Kabinett bringt Frühstartrente auf den Weg
Kinder sollen nach dem Willen der Bundesregierung schon früh beim Aufbau einer Altersvorsorge unterstützt werden. Das Kabinett in Berlin beschloss dazu den Gesetzentwurf von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) für die sogenannte Frühstartrente.
Geplant ist, dass der Staat für jedes Kind eines förderberechtigten Jahrgangs ab dem sechsten Geburtstag bis zum 18. Lebensjahr monatlich zehn Euro in ein Altersvorsorgedepot einzahlt.
Klingbeil sagte, Ziel sei es, allen Menschen früher und unabhängiger vom Elternhaus eine bessere Vorsorge fürs Alter zu ermöglichen. Zugleich sollen Kinder und ihre Familien dadurch früh praktische Erfahrungen mit dem Kapitalmarkt sammeln.
Nicht alle Kinder profitieren sofort
Von der Regelung würden allerdings nicht sofort alle Kinder erfasst. Wenn das Gesetz auch im Bundestag verabschiedet wird, sollen zunächst nur Kinder des Geburtsjahrgangs 2020 profitieren. Ab 2027 käme dann jedes Jahr der Jahrgang hinzu, der gerade sechs Jahre alt wird.
Das bedeutet auch: Kinder, die heute bereits älter sind, gehen zunächst leer aus.
So soll das Geld angelegt werden
Die Frühstartrente ist als finanzieller Grundstock für die Altersvorsorge gedacht. Das Geld soll automatisch für alle berechtigten Kinder eines Jahrgangs in ein Depot fließen. Die Erträge bleiben bis zum Beginn der Auszahlungsphase steuerfrei. Ausgezahlt werden darf das geförderte Vermögen grundsätzlich erst ab dem 65. Lebensjahr.
Eltern sollen das Depot innerhalb bestimmter Vorgaben selbst auswählen können. Dabei gilt: Bis zum 18. Lebensjahr dürfen keine Abschluss- und Vertriebskosten anfallen.
Treffen Eltern keine eigene Wahl, soll das Geld in eine öffentliche Kapitalanlage unter Verwaltung der Bundesbank fließen. Laut Klingbeil kann das angesparte Vermögen dann bis zum 35. Lebensjahr in ein eigenes Depot übertragen werden.
Wie viel Vermögen entstehen kann
Nach Berechnungen des Finanzministeriums würde allein der staatliche Zuschuss bis zur Volljährigkeit zu einem Depotwert von rund 2.200 Euro führen. Ohne weitere Einzahlungen könnte daraus bis zum Rentenbeginn ein Vermögen von etwa 53.000 Euro werden.
Eltern und Großeltern dürfen zusätzlich freiwillig einzahlen. Möglich sind dabei bis zu 6.840 Euro pro Jahr. Zahlen Eltern zusätzlich ebenfalls zehn Euro monatlich ein, könnte das Kapital bis zum Ruhestand auf rund 107.000 Euro anwachsen. Bei einer zusätzlichen Einzahlung von 50 Euro im Monat wären nach Ministeriumsangaben sogar etwa 320.000 Euro möglich.
Diesen Beispielrechnungen liegt eine angenommene durchschnittliche Wertentwicklung von sieben Prozent zugrunde. Tatsächlich kann die Entwicklung der Depots aber auch schwächer oder stärker ausfallen.
Kosten für den Bund
Für den Staat soll die Frühstartrente zunächst 198 Millionen Euro pro Jahr kosten. Bis 2030 sollen die jährlichen Ausgaben laut Gesetzentwurf auf 411 Millionen Euro steigen.
Mehr als nur Sparen fürs Alter
Mit der Frühstartrente will die Bundesregierung nicht nur den Vermögensaufbau fördern. Das Modell soll auch dazu beitragen, dass sich junge Menschen und ihre Familien früh mit Aktienmarkt und langfristigem Sparen beschäftigen.
Die Regierung verbindet das Vorhaben zudem mit ihrer geplanten Reform der privaten Altersvorsorge. Nach dem Konzept soll es mit Erreichen der Volljährigkeit einen nahtlosen Übergang in eine neue steuerlich geförderte private Vorsorge geben, die als Nachfolger der bisherigen Riester-Rente gedacht ist.
Unterschiedliche Reaktionen aus der Politik
Kritik kommt von der Linken und aus Gewerkschaften. Die Linke bezeichnet das Projekt als Symbolpolitik und warnt, dass vor allem Familien mit mehr Geld von zusätzlichen Einzahlungen und steuerlichen Vorteilen profitieren könnten. Auch die IG Metall hält das Konzept für falsch und sieht in dem geringen staatlichen Zuschuss vor allem einen Anreiz zugunsten von Fondsanbietern.
Unterstützung kommt dagegen aus der Union. CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann verteidigte die Pläne mit dem Hinweis, dass junge Menschen so früh von Kapitalmarkterträgen und dem Zinseszinseffekt profitieren könnten.
Quelle: dpa/bearbeitet
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber