Politik

Der Papst im Gefängnis: Was er dort sagte

Im Gefängnis rührt Papst Leo XIV. Häftlinge zu Tränen. Was sie ihm offenbaren – und was ihn in Spanien als Nächstes erwartet.

10.06.2026, 12:55 Uhr

Papst Leo XIV. hat während seines Spanien-Besuchs zunächst ein Gefängnis in Katalonien aufgesucht und den dortigen Häftlingen Mut zugesprochen. Vor rund 80 Gefangenen und weiteren Anwesenden in der Justizvollzugsanstalt Brians 1 in Sant Esteve Sesrovires, etwa 30 Kilometer nordwestlich von Barcelona, betonte das Oberhaupt der katholischen Kirche: „Jeder Mensch besitzt Würde.“

Am fünften Tag seiner Reise sagte der 70-jährige US-Amerikaner, Fehltritte dürften nicht das Wesen eines Menschen bestimmen. Sinngemäß machte er den Inhaftierten deutlich, dass die Fehler ihres Lebens nicht festlegten, wer sie seien. Zugleich sprach er ihnen Hoffnung zu: Gott liebe jeden Menschen so, wie er sei, und eröffne immer wieder die Möglichkeit zu einem neuen Anfang.

Zum Empfang sang eine Gruppe von Gefangenen dem Papst ein Lied. Außerdem richteten zwei Insassinnen kurze Worte an ihn. Eine von ihnen, Montse, sagte, sein Besuch bedeute ihnen viel, weil sie sich oft vergessen fühlten. Josefina äußerte sich zuversichtlich und erklärte, diese schwierige Zeit werde vorübergehen; danach wolle sie ihr Leben neu beginnen und ihrem Glauben treu bleiben. Leo XIV. umarmte beide Frauen nach ihren Ansprachen.

Nach dem Gefängnisbesuch setzte der Papst seine Reise in Katalonien fort und fuhr zunächst zur Benediktinerabtei Unserer Lieben Frau von Montserrat, wo das Rosenkranzgebet stattfand.

Am Abend stand dann der wichtigste Termin seines Barcelona-Aufenthalts an: In der Sagrada Família feierte Leo XIV. eine Messe zu Ehren des Architekten Antoni Gaudí, der auf den Tag genau vor 100 Jahren gestorben war. Zu dem Gottesdienst waren rund 4.000 Menschen eingeladen, darunter König Felipe VI., Königin Letizia und Ministerpräsident Pedro Sánchez. Vor der Messe betete der Papst am Grab Gaudís in der Krypta der von ihm entworfenen Basilika.

In seiner Predigt würdigte Leo XIV. die auch 144 Jahre nach Baubeginn noch unvollendete Kirche als architektonisches Meisterwerk und als ein sichtbares Zeichen des unsichtbaren Gottes. Gaudí habe als tiefgläubiger Architekt diese Räume mit dem Wunsch entworfen, die Geheimnisse des Lebens Jesu erfahrbar zu machen.

Zugleich sprach sich der Papst erneut deutlich gegen Krieg und Gewalt aus sowie gegen Gleichgültigkeit gegenüber Menschen auf der Flucht und in Not. Wer an Jesus glaube, könne nicht Krieg führen, Unschuldige töten oder Leidende, Weinende und Flüchtende im Stich lassen, sagte er sinngemäß.

Nach der Messe segnete Leo XIV. den Hauptturm der Basilika. Mit dem 172,5 Meter hohen Jesus-Turm gilt die Sagrada Família nun als höchste Kirche der Welt und löste damit das Ulmer Münster an der Spitze ab. Seine endgültige Höhe hatte der Turm im Februar durch das Aufsetzen eines von innen begehbaren Doppelkreuzes erreicht, das vom Stahlbauunternehmen Gartner im bayerischen Gundelfingen gefertigt wurde. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, der zu der Zeremonie angereist war, würdigte dies als außergewöhnlichen deutschen Beitrag zur Vollendung eines der berühmtesten Bauwerke der Welt.

Nach der Segnung vor der Geburtsfassade folgte bei Einbruch der Dunkelheit eine Licht- und Feuerwerkshow. Drohnen zeichneten unter dem Jubel des Publikums ein mehrfarbiges Bild Gaudís an den Himmel und formierten sich anschließend zu einem seiner bekanntesten Zitate auf Katalanisch: „Zuerst kommt die Liebe und danach die Technik.“

Die monumentale Basilika, deren Grundstein 1882 gelegt wurde, soll erst in den 2030er Jahren vollständig fertiggestellt sein. Finanziert wird der Bau seit Beginn durch Spenden und inzwischen vor allem durch Eintrittsgelder. 2025 kamen fast 4,9 Millionen Besucherinnen und Besucher, die Einnahmen daraus beliefen sich auf 134,5 Millionen Euro.

Ab Donnerstag führt die Reise den Papst auf die Kanarischen Inseln. Dort ist unter anderem ein Treffen mit Migranten geplant, vor allem mit Menschen aus Afrika. Zehntausende Männer, Frauen und Kinder sind in den vergangenen Jahren in kleinen Holzbooten über den Atlantik dorthin gelangt, oft in der Hoffnung auf ein sichereres und besseres Leben. Immer wieder kommt es bei der gefährlichen Überfahrt auch zu Todesfällen. Leo XIV. hat sich wiederholt für einen humanen Umgang mit Migranten ausgesprochen und ihnen eine Chance auf einen Neuanfang eingefordert.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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