschen für die Zukunft des Landes wichtig seien.

Hübner zeigte sich zudem enttäuscht darüber, dass sich die Bundesschülerkonferenz von den geplanten Demonstrationen distanziert hat. Man sei darüber überrascht gewesen, da frühzeitig der Kontakt gesucht worden sei und Interesse an einem Austausch bestanden habe. Dieses Gesprächsangebot gelte weiterhin. Die Bundesschülerkonferenz hatte ihre Distanzierung mit unklaren Organisationsstrukturen bei „Gen Z regelt“ begründet und zugleich eine eigene Demonstration für Mitte November in Berlin angekündigt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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