Politik

Prien will hören, was die Jugend plagt

Drohen beim Gen-Z-Protest Krawalle? Gleichzeitig wächst der Druck, die Wut und Forderungen der jungen Generation ernst zu nehmen.

30.10.2026, 07:27 Uhr

Bundesbildungs- und Jugendministerin Karin Prien möchte mit jungen Menschen über deren Sorgen ins Gespräch kommen und hat sie zugleich zu friedlichen Protesten am Samstag aufgerufen. Im Gespräch mit dem Stern sagte die CDU-Politikerin mit Blick auf den Aktionstag der Initiative „Gen Z regelt“: „Seid laut, engagiert euch politisch – aber bleibt friedlich.“ Gewalt schade den Anliegen der Jugendlichen, betonte sie, und lud sie ausdrücklich zum Dialog ein. Zugleich unterstrich Prien, dass die Forderungen der jungen Generation berechtigt seien. Auch der Präsident des Deutschen Städtetages, Burkhard Jung, sowie der Jugendforscher Klaus Hurrelmann mahnten, die Anliegen junger Menschen ernst zu nehmen.

Die Gruppe „Gen Z regelt“ plant Kundgebungen in rund 30 Städten. Im Mittelpunkt stehen Forderungen nach mehr Klimaschutz, Entlastungen angesichts steigender Lebenshaltungskosten sowie Ablehnung einer möglichen Wiedereinführung der Wehrpflicht. Die Initiative distanziert sich klar von Gewalt. Hintergrund sind auch Ausschreitungen bei Protesten in Frankreich und anderen europäischen Ländern.

Prien hob hervor, dass die Lage in Deutschland nicht mit der in Frankreich gleichzusetzen sei. Schulen seien hierzulande besser ausgestattet, Klassen oft kleiner und Lehrkräfte besser bezahlt. Zudem verfüge Deutschland über ein funktionierendes System der beruflichen Bildung und habe eine deutlich niedrigere Jugendarbeitslosigkeit. Viele Forderungen, für die in Frankreich protestiert werde, beträfen daher in Deutschland andere Voraussetzungen.

Städtetagspräsident: Junge Menschen müssen gehört werden

Burkhard Jung bezeichnete die geplanten Demonstrationen als legitim. Gegenüber den Funke-Medien sagte der Leipziger Oberbürgermeister, Demokratie lebe davon, dass Menschen ihre Meinung sagen, politische Entscheidungen hinterfragen und Veränderungen einfordern. Wenn junge Menschen am 31. Oktober demonstrierten, wollten sie ihre Zukunft aktiv mitgestalten.

Wer sich um Themen wie Bildung, soziale Absicherung, bezahlbares Wohnen und die eigene Zukunft sorge, habe einen berechtigten Anspruch darauf, dass die Politik zuhöre und handele. Jung betonte, die junge Generation sei nicht nur die Zukunft des Landes, sondern bereits heute ein wichtiger Teil der Gesellschaft. Deshalb müssten ihre Fragen beantwortet und ihre Stimme politisch stärker berücksichtigt werden. Er erwarte, dass die Proteste friedlich verlaufen können.

Hurrelmann fordert mehr Offenheit der Politik

Auch Jugendforscher Klaus Hurrelmann rief die Politik dazu auf, stärker auf junge Menschen zuzugehen. Der Neuen Osnabrücker Zeitung sagte er, seit Jahren werde beklagt, dass sich Jugendliche zu wenig beteiligten und sich von Parteien entfremdeten. Wenn sie nun auf die Straße gingen, sei eine abwehrende Reaktion aus der Politik daher wenig klug.

Nach Ansicht Hurrelmanns sollten die Regierungsparteien schnell das Gespräch suchen und in mehreren Städten direkte Begegnungen organisieren. Ernstnehmen bedeute nicht, jede Forderung zu erfüllen, wohl aber zuzuhören und sich inhaltlich damit auseinanderzusetzen. Gerade in der Debatte über eine mögliche Rückkehr der Wehrpflicht sei mehr Beteiligung junger Menschen nötig.

Zweifel am klassischen Aufstiegsversprechen

Im Kölner Stadt-Anzeiger erklärte Hurrelmann außerdem, viele junge Menschen glaubten nicht mehr an das traditionelle Zukunftsversprechen der Gesellschaft. Gemeint sei die Vorstellung, dass sich Anstrengung, gute Ausbildung und berufliches Engagement auszahlen und man es später mindestens so gut habe wie die Elterngeneration. Genau an diesem Versprechen wachse inzwischen der Zweifel.

Zugleich räumte der Sozialwissenschaftler ein, dass das Risiko bestehe, Demonstrationen könnten von radikalen Gruppen ausgenutzt werden. Daraus dürfe jedoch kein pauschales Misstrauen gegenüber jungen Menschen entstehen, die friedlich für ihre Interessen eintreten wollten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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