Italo macht Einstieg in den deutschen Fernverkehr konkret
Der italienische Bahnbetreiber Italo treibt seine Expansion nach Deutschland voran. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben mit Siemens Mobility einen Auftrag über 26 Hochgeschwindigkeitszüge im Wert von drei Milliarden Euro vereinbart. Zusätzlich besteht eine Option auf weitere 14 Fahrzeuge.
Zum Einsatz kommen Züge vom Typ Siemens Velaro Multi System, die technisch und äußerlich eng mit den ICE-3- und ICE-3-Neo-Zügen der Deutschen Bahn verwandt sind. Produziert werden sie im Siemens-Werk in Krefeld. Außerdem schloss Italo mit Siemens einen Wartungsvertrag über 30 Jahre ab; die Instandhaltung soll in Dortmund erfolgen.
Investitionen von insgesamt 3,6 Milliarden Euro
Für den Start auf dem deutschen Markt plant Italo Investitionen von rund 3,6 Milliarden Euro. Darin enthalten sind neben Kauf und Wartung der Züge auch Ausgaben für die Rekrutierung und Schulung von etwa 2.500 Beschäftigten sowie Investitionen in Bahnhöfe und IT-Systeme.
Firmenchef Gianbattista La Rocca erklärte, man wolle Reisenden in Deutschland mehr Auswahl, dichtere Takte, faire Preise und einen hochwertigen Service bieten.
Nach derzeitiger Planung sollen die ersten Verbindungen ab 2028 auf zwei zentralen Strecken starten: München–Köln–Dortmund sowie München–Berlin–Hamburg. Laut Italo würden damit 18 Städte über ein 1.300 Kilometer langes Netz mit insgesamt 50 täglichen Fahrten verbunden.
Kritik aus der Branche
Die Pläne des italienischen Anbieters sorgen in der deutschen Bahnbranche für Unruhe. Gewerkschaften, Fahrgastvertreter und auch die Deutsche Bahn warnen, dass ein zusätzlicher Konkurrent das vielerorts bereits stark ausgelastete Schienennetz weiter unter Druck setzen könnte. Sie befürchten Einschränkungen im Fern- und Regionalverkehr außerhalb der Hauptachsen.
Italo hatte sich bei der Bundesnetzagentur für bessere Rahmenbedingungen für neue Anbieter im deutschen Fernverkehr eingesetzt. In der Folge entschied die Behörde, dass auf stark beanspruchten Korridoren künftig mindestens ein Viertel der verfügbaren Kapazitäten an Wettbewerber der Deutschen Bahn vergeben werden muss.
Der bundeseigene Konzern beherrscht bislang rund 95 Prozent des Fernverkehrsmarkts in Deutschland. Als größerer Konkurrent ist bisher vor allem Flix vertreten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber