Ulrich Siegmund: AfD-Gesicht mit wachsendem Einfluss in Sachsen-Anhalt
Der Slogan „Alles ist möglich“ war im Wahlkampf der AfD in Sachsen-Anhalt allgegenwärtig. Einer, der diesen Anspruch für seine Partei besonders verkörpert, ist Ulrich Siegmund. Der 35-Jährige aus Tangermünde hat sich in den vergangenen Jahren zu einer der prägendsten Figuren der Landespartei entwickelt.
In den Monaten vor der Wahl schien Siegmund von großer Zustimmung getragen zu werden. Wo immer er auftrat, war das Interesse hoch. Zu gemeinsamen Moped-Touren kamen Hunderte Menschen, bei Bürgergesprächen waren Sporthallen und Kulturzentren gut gefüllt. Viele warteten lange, um ein Foto mit dem AfD-Politiker zu bekommen. Inhaltlich blieb er bei solchen Auftritten oft vage. Häufig genügte es, freundlich aufzutreten und seinen Anhängern das Gefühl zu geben, Teil von etwas Größerem zu sein.
Aufstieg in der Corona-Zeit
Sein politischer Aufschwung begann während der Pandemie. Auf Tiktok und Instagram gewann Siegmund mit seiner Kritik an den Corona-Maßnahmen ein großes Publikum und sammelte mehrere Hunderttausend Follower. Als gesundheitspolitischer Sprecher der AfD-Landtagsfraktion konnte er diese Positionen anschließend auch im Parlament vertreten. 2022 wurde er zum Co-Vorsitzenden der Fraktion gewählt.
Kritik ohne nachhaltigen Schaden
Im Laufe seiner politischen Laufbahn stand Siegmund mehrfach in der Kritik, ernsthaft gebremst hat ihn das jedoch nicht. Nach dem Potsdamer Treffen, bei dem der frühere Identitären-Aktivist Martin Sellner über „Remigration“ sprach, verlor Siegmund zwar den Vorsitz im Sozialausschuss des Landtags. Politisch nutzte er auch diesen Vorgang, um seine Erzählung eines Konflikts zwischen „denen da oben“ und der eigenen Anhängerschaft weiter zu schärfen.

Auch in der Vetternwirtschaftsaffäre im Fokus
Vor einigen Monaten spielte Siegmund zudem in der Debatte über mögliche Vetternwirtschaft innerhalb der AfD eine Rolle. Medienberichten zufolge soll sein Vater zeitweise im Bundestagsbüro eines AfD-Politikers gearbeitet und dafür mehr als 7.500 Euro im Monat erhalten haben. Die Kritik an solchen personellen Verflechtungen wies Siegmund mit dem Hinweis zurück, man arbeite eben mit Menschen zusammen, denen man vertraue.
Radikale Forderungen oft relativiert
Im Wahlkampf wurde der gelernte Außenhandelskaufmann immer wieder auf umstrittene Punkte des AfD-Programms angesprochen. Dazu gehörten etwa Überlegungen zur Abschaffung der Schulpflicht, zu Veränderungen bei Lehrplänen oder zur Ablehnung sogenannter „kulturfremder Fachkräfte“. Auf solche Fragen reagierte Siegmund häufig ausweichend oder stellte die Forderungen als weniger drastisch dar. Auch Mitarbeiter mit rechtsextremem Hintergrund in inzwischen verbotenen Organisationen in seinem Umfeld sieht er nach eigener Darstellung nicht als Problem.
Reicht Sachsen-Anhalt ihm auf Dauer?
Inzwischen wird vereinzelt spekuliert, ob die politische Bühne in Sachsen-Anhalt für Siegmund auf Dauer zu klein sein könnte. Ein möglicher Wechsel nach Berlin bei der Bundestagswahl 2029 gilt für manche Beobachter als denkbar. Klar ist: Wahlkampf und öffentliche Inszenierung beherrscht Ulrich Siegmund bereits heute sehr gut.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber