Politik

Nordkorea-Hacker zocken IT-Jobsuchende perfide ab

Nordkoreas Hacker locken IT-Profis in eine perfide Bewerbungsfalle – was wirklich hinter „Contagious Interview“ steckt.

18.09.2026, 08:00 Uhr

Deutsche Sicherheitsbehörden warnen arbeitsuchende IT-Fachkräfte vor einer Cybergruppe aus Nordkorea, die mit gestohlenen Kryptowerten internationale Sanktionen umgeht und das Waffenprogramm des Landes mitfinanziert. Nach Angaben der Behörden setzen die Täter gezielt auf Social Engineering, also auf Manipulation, um Betroffene zur Preisgabe von Informationen oder zu riskanten Handlungen zu bewegen.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz und der Bundesnachrichtendienst veröffentlichten dazu gemeinsam mit Partnerbehörden aus Japan, den USA und Australien einen Sicherheitshinweis. Darin beschreiben sie die Vorgehensweise der in der IT-Sicherheitsbranche als „Contagious Interview“ bekannten Kampagne:

  • Die Angreifer sprechen Softwareentwickler und andere IT-Spezialisten über soziale Netzwerke, Jobbörsen oder Freelancer-Plattformen an.
  • Dabei geben sie sich etwa als Vertreter von KI-Unternehmen oder Firmen aus dem Kryptobereich aus.
  • Im angeblichen Bewerbungsprozess sollen Kandidaten eine Testaufgabe erledigen und dafür eine Datei herunterladen.
  • Diese Datei enthält jedoch Schadsoftware.
  • Ist ein System erst einmal kompromittiert, stehlen die Täter sensible Daten und Kryptowährungen.
  • Zusätzlich richten Trojaner dauerhafte Zugänge ein, um weitere Angriffe auf Systeme der Betroffenen zu ermöglichen.

Nordkoreanische IT-Kräfte tarnen ihre Identität

Neben dieser Masche verweisen die Behörden auf eine weitere bereits im Oktober 2024 öffentlich gemachte Kampagne. Dabei verschaffen sich nordkoreanische IT-Fachkräfte unter falschen Namen Anstellungen als Remote-Entwickler bei Unternehmen. Auch hier steht im Vordergrund, Geld für den nordkoreanischen Staat zu beschaffen.

Cyberangriff
Arbeitssuchende IT-Fachkräfte werden Ziel von staatlich orchestrierten Cyberangriffen aus Nordkorea. (Symbolbild) Quelle: Nicolas Armer/dpa

Um ihre wahre Herkunft zu verschleiern, nutzen einige dieser Arbeitskräfte sogenannte Laptop-Farmen. Dabei handelt es sich um Standorte in anderen Ländern, an denen Computer betrieben werden, auf die die eigentlichen Nutzer aus der Ferne zugreifen. So entsteht der Eindruck, die Arbeit werde von einem anderen Land aus erledigt.

Arbeitgeber sollten laut Warnung aufmerksam werden, wenn Bewerber etwa:

  • persönliche Treffen wiederholt vermeiden,
  • eine Bezahlung in Kryptowährung verlangen,
  • oder in Videointerviews auffällig oft zur Seite schauen, als würden sie von einem zweiten Bildschirm ablesen.

Sanktionen sollen unterlaufen werden

Nordkorea ist wegen seines Atom- und Raketenprogramms seit rund 20 Jahren mit weitreichenden UN-Sanktionen belegt. Weitere Strafmaßnahmen wurden zuletzt im UN-Sicherheitsrat von China und Russland blockiert. Beide Länder verhinderten außerdem die Verlängerung des Mandats eines UN-Expertengremiums, das bislang die Einhaltung der Sanktionen überwacht hatte.

Nach Einschätzung der Behörden dient die Gruppe „Waterplum“ dazu, Geld für die Bezahlung des nordkoreanischen Regimes und seines Militärs zu beschaffen. In einzelnen Fällen könnten daneben auch Spionage und der Diebstahl geistigen Eigentums eine Rolle spielen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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