Wirtschaft

IG Metall warnt: Jobs wandern rasant ins Ausland

Alarm in der Autoindustrie: Die Krise spitzt sich zu – und ein Ende ist nicht in Sicht.

20.07.2026, 13:44 Uhr

IG Metall Bayern warnt vor wachsender Verlagerung ins Ausland

Die IG Metall Bayern sieht einen anhaltenden Trend zur Abwanderung von Arbeitsbereichen ins Ausland. Nach einer Befragung von Betriebsräten in 325 Unternehmen hat fast jeder zweite Betrieb innerhalb der vergangenen zwölf Monate Teile seiner Produktion außerhalb Deutschlands angesiedelt. Der Anteil lag bei 48 Prozent und damit um drei Prozentpunkte höher als im Vorjahr. Auch in der Entwicklung nahm die Verlagerung zu: Hier stieg der Wert ebenfalls um drei Punkte auf 36 Prozent. Aus Sicht der Gewerkschaft ist derzeit keine Entspannung erkennbar.

Bayerns IG-Metall-Bezirksleiter Horst Ott übt deutliche Kritik an den Unternehmen. Er wirft den Verantwortlichen mangelnde Innovationsbereitschaft, fehlenden Investitionsmut und kurzsichtige Entscheidungen vor. Dadurch werde der Industriestandort Bayern geschwächt.

Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung laut Umfrage in der Autoindustrie. Von den 43 befragten Betrieben dieser Branche haben rund drei Viertel Produktionsaufgaben ins Ausland verlagert. Bei der Entwicklung waren es fast zwei Drittel. Beide Werte liegen klar über denen des vergangenen Jahres.

Sorge um den Verlust von Leitwerkfunktionen

Mit besonderer Besorgnis blickt die Gewerkschaft auf den Verlust sogenannter Leitwerkfunktionen, vor allem in der Automobilindustrie. In solchen Werken werden neue Produkte und moderne Fertigungstechnologien zuerst eingeführt. Damit haben sie innerhalb eines Konzerns eine zentrale Bedeutung.

Ott betont, dass gerade diese Leitwerkrolle lange eine besondere Stärke der bayerischen Industrie gewesen sei. Wenn neue Produkte und Produktionsverfahren zuerst in Bayern anlaufen, sichere das Innovationskraft und technologische Spitzenpositionen. Nach Einschätzung der IG Metall geben viele Unternehmen diese Führungsrolle derzeit jedoch bewusst auf.

vbm wehrt sich gegen die Kritik

Der Arbeitgeberverband vbm weist die Vorwürfe der IG Metall entschieden zurück. Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt erklärte, es sei falsch, der gesamten Unternehmerschaft im Freistaat zu unterstellen, sie wolle den Standort Bayern herunterwirtschaften. Die Kritik der Gewerkschaft zeige aus seiner Sicht eine verzerrte Wahrnehmung. Statt gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, werde aus seiner Sicht Besitzstandswahrung betrieben.

Brossardt bezeichnet den Stellenabbau und die Verlagerungen zugleich als Ausdruck einer tiefen Standortkrise. Als einen Grund nennt er stark gestiegene Arbeitskosten. Nach seiner Darstellung seien die Arbeitsentgelte zwischen 2015 und 2025 deutlich schneller gewachsen als die Unternehmenseinkommen. Um wieder ausreichend Spielraum für Investitionen und Innovationen zu schaffen, müssten die Kosten sinken.

Die bayerische Metall- und Elektroindustrie steckt schon seit Jahren in schwierigen Fahrwassern. Nach Angaben des Landesamts für Statistik ist die Industrieproduktion im Freistaat auch in diesem Jahr bislang zurückgegangen. Die Arbeitgeberverbände bayme und vbm hatten erst in der vergangenen Woche erklärt, sie rechneten 2025 mit dem Abbau von 20.000 Arbeitsplätzen. Zugleich hieß es, neue Stellen würden unter dem Strich nur noch im Ausland entstehen, während die Beschäftigung im Inland weiter sinke.

Zur Metall- und Elektroindustrie zählen unter anderem Autohersteller und Zulieferer, Maschinenbauer, Unternehmen der Elektrobranche sowie Rüstungsfirmen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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