Möglicherweise mehr als 80 Tote auf dem Weg zu den Kanaren
Bei einer Überfahrt von Westafrika zu den Kanarischen Inseln könnten über 80 Menschen ums Leben gekommen sein. Nach Angaben der staatlichen spanischen Seenotrettung wurde am Mittwochabend rund 140 Kilometer südlich von Gran Canaria ein kleines Boot entdeckt, an Bord befanden sich 44 Überlebende sowie fünf Tote.
Die spanische NGO Caminando Fronteras, die als gut informiert und verlässlich gilt, erklärte, das Boot habe Gambia bereits am 7. August mit insgesamt 127 Menschen verlassen. Mehrere Überlebende hätten diese Zahl laut dem spanischen Fernsehsender RTVE auch gegenüber der Polizei bestätigt.
Caminando Fronteras arbeitet mit einem dichten Netzwerk aus Helfern und Informanten in Nord- und Westafrika. Außerdem steht die Organisation in direktem Kontakt mit Familien von Migranten. So erhält sie häufig frühzeitig Hinweise darauf, wann Boote mit wie vielen Menschen in Richtung Kanaren aufbrechen. Immer wieder gehen dort auch Notrufe von Booten oder Angehörigen ein, die NGO informiert anschließend die staatlichen Rettungsdienste.
Die Route über den Atlantik in kleinen offenen Holzbooten zählt zu den gefährlichsten Fluchtwegen. Nach Zahlen des UNHCR kamen seit Beginn des Jahres mehr als 4.800 Menschen von Afrika aus auf den zu Spanien gehörenden Kanarischen Inseln an. Wie viele auf der Strecke durch Unwetter, Hunger oder Wassermangel sterben, lässt sich jedoch kaum genau feststellen.
Das UN-Flüchtlingshilfswerk registrierte seit Jahresanfang im Atlantik und im westlichen Mittelmeer insgesamt 586 Tote oder Vermisste. Caminando Fronteras geht dagegen bereits bis Mai von mehr als 1.300 Todesopfern und Vermissten aus.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber