Politik

Ein Jahr Leo XIV.: Wie gut ist Amerikas Papst?

Der US-Papst legt sich mit Trump an und erntet Applaus – doch ausgerechnet in Deutschland wächst der Frust über Leo XIV.

07.05.2026, 05:56 Uhr

Ein Jahr Papst Leo XIV.: Friedensappelle, Distanz zu Trump und Enttäuschung bei Reformern

Weniger als drei Stunden nach seiner Wahl trat Robert Francis Prevost erstmals auf die Mittelloggia des Petersdoms. Sichtlich angespannt nahm er seine Notizen entgegen, hielt kurz inne und eröffnete dann als neuer Papst Leo XIV. mit den Worten: „Der Friede sei mit euch allen.“ Auf dem Petersplatz, wohin nach dem weißen Rauch aus der Sixtinischen Kapelle Zehntausende geströmt waren, brach Jubel aus.

Der biblische Friedensgruß ist Kirchgängern vertraut. In einer Zeit, die weltweit von Kriegen und Krisen geprägt ist, bekam dieser erste Satz des neuen Oberhaupts von 1,4 Milliarden Katholiken jedoch besonderes Gewicht. Schon bei seinem Debüt machte Leo deutlich, dass das Thema Frieden zu den Schwerpunkten seines Pontifikats gehören soll. An diesem Freitag ist seine Wahl genau ein Jahr her.

Deutlich anderer Stil als Franziskus

An der weltpolitischen Lage hat sich seitdem wenig zum Besseren verändert. Auch die späteren Appelle des Papstes konnten Konflikte etwa in der Ukraine oder im Iran nicht beeinflussen; die vatikanische Diplomatie spielt dort kaum eine Rolle. Innerhalb der Kirche ist es Leo dagegen gelungen, nach den oft aufgeladenen Jahren unter Franziskus mehr Ruhe einkehren zu lassen. Die Spannungen zwischen Traditionalisten und Reformern haben abgenommen. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx, der Leo im Konklave mitwählte, beschreibt ihn als jemanden, der Brücken baut und Gräben überwindet.

Inhaltlich hat Leo bislang allerdings noch keine größeren theologischen Akzente gesetzt. Auf sein erstes bedeutendes Lehrschreiben wird weiterhin gewartet; erwartet wird ein Text über Künstliche Intelligenz und ihre Folgen. Auch bei Personalentscheidungen agiert der Papst bislang zurückhaltend. Deshalb richtet sich viel Aufmerksamkeit auf seinen Stil: Er trägt wieder traditionellere Gewänder, wohnt anders als Franziskus im Apostolischen Palast und nutzt regelmäßig die Sommerresidenz in Castel Gandolfo.

Der erste Papst aus den USA – aber ohne Nähe zu Washington

Mit etwas Abstand wird auch sein erster Auftritt heute anders gelesen. Damals sprach Leo Italienisch und Spanisch, nicht jedoch Englisch. Für viele war das ein Signal, dass sich der erste Papst aus den Vereinigten Staaten nicht von seinem Herkunftsland vereinnahmen lassen will. Aus seiner Zeit als Missionar und Bischof in Peru besitzt er zudem auch die peruanische Staatsbürgerschaft.

Tatsächlich hat sich Leo seither immer wieder klar gegen US-Präsident Donald Trump positioniert – deutlicher als viele andere Staats- und Regierungschefs. Er kritisierte dessen „Allmachtsfantasien“, die Drohung, im Iran eine „ganze Zivilisation sterben“ zu lassen, sowie den Umgang mit Migranten. Erst kürzlich ernannte er in den USA demonstrativ einen Bischof, der selbst einst als Flüchtling ohne Papiere ins Land gekommen war. Der Kirchenhistoriker Massimo Faggioli nannte ihn den „guten Amerikaner“, wie man ihn aus Filmen kenne.

Als Trump dem Papst zuletzt vorwarf, er nehme in Kauf, dass der Iran in den Besitz einer Atombombe gelangen könne, reagierte Leo nüchtern. Die Aufgabe der Kirche sei es, Evangelium und Frieden zu verkünden, betonte er. Gegen Atomwaffen sei die Kirche seit langem.

„Anti-Trump“ – ein Etikett, das oft fällt

Immer häufiger wird Leo als „Anti-Trump“ bezeichnet. Dazu trug auch bei, dass der Republikaner den Papst öffentlich beschimpfte und ein kitschiges Bild von sich selbst als Jesus im Netz verbreitete. Leo machte deutlich, dass er keinen offenen Schlagabtausch mit Trump suche, sich von der US-Regierung aber auch nicht einschüchtern lasse. Von seiner Kritik rückte er nicht ab.

Im Vatikan wird gern darauf verwiesen, dass man dort in längeren Zeiträumen denke als im Weißen Haus. Persönlich begegnet sind sich Leo und Trump bislang nicht, und es gibt derzeit keine Anzeichen für ein baldiges Treffen zwischen dem 267. Papst und dem 45. beziehungsweise 47. Präsidenten der USA. Für diesen Donnerstag hat Leo allerdings US-Außenminister Marco Rubio, ebenfalls Katholik, zu einer Audienz eingeladen.

Als Oberhaupt des kleinsten Staates der Welt mit weniger als 1.000 Einwohnern und ohne nennenswerte Wirtschaft kann Leo Trump naturgemäß leichter widersprechen als andere Regierungschefs. Drohungen mit Zöllen oder militärischem Druck verfangen im Vatikan kaum. Hinzu kommt: Mit 70 Jahren ist Leo fast zehn Jahre jünger als Trump. Wenn alles normal verläuft, dürfte er noch lange im Amt sein, wenn Trump politisch längst der Vergangenheit angehört.

Kritik aus Deutschland wegen Reformstau

Für seine klaren Worte gegenüber Trump erhielt Leo international viel Zustimmung. In Deutschland überwiegt bei vielen Reformkräften jedoch die Ernüchterung. Sie werfen ihm vor, bei innerkirchlichen Fragen zu bremsen – etwa bei der Forderung, Frauen zum Diakonat zuzulassen. Dieses Amt ist in der römisch-katholischen Kirche wie das Priesteramt bislang Männern vorbehalten. Auch Segnungsgottesdiensten für homosexuelle Paare, wie sie in mehreren deutschen Bistümern stattfinden, erteilte Leo auf dem Rückflug von seiner Afrika-Reise eine Absage und sagte, damit sei er „nicht einverstanden“.

Im Lauf des Jahres will der Papst noch nach Südamerika reisen, auch in seine zweite Heimat Peru. In die Vereinigten Staaten möchte er dagegen nach eigenen Angaben nicht. Eine Einladung Trumps, an den Feiern zum 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit am 4. Juli teilzunehmen, lehnte er ab. Stattdessen reist Leo an diesem Tag nach Lampedusa – so wie einst Franziskus. Dorthin, wo kein Präsident wartet, aber Flüchtlinge.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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