Politik

Brisantes G20-Treffen mit Russlands Finanzminister

Nach dem G20-Eklat spricht Russlands Finanzminister jetzt sogar persönlich vor Ort – droht der nächste diplomatische Knall?

31.08.2026, 17:16 Uhr

Russischer Finanzminister wieder bei G20-Treffen vor Ort

Zum ersten Mal seit Beginn des Kriegs in der Ukraine ist mit Anton Siluanow wieder ein russischer Finanzminister persönlich bei einem Treffen der G20 vertreten. Der Minister hält sich derzeit in Asheville im US-Bundesstaat North Carolina auf. Dort beraten die Finanzminister und Notenbankchefs der führenden Industrie- und Schwellenländer auf Einladung der USA zwei Tage lang darüber, wie sich die weltweite Wirtschaft beleben lässt.

Die Rückkehr Siluanows an den Verhandlungstisch sorgte jedoch für scharfe Reaktionen. Bundesfinanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil sprach von einem Versuch der Normalisierung durch die USA als Gastgeber. Angesichts der Gräueltaten des Kriegs gebe es aus seiner Sicht keinerlei Anlass für Entspannung im Verhältnis zu Moskau. Zugleich betonte er aber, Russland gehöre zur G20 – daher sei es wichtig, den Gesprächskanal zu nutzen und intern klare Botschaften zu setzen.

Nach eigenen Angaben tat Klingbeil genau das auch persönlich. Er sagte, er habe Siluanow direkt aufgefordert, den Krieg zu beenden, und ihm die Folgen des russischen Angriffs deutlich vor Augen geführt. Deutschland stehe weiter klar an der Seite der Ukraine, machte der SPD-Politiker demnach bei dem Treffen unmissverständlich klar.

Bei einem G20-Treffen im April 2022 war Siluanow lediglich per Video zugeschaltet. Damals verließen zahlreiche westliche Vertreter aus Protest den Saal. Der damalige deutsche Finanzminister Christian Lindner blieb hingegen im Raum und reagierte gemeinsam mit den G7-Staaten auf Siluanows Wortmeldung.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow nimmt im Gegensatz dazu regelmäßig an G20-Zusammenkünften teil. Zuletzt war er im Februar 2025 bei einem Treffen in Südafrika dabei, zuvor 2024 in Brasilien. Die Ministerrunden dienen dazu, die Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs vorzubereiten.

Streit um das „Familienfoto“

Auch abseits der Sitzungen kam es zu einem Eklat. Traditionell gibt es bei G20-Treffen ein gemeinsames „Familienfoto“ der Teilnehmer. Ein Bild zusammen mit dem russischen Finanzminister wollte Klingbeil jedoch nicht akzeptieren. Nach seinen Worten wären harte Kritik und offene Auseinandersetzungen im Sitzungssaal richtig, ein symbolisches Gruppenfoto mit Siluanow gehe jedoch zu weit.

Nach Angaben aus Delegationskreisen setzte sich Klingbeil deshalb gemeinsam mit anderen europäischen Teilnehmern für einen Boykott eines solchen Fotos ein, falls der russische Minister darauf zu sehen sein sollte. Am Ende wurde ein Gruppenbild mit den Europäern aufgenommen – ohne russische Vertreter.

Große Bühne im Dezember in Miami

Bei den jetzigen Beratungen wird zugleich der G20-Gipfel der Staats- und Regierungschefs im Dezember in Miami vorbereitet. Schon das Ministertreffen nährt Zweifel daran, ob die USA unter Präsident Donald Trump dabei ein einfacher Gastgeber sein werden.

Bei den vergangenen Gipfeln war Russland nicht auf Präsidentenebene vertreten, sondern nur durch Vertreter des Kremls. Wladimir Putin selbst nahm zuletzt 2019 an einem solchen Treffen teil. Das könnte sich jedoch ändern: Trump hatte sich im April grundsätzlich offen für eine mögliche Teilnahme Putins am Gipfel in Miami gezeigt. Ein Erscheinen des Kremlchefs könne „wahrscheinlich ziemlich hilfreich“ sein, sagte Trump. Zudem betonte er, man solle mit jedem sprechen.

Kritik auch wegen ausgeschlossener Medien

Für zusätzlichen Ärger sorgte der Umgang der US-Gastgeber mit der Presse. Nach Angaben aus Delegationskreisen sollten zunächst weder Journalisten von Bloomberg noch der „New York Times“ Zugang zur Berichterstattung über das Treffen erhalten. Das deutsche Finanzministerium versuchte demnach auf diplomatischem Weg, bei der US-Regierung zu intervenieren.

Am Ende bekam der Berliner Korrespondent der „New York Times“ doch noch eine Akkreditierung. Für Bloomberg blieben die Bemühungen jedoch erfolglos. Aus Sicht der Bundesregierung ist der Ausschluss einer internationalen Nachrichtenagentur beispiellos und nicht hinnehmbar. Auch Klingbeil kritisierte das Vorgehen deutlich und erklärte, es sei nicht akzeptabel, einzelne Journalisten oder ganze Redaktionen auszuschließen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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