Politik

Aus für «Nowaja Gaseta»: «Der Kreml tötete uns»

Russlands mutigste Zeitung gibt auf: Die von Nobelpreisträger Muratow gegründete «Nowaja Gaseta» muss schließen.

30.10.2026, 09:26 Uhr

Russische Zeitung Nowaja Gaseta beendet nach Jahrzehnten ihre Arbeit

Die von Friedensnobelpreisträger Dmitri Muratow mitgegründete russische Zeitung Nowaja Gaseta stellt nach mehr als 30 Jahren ihren Betrieb ein. In einer Erklärung auf ihrer Website schreibt die Redaktion, sie sei durch den massiven Druck russischer Behörden und Geheimdienste zur Aufgabe gezwungen worden. Unter der Überschrift „Man hat uns getötet“ kündigte das Blatt an, am 9. November die Arbeit vollständig einzustellen, die Server abzuschalten und den Betrieb zu beenden.

Nowaja Gaseta galt über viele Jahre als eine der wichtigsten regimekritischen Stimmen in Russland und stand deshalb immer wieder unter erheblichem Druck. Erst vor Kurzem jährte sich der Mord an der Journalistin Anna Politkowskaja, die für das Blatt arbeitete. Auch seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine gingen die Behörden verstärkt gegen die Zeitung vor.

Redaktion musste Räume in Moskau verlassen

Bereits am Vorabend war bekannt geworden, dass die Redaktion ihre Büros in Moskau räumen muss. Schon im April hatten Sicherheitskräfte die Redaktionsräume stundenlang durchsucht. Im September wurde das Medium zudem als sogenannter „ausländischer Agent“ eingestuft. Zuvor war bereits Gründer Dmitri Muratow, der 2021 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden war, auf diese Liste gesetzt worden.

Mit dieser Einstufung werden Kritiker des Kremls öffentlich stigmatisiert und mit weitreichenden Einschränkungen belegt. Betroffene verlieren unter anderem Zugang zu bestimmten Einkommensquellen wie Mieteinnahmen, Zinsen oder Honoraren aus geistiger Arbeit.

Die Redaktion erklärte dazu, mehr als 30 Jahre gemeinsamer Arbeit mit dem Land und seinen Bürgern würden nun auf der Straße enden – ohne gesicherte Existenz und unter ständiger Gefahr weiterer Repressionen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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