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Zehnkampf-Drama: Neugebauer patzt, Kaul hält Kurs

Zwei deutsche Medaillen-Hoffnungen starten in Birmingham – doch ausgerechnet Leo Neugebauer erlebt sofort einen Schreckmoment.

12.08.2026, 12:14 Uhr

Leo Neugebauer hat bei den Leichtathletik-Europameisterschaften nach dem ersten Tag die Führung im Zehnkampf behauptet und darf weiter auf seinen ersten EM-Titel hoffen. Der Weltmeister und Olympia-Zweite kommt zur Halbzeit auf 4.483 Punkte. Damit liegt der 26-Jährige nahezu auf dem Niveau seines WM-Triumphs von Tokio vor knapp einem Jahr, als er nach Tag eins 4.487 Zähler gesammelt hatte.

Nach fünf Disziplinen beträgt sein Vorsprung 71 Punkte auf den überraschenden Zweiten Jeff Tesselaar aus den Niederlanden. Der Norweger Sander Skotheim folgt mit 4.382 Punkten auf Rang drei.

Neugebauer war mit einem kleinen Rückschlag in den Wettbewerb gestartet. Über 100 Meter rutschte er leicht weg, lief 10,90 Sekunden und geriet so früh unter Zugzwang. Danach startete er seine Aufholjagd: Im Weitsprung sprang er mit 7,82 Metern die Bestweite des Feldes, im Kugelstoßen legte er mit starken 17,13 Metern nach – so weit hatte bei einer Europameisterschaft zuvor noch kein anderer Zehnkämpfer gestoßen.

Im Hochsprung gab es dann einen kurzen Zittermoment. Die 1,96 Meter meisterte Neugebauer erst im dritten Versuch, bei 1,99 Metern war anschließend Schluss. Zum Abschluss über 400 Meter ging der Stuttgarter mutig an, musste auf der Zielgeraden aber deutlich Tribut zollen und fiel noch ans Ende des Feldes zurück.

Nach seinem Kraftakt war Neugebauer völlig erschöpft. In der ARD sagte er: „Der Traum wäre, zwei Medaillen für Deutschland mit heimzubringen.“ Zu seinem Rennen über 400 Meter erklärte er: „Das war einfach so der Plan, schnell anzugehen. Mit 60 Metern to go haben die Beine zugemacht.“ Dennoch zeigte er sich gelassen: „Man kann nie sauer sein, wenn man sein Bestes versucht hat.“

Auch Niklas Kaul darf weiter auf Edelmetall hoffen. Der frühere Welt- und Europameister liegt mit 4.214 Punkten auf Platz sechs und bleibt vor seinem traditionell starken zweiten Tag in Schlagdistanz zu den Medaillenrängen. Kaul präsentierte sich am ersten Tag in guter Form, sammelte vier Saisonbestleistungen und erzielte im Kugelstoßen mit 15,26 Metern sogar eine persönliche Bestleistung.

Zudem überzeugte Kaul im Hochsprung mit 2,02 Metern und setzte damit ein starkes Zeichen. Nach den 400 Metern sagte der 28-Jährige: „Form ist gut, zweite Zeit jemals unter 48 Sekunden – alles in allem passt das.“ Am zweiten Tag könnte ihm vor allem das Speerwerfen in die Karten spielen. Zum Abschluss warten die ungeliebten 1.500 Meter. Bei den erwarteten Temperaturen von mehr als 35 Grad dürfte der Schlussabschnitt besonders anspruchsvoll werden.

Der dritte deutsche Starter Amadeus Gräber kommt nach dem ersten Wettkampftag auf 4.150 Punkte und belegt damit Rang 13.

Auch abseits des Zehnkampfs gab es aus deutscher Sicht beachtliche Resultate. Über 400 Meter lief Jean Paul Bredau in 45,00 Sekunden auf einen starken fünften Platz. Eingangs der Zielgeraden durfte der deutsche Meister sogar kurz auf eine Medaille hoffen. Den Titel sicherte sich der britische Lokalmatador Matthew Hudson-Smith in 44,17 Sekunden.

Bredau zeigte sich anschließend zufrieden und verwies auch auf sein schnelles Halbfinale vom Vortag. Nun richtet sich sein Blick auf die Staffel, mit der Deutschland vor zwei Jahren in Rom Bronze gewann.

Über 400 Meter Hürden schafften sowohl Emil Agyekum als auch Owe Fischer-Breiholz den Einzug ins Finale. Vor allem der deutsche Rekordhalter Agyekum hinterließ erneut einen starken Eindruck und geht mit Medaillenchancen in den Endlauf am Freitagabend.

Im Diskuswerfen der Frauen qualifizierte sich die dreimalige EM-Dritte Shanice Craft souverän für das Finale. Auch Kristin Pudenz, einstige EM-Zweite, schaffte nach einigem Zittern noch den Sprung in die Entscheidung.

Im Hammerwerfen belegte Aileen Kuhn mit 68,24 Metern den zehnten Platz. Den Titel gewann die Finnin Silja Kosonen mit 76,28 Metern.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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