Stars

Opernhäuser holen Nazi-Opfer jetzt ins Rampenlicht

Verstoßen, vertrieben, ermordet: Jetzt holen große deutsche Bühnen die von den Nazis ausgelöschten Künstler zurück ins Licht.

20.07.2026, 13:27 Uhr

Gedenkplattform erinnert an in der NS-Zeit verfolgte Bühnenkünstler

Mehrere bedeutende deutsche Opern- und Theaterhäuser haben eine gemeinsame Online-Plattform ins Leben gerufen, um an Künstlerinnen, Künstler und Mitarbeitende zu erinnern, die während der NS-Herrschaft verfolgt wurden. An dem Projekt „Verstummte Stimmen“ beteiligen sich die Hamburgische Staatsoper, die Staatsoper Unter den Linden in Berlin, die Staatsoper Stuttgart, die Semperoper Dresden sowie das Staatsschauspiel Dresden. Die Stadt Bayreuth, Heimat der Richard-Wagner-Festspiele, trägt das Vorhaben.

Grundlage der Plattform ist die Ausstellung „Verstummte Stimmen“, die von 2006 bis 2012 in sechs deutschen Städten gezeigt wurde. Seit 2012 befindet sie sich dauerhaft auf dem Bayreuther Grünen Hügel unterhalb des Festspielhauses.

Für das digitale Erinnerungsprojekt sprechen bekannte Persönlichkeiten aus dem heutigen Kulturbetrieb die Lebensgeschichten der Betroffenen ein. Dazu zählen nach Angaben der Verantwortlichen unter anderem Dirigent Christian Thielemann und der Hamburger Intendant Tobias Kratzer.

Schicksale von 300 Betroffenen dokumentiert

Aufgearbeitet wurden die Lebenswege von rund 300 Künstlerinnen, Künstlern und Beschäftigten des Theater- und Opernbetriebs, die zwischen 1933 und 1945 aus dem deutschen Kulturleben verdrängt wurden und vielfach später ermordet wurden. Die meisten von ihnen waren jüdisch, andere hatten sich dem NS-Regime widersetzt.

Die Intendanten der beteiligten Häuser betonten, man wolle dazu beitragen, dass das damals begangene Unrecht auch in Zukunft im Bewusstsein bleibe.

Freiluft-Ausstellung "Verstummte Stimmen"
Ausgangspunkt ist die Ausstellung «Verstummte Stimmen», die zwischen 2006 und 2012 in sechs deutschen Städten zu sehen war. Quelle: Daniel Karmann/dpa

Bayreuths Oberbürgermeister Andreas Zippel (SPD) bezeichnete die Auseinandersetzung mit diesem Kapitel der Geschichte als unverzichtbare Aufgabe – sowohl vor Ort als auch online. Ziel sei es, den „verstummten Stimmen“ wieder Gehör zu verschaffen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen