Lionel Messi hat seinen Rückzug aus der argentinischen Nationalmannschaft bekannt gegeben. Der 39-Jährige machte seine Entscheidung rund sechs Wochen nach der 0:1-Niederlage nach Verlängerung im WM-Finale gegen Spanien öffentlich – mit einem emotionalen Beitrag in den sozialen Netzwerken.
Darin zeigte er unter anderem drei handgeschriebene Zettel, auf einem lag ein goldener Kugelschreiber. Messi schrieb, der Entschluss habe ihm „in der Seele wehgetan“ und tue es noch immer, doch er verstehe, dass nun die Zeit dafür gekommen sei. Die argentinische Nationalmannschaft reagierte umgehend mit den Worten: „Unendlichen Dank, Leo. Wir werden dich bis ans Ende unserer Tage lieben.“
Zudem veröffentlichte Messi bei Instagram ein Video mit Szenen seiner sechs WM-Teilnahmen.
Abschied nach großer Karriere
Damit endet eine außergewöhnliche Laufbahn von mehr als zwei Jahrzehnten im Trikot der Albiceleste. Messi absolvierte 207 Länderspiele für Argentinien und erzielte 125 Tore. Zu seinen größten Erfolgen zählen der WM-Titel 2022 in Katar, die Vize-Weltmeisterschaften 2014 und 2026 sowie zwei Copa-América-Triumphe.
Diesmal spricht alles dafür, dass es keinen Rücktritt vom Rücktritt mehr geben wird. Schon vor Jahren hatte Messi seinen Abschied aus dem Nationalteam erklärt, war später aber zurückgekehrt. Nun wirkt die Entscheidung endgültig.
In seinem Statement schrieb Messi, er gehe mit Stolz und der Gewissheit, gemeinsam mit seinen Mitspielern unvergessliche und traumhafte Momente geschaffen zu haben. Nach eigenen Angaben hatte er die Worte bereits am 21. Juli verfasst – zwei Tage nach dem verlorenen Endspiel in East Rutherford.
Trauer um den Vater verstärkt den Entschluss
Besonders schwer wurde die Zeit nach dem Finale durch einen schweren persönlichen Verlust. Messi war nach dem Turnier nicht mit der Mannschaft nach Buenos Aires zurückgereist, sondern direkt mit seiner Familie nach Rosario. Dort starb am 8. August sein zuvor bereits schwer erkrankter Vater Jorge im Alter von 68 Jahren.
Messi erklärte, ihn habe dieses Ereignis in seiner Haltung noch bestärkt. In einem weiteren sehr persönlichen Beitrag schrieb er auch: „Ich weiß nicht, was ich ohne dich tun soll, ich weiß nicht, wie es weitergehen soll. Ich habe doch nur Fußball gespielt, und jetzt habe ich ziemliche Zweifel, ob ich das noch lange weitermachen werde.“ Messi und sein Vater verband ein enges Verhältnis; Jorge war für ihn über viele Jahre Mentor und Manager.
Bewegende Reaktionen aus Familie, Team und Medien
Messis Ehefrau Antonela Roccuzzo würdigte ihn mit einer Liebeserklärung. Sie schrieb, sie sei stolz, ihn auf diesem Weg begleitet zu haben und mitzuerleben, wie er all seine Träume verwirklicht habe. „Du hast diese Geschichte verdient – und noch viel mehr. Wir lieben dich unendlich“, erklärte sie. Messi und Roccuzzo haben drei Söhne.
Auch aus der Mannschaft kamen emotionale Reaktionen. Lautaro Martínez bedankte sich mit den Worten „Ewiger Dank“. Rodrigo de Paul hob Messis bedingungslose Liebe zu Argentinien, seinen Kampfgeist und seine Haltung hervor und nannte ihn den „Größten aller Zeiten“.
International schlug die Nachricht ebenfalls hohe Wellen. Die argentinische Sportzeitung Olé schrieb: „Danke, Leo. Du bist ewig.“ Spaniens Mundo Deportivo sprach von einer Sensation, Frankreichs L’Équipe titelte: „Messi und Argentinien, es ist vorbei.“
Tränen nach dem verlorenen Finale
Nach dem Schlusspfiff des WM-Endspiels war Messi trotz der Niederlage von den argentinischen Fans gefeiert worden. Vor der Kurve kämpfte er mit den Tränen, später liefen sie ihm über das Gesicht. Rund 20 Stunden danach schrieb er von „unermesslichem Schmerz“ und davon, dass diese Wunde Zeit brauche, um zu heilen. Zu seiner Zukunft hatte er sich damals noch nicht konkret geäußert.
Sein letzter Auftritt im himmelblau-weißen Trikot datiert damit auf den 19. Juli 2026 in East Rutherford – an jenem Ort, an dem er schon zehn Jahre zuvor einmal seinen Rücktritt erklärt hatte, ehe er doch noch einmal zurückkehrte.
Künftig nur noch für Inter Miami
Sportlich wird Messi nun nur noch auf Vereinsebene zu sehen sein. Seine Bühne bleibt die Major League Soccer in den USA. Sein Vertrag bei Inter Miami, wohin er im Sommer 2023 gewechselt war, läuft noch bis Ende 2028. Dann wäre der achtmalige Weltfußballer 41 Jahre alt. Ob er den Vertrag komplett erfüllt, ist offen – zuletzt glänzte er aber weiter und erzielte sogar vier Tore in einem Spiel.
Auch bei der WM 2026 hatte Messi noch einmal bewiesen, dass er selbst mit knapp 40 zu Außergewöhnlichem fähig ist. Auf dem Weg ins Finale führte er den später entthronten Titelverteidiger mit acht Toren und vier Vorlagen an. Im Endspiel gegen Spanien blieb ihm der ganz große Abschluss jedoch verwehrt.
Argentinien vor einem Umbruch
Messis Rücktritt könnte nun weitere Folgen haben. Auch Torwart Emiliano Martínez hatte zuletzt Zweifel an seiner Fortsetzung im Nationalteam geäußert. Zudem ist offen, ob Trainer Lionel Scaloni über den Jahreswechsel hinaus im Amt bleibt. Scaloni hatte die Nationalmannschaft nach der WM-Enttäuschung 2018 in Russland übernommen und Messi auf dem Weg zum WM-Titel 2022 zum Nationalhelden geführt.
Für die Albiceleste könnte nun ein tiefgreifender Umbruch beginnen – ausgerechnet vier Jahre vor der nächsten Weltmeisterschaft, bei der auch ein Eröffnungsspiel in Buenos Aires geplant ist.
Mit Messi endet damit endgültig ein prägendes Kapitel der argentinischen Fußball-Geschichte.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber