EU will Partnerschaft mit Grönland vertiefen
Trotz der von US-Präsident Donald Trump erhobenen Kontrollansprüche auf Grönland will die Europäische Union ihre Beziehungen zu der rohstoffreichen Arktisinsel weiter ausbauen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen traf am Sonntag zu einem zweitägigen Besuch in Grönland ein. Für Montag ist die Unterzeichnung einer neuen gemeinsamen Erklärung zwischen der EU und Grönland geplant. Zudem werden Investitionszusagen im dreistelligen Millionenbereich erwartet.
Zur Ankunft erklärte von der Leyen, Ziel der Reise sei es, eine besondere Partnerschaft weiter zu festigen. In den sozialen Medien betonte sie die enge Verbundenheit mit den Worten: „Wir sind Familie.“
Am Flughafen in Nuuk wurde sie vom grönländischen Regierungschef Jens-Frederik Nielsen sowie der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen empfangen. Nielsen sprach bei einem kurzen Pressetermin von einer sehr engen Freundschaft und einer guten Partnerschaft, auf der sich weiter aufbauen lasse. Anschließend brachen von der Leyen, Nielsen und Frederiksen zu einer Bootstour durch die arktische Landschaft auf.
Grönland gehört zwar zum Königreich Dänemark und verfügt über weitgehende Autonomie, ist jedoch nicht Teil der Europäischen Union.
Trumps Forderungen sorgen für Spannung
Besondere Brisanz erhält der Besuch durch die Haltung der USA. Trump beansprucht Grönland mit Verweis auf Sicherheitsinteressen für die Vereinigten Staaten und drängt auf einen Verkauf der Insel. Er begründet dies damit, dass Dänemark nach seiner Auffassung nicht in der Lage sei, Grönland ausreichend gegen Russland und China zu schützen. Hinzu kommt das Interesse an den umfangreichen Vorkommen strategisch wichtiger Rohstoffe auf der Insel, die nur knapp 57.000 Einwohner hat.
Erst im Juli hatte Trump seine Ansprüche erneut bekräftigt und dabei auch einen Zusammenhang mit der laufenden Überprüfung der US-Militärpräsenz in Europa hergestellt. Nach seiner Darstellung könnten die Vereinigten Staaten ihr Engagement zur Abschreckung Russlands verringern, falls keine aus ihrer Sicht zufriedenstellende Lösung für die Zukunft Grönlands gefunden werde.
Ungewissheit über frühere Nato-Absprache
Damit ist derzeit offen, ob Trump noch an eine Vereinbarung gebunden sein will, die im Januar unter Vermittlung von Nato-Generalsekretär Mark Rutte zustande gekommen war. Diese Absprache sah vor, die Sicherheit in der Arktis durch ein abgestimmtes Vorgehen der Verbündeten zu gewährleisten, vor allem durch die sieben arktischen Nato-Staaten USA, Kanada, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland und Island.
Aus Nato-Kreisen hieß es zudem, dass die USA ihre militärische Präsenz in Grönland ausbauen könnten. Auch ein mögliches Mitspracherecht Washingtons bei bestimmten Investitionsvorhaben steht demnach im Raum.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber