Bayreuth ergänzt Straßenschilder um Hinweise auf belastete Persönlichkeiten
Bayreuth macht künftig an mehreren Straßenschildern auf die problematischen Seiten namengebender Personen aufmerksam. So wird an der Richard-Wagner-Straße nun der Zusatz angebracht: „Umstrittene Persönlichkeit aufgrund seiner antisemitischen Haltung“.
Auch an den Schildern, die an Wagners Ehefrau Cosima erinnern, findet sich ein entsprechender Hinweis. Sie vertrat ebenfalls offen judenfeindliche Positionen und prägte bei den Bayreuther Festspielen eine antisemitisch geprägte Personalpolitik.
Der Stadtrat hatte die Einführung dieser Ergänzungsschilder beschlossen. Nach Angaben von Oberbürgermeister Andreas Zippel (SPD) fiel die Entscheidung bewusst gegen eine Umbenennung der Straßen aus. Stattdessen solle durch zusätzliche Informationen eine historische Einordnung ermöglicht werden.
Hinweise auch bei Hindenburg und Bismarck
Die neuen Zusatzschilder betreffen nicht nur Richard und Cosima Wagner. Auch andere Straßennamen in Bayreuth werden künftig kritisch erläutert.
An der Hindenburgstraße steht nun der Hinweis, dass Paul von Hindenburg (1847–1934) als umstritten gilt, weil er maßgeblich Mitverantwortung für den Aufstieg der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft trage. Hindenburg war Reichspräsident in der Weimarer Republik und wird von vielen als Wegbereiter Hitlers gesehen.
Auch die Bismarckstraße erhält eine ergänzende Einordnung. Dort wird Fürst Otto von Bismarck (1815–1898) als Jurist, Diplomat, preußischer Ministerpräsident und Reichskanzler beschrieben. Zugleich verweist das Schild auf seine problematische Außen- und Kolonialpolitik.

Christoph Rabenstein (SPD), früherer Landtagsabgeordneter und langjähriges Mitglied des Bayreuther Stadtrats, betonte, Richard Wagner sei zweifellos ein bedeutender Komponist, dessen Werke bis heute weltweit geschätzt würden. Gleichzeitig dürfe sein Antisemitismus nicht ausgeblendet werden.
Richard Wagner (1813–1883) ließ in Bayreuth eigens ein Opernhaus errichten. Dort wurden vor 150 Jahren die ersten Festspiele veranstaltet. Nach seinem Tod übernahm Cosima Wagner die Leitung des Festivals.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber