Katholische Kirche hält klaren Abstand zur AfD
Trotz des jüngsten Erfolgs der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sieht die katholische Kirche keinen Anlass, ihre kritische Haltung zur Partei zu ändern. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, sagte der Deutschen Presse-Agentur in Berlin, die AfD stelle grundlegende Werte des gesellschaftlichen Zusammenlebens infrage.
Nach seinen Worten verfolgt die Partei ein anderes Verständnis von Demokratie und gesellschaftlichen Grundprinzipien. Dem setze die Kirche ausdrücklich Menschenwürde, Nächstenliebe und die demokratische Ordnung entgegen.
Sorge vor möglichen Maßnahmen gegen die Kirchen
Wilmer schließt nicht aus, dass die AfD im Fall einer Regierungsbeteiligung oder Regierungsübernahme in Sachsen-Anhalt konkrete Schritte gegen die Kirchen einleiten könnte. Er verwies darauf, dass die Partei unter anderem den staatlichen Einzug der Kirchensteuer abschaffen und das Kirchenasyl nicht länger akzeptieren wolle. Beim Kirchenasyl finden Menschen, denen etwa eine Abschiebung droht, zeitweise Schutz in kirchlichen Räumen.
In Sachsen-Anhalt leben nach Angaben des Artikels rund 300.000 evangelische und katholische Christinnen und Christen. Davon gehören etwa 235.000 der evangelischen und 66.000 der katholischen Kirche an.
Bischöfe bei diesem Thema geschlossen
Wilmer bekräftigte zudem die weiterhin gültige Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz aus dem Jahr 2024 mit dem Titel „Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar“. Gerade in dieser Frage gebe es unter den katholischen Bischöfen in Deutschland eine seltene und vollständige Einigkeit. Das Papier sei vor zwei Jahren von allen mehr als 60 Bischöfen einstimmig beschlossen worden.
Wenn es um die Würde jedes einzelnen Menschen gehe, stünden die Bischöfe geschlossen zusammen, betonte Wilmer. Dies gelte ausdrücklich auch für Menschen mit Fluchterfahrung oder anderer Herkunft.
Gespräch mit AfD-Wählern soll weitergeführt werden
Gleichzeitig sprach sich Wilmer dafür aus, mit Menschen im Dialog zu bleiben, die die AfD wählen. Die Kirche sei jedoch dem Evangelium und der christlich-jüdischen Tradition verpflichtet. Daraus leite sich die Überzeugung ab, dass allen Menschen dieselbe Würde zukommt – unabhängig von Herkunft, sozialem Status, Gesundheit, Alter oder Religion.
Diese Haltung sei aus Sicht der Kirche nicht verhandelbar. Christen dürften sich nicht auf die eigene Gruppe oder die eigene Nation beschränken, sagte Wilmer. Ihr Auftrag gelte der gesamten Welt, weil alle Menschen Teil einer gemeinsamen Menschheitsfamilie seien.
Wilmer fordert mehr Austausch zwischen Religionen
Mit Blick auf das gesellschaftliche Klima sprach sich der Bischof außerdem für mehr interreligiöse Dialogformate aus. Solche Begegnungen könnten helfen, das Verständnis zwischen den Religionen zu stärken.
Besonders besorgt äußerte er sich über den zunehmenden Antisemitismus in Deutschland. Diese Entwicklung sei erschütternd, sagte Wilmer und fügte hinzu: „Antisemitismus ist Sünde.“ Zugleich warb er dafür, den Blick stärker auch auf den Islam und muslimische Gruppen in Deutschland zu richten. Entscheidend sei die Frage, wie gemeinsame Verantwortung für das Land übernommen werden könne, in dem alle zusammenlebten.
Wilmer seit Februar Vorsitzender der Bischofskonferenz
Heiner Wilmer war seit 2018 Bischof von Hildesheim. Am 24. Februar dieses Jahres wurde er zum Nachfolger von Georg Bätzing als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz gewählt. Im März ernannte ihn Papst Leo XIV. zum Bischof von Münster. Damit leitet Wilmer inzwischen das mitgliederstärkste katholische Bistum Deutschlands.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber