Papst Leo XIV. kehrt nach Südamerika zurück
Papst Leo XIV. ist zum ersten Mal seit seiner Wahl wieder in Südamerika unterwegs – einer Region, die ihn stark geprägt hat. Vor seinem Pontifikat verbrachte er dort rund 20 Jahre seines Lebens. Zum Beginn seiner zwölftägigen Reise wurde er in Uruguay am Wochenende von mehr als 100.000 Menschen empfangen. Bei seiner ersten großen Messe in Paysandú appellierte er daran, den Glauben an die kommenden Generationen weiterzugeben. In Montevideo besuchte er zudem ein Armenviertel.
Obwohl der 71-Jährige erst dreieinhalb Wochen zuvor wegen Krebs operiert worden war, zeigte er sich in guter Verfassung. Auch den mehr als 13-stündigen Flug nach Südamerika überstand er offenbar ohne Probleme. Weitere Etappen seiner Reise sind Argentinien und Peru. In Peru war der gebürtige US-Amerikaner über viele Jahre als Missionar und später als Bischof tätig. Während des Flugs sagte er, er sei „sehr glücklich“, zurückzukehren.
„Papst der beiden Amerikas“
In Südamerika wird der Lebensweg Leos XIV. aufmerksam verfolgt: von seiner Herkunft in Chicago über seine Jahre in Peru bis hin nach Rom. Viele nennen ihn deshalb den „Papst der beiden Amerikas“. Positiv aufgenommen wird auch, dass er Ansprachen und Predigten in nahezu akzentfreiem Spanisch hält.
Vor rund 40.000 Gläubigen sagte Leo bei einer Messe, der Glaube müsse mit „kreativem Mut“ weitergetragen werden. Es sei die Aufgabe aller, Brücken zu bauen, Beziehungen zu stärken, Menschen zusammenzuführen und die Freude am Glauben zu teilen. Bereits am Samstagabend hatten sich 70.000 Menschen im Stadion von Montevideo versammelt. Laut Vatikan leben in Südamerika mehr als 390 Millionen Katholiken – deutlich mehr als in Europa. Weltweit zählt die Kirche etwa 1,4 Milliarden Gläubige.

Klare Trennung von Kirche und Staat in Uruguay
Uruguay, das erste Gastland der Reise, trennt Staat und Kirche seit über 100 Jahren strikt. Weihnachten wird dort etwa offiziell als „Tag der Familie“ bezeichnet. Leo XIV. würdigte das Land mit seinen 3,5 Millionen Einwohnern zum Auftakt als Vorbild für den Kontinent und hob besonders vier Jahrzehnte „ununterbrochener Demokratie“ sowie friedliche Machtwechsel hervor.
Auch bei der Messe in Paysandú, für die er erneut ins Flugzeug stieg, machte der Papst einen robusten Eindruck. Wegen seiner Krebserkrankung war zuvor unklar gewesen, ob er die Reise überhaupt antreten könne. Mitte Oktober war ihm wegen eines bösartigen Tumors ein Teil des rechten Lungenflügels entfernt worden. Kurz darauf gaben die Ärzte grünes Licht. Nach ihren Angaben gilt Leo inzwischen als krebsfrei. Auf Tennis, seinen Lieblingssport, muss er jedoch vorerst verzichten.
Mehr als 30.000 Kilometer in der Luft
Auf dem langen Flug begrüßte der Papst persönlich alle mehr als 80 mitreisenden Journalistinnen und Journalisten. Auf die Frage nach seiner schnellen Genesung antwortete er, dabei hätten ihm der Glaube an Gott, gute Ärzte, gute Chirurgen und ein gesunder Lebensstil geholfen.
Später sagte er in einer Rede, er habe selbst erfahren, welche Grenzen Krankheit einem setzen könne, und sei tief dankbar für die Hilfe, die er erhalten habe. Zugleich denke er an all jene Menschen, denen Mittel für eine frühe Diagnose oder die nötige Behandlung fehlten.
An Bord des Flugzeugs äußerte sich der Pontifex auch zu den Zwischenwahlen in den USA, bei denen das republikanische Lager von Präsident Donald Trump deutliche Verluste erlitt. Er betonte, stolz darauf zu sein, Amerikaner zu sein und sein Wahlrecht auszuüben. Seine Stimme hatte er per Briefwahl abgegeben. Seit seiner Wahl zum Papst war es mehrfach zu Spannungen zwischen ihm und Trump gekommen. Beobachter sehen darin einen möglichen Grund, warum Leo zunächst in seine „zweite Heimat“ Südamerika reiste. Über einen USA-Besuch im Jahr 2027 wird bereits spekuliert.
Station auch in der Heimat von Franziskus
Nach Peru reist Leo bis Mittwoch weiter nach Argentinien, in das Heimatland seines Vorgängers Franziskus, der im vergangenen Jahr an Ostern gestorben war. Franziskus war während seines Pontifikats nie nach Argentinien zurückgekehrt. Als Grund wurde häufig vermutet, dass er eine Vereinnahmung durch die Innenpolitik vermeiden wollte.
Sowohl Argentinien als auch Peru werden derzeit von rechtspopulistischen Staatschefs regiert: in Argentinien von Präsident Javier Milei, in Peru von Präsidentin Keiko Fujimori. Deren mittlerweile verstorbener Vater war einst selbst Präsident des Landes und wurde von Leo in dessen Zeit als Bischof mehrfach kritisiert.
Insgesamt legt der Papst auf dieser Reise mehr als 30.000 Flugkilometer zurück. Geplant sind über drei Dutzend Predigten und Reden in zehn Städten, verteilt auf verschiedene Klima-, Zeit- und Höhenzonen. Besonders heikel gilt ein Besuch auf 3.700 Metern Höhe in den peruanischen Anden, da die dünne Luft nach seiner Lungenoperation als zusätzliche Belastung angesehen wird.
Erneut Treffen mit Missbrauchsopfern geplant
Nach Angaben des Vatikans will Leo XIV. während seiner Südamerika-Reise auch mit Opfern sexuellen Missbrauchs durch katholische Geistliche zusammentreffen. Nähere Angaben machte der Heilige Stuhl dazu nicht. Solche Begegnungen gehören inzwischen häufig zum Programm päpstlicher Auslandsreisen, werden im Anschluss aber meist nur knapp oder gar nicht näher erläutert.
Die zahlreichen Missbrauchsfälle und der Umgang der Kirche damit haben in vielen Ländern erheblich zum Vertrauensverlust gegenüber der katholischen Kirche beigetragen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber