Apple bringt mit dem iPhone Duo sein erstes Falt-Smartphone
Fast zwei Jahrzehnte nach dem Start des iPhones verpasst Apple seinem wichtigsten Produkt eine tiefgreifende Neuerung: Mit dem iPhone Duo steigt der Konzern erstmals in den Markt für faltbare Smartphones ein. Während Anbieter wie Samsung schon seit Jahren entsprechende Geräte verkaufen, will Apple nun mit einem eigenen Ansatz überzeugen.
Bislang hat Apple durch den Verzicht auf Foldables wirtschaftlich kaum etwas verpasst. Nach Daten des Marktforschers IDC machten faltbare Smartphones zuletzt nur 2,2 Prozent aller Verkäufe aus. Trotz jahrelanger Bemühungen von Samsung und chinesischen Herstellern wie Huawei blieb die Geräteklasse bisher ein Nischenmarkt.
Apple ist dennoch überzeugt, diesmal die passende Lösung gefunden zu haben. Das iPhone Duo setzt auf ein breiteres Format als viele Konkurrenzmodelle, soll ohne störende Falz im inneren Display auskommen und eine Benutzeroberfläche bieten, die den Wechsel zwischen Außen- und Innendisplay besonders flüssig macht.
Hoher Preis für das neue Format
Günstig wird das nicht: Auch wegen stark gestiegener Speicherpreise im Zuge des KI-Booms und des Ausbaus von Rechenzentren startet das iPhone Duo bei 2.299 Euro. Damit ist es zum Verkaufsstart im Oktober das teuerste iPhone aller Zeiten. Die Version mit zwei Terabyte Speicher kostet sogar 3.799 Euro.
IDC-Analyst Francisco Jeronimo sieht die Zielgruppe zunächst klar: Menschen, die sich ein solches Gerät leisten können. Dazu kämen Apple-Anhänger, die bereit seien, für ein besonderes Produkt viel Geld auszugeben. Das Duo dürfte daher auch als Statussymbol wahrgenommen werden. Außerdem spreche es Nutzer an, die bisher sowohl ein iPhone als auch ein iPad verwenden und nun beides in einem Gerät vereint bekommen.

Dünn gebaut, aber mit Kamera-Kompromissen
Das neue Format bringt allerdings auch Einschränkungen mit sich. Aufgeklappt ist das Duo das bislang dünnste iPhone. Dadurch bleibt weniger Raum für Technik als etwa in einem iPhone Pro mit aufwendigerem Kamerasystem. Beim Duo ist der Zoom auf 2-fach begrenzt, während das neue iPhone 18 Pro sogar eine verstellbare physische Blende erhält.
Branchenanalyst Bob O’Donnell von Technalysis Research glaubt aber nicht, dass das viele Interessenten abschreckt. Für manche Nutzer sei die Kamera entscheidend, für andere die größere Displayfläche. Genau dort verlaufe die Grenze zwischen Käufern eines Pro-Modells und des Duo. Als größtes Hindernis sieht auch er vor allem den hohen Preis.
Rückenwind für den neuen Apple-Chef
Für Apples neuen Chef John Ternus kommt das Duo zum passenden Zeitpunkt. Der frühere Hardware-Chef dürfte maßgeblich an der Entwicklung beteiligt gewesen sein. Entsprechend wird der Erfolg oder Misserfolg des Geräts eng mit seinem Namen verknüpft werden.
Das faltbare iPhone orientiert sich bei seinen Maßen ungefähr an einem Reisepass. Sowohl zusammengeklappt als auch geöffnet hebt es sich damit klar von frühen Foldable-Konzepten der Konkurrenz ab, die meist schmal und hoch gebaut waren und sich zu einem eher quadratischen Bildschirm entfalten ließen.
Ternus erklärte, viele bisherige Falt-Handys hätten sich angefühlt wie „zwei zusammengeklebte Smartphones“. Das von Apple gewählte Format soll die größere innere Displayfläche besser nutzbar machen. Das Innendisplay misst 7,6 Zoll, der äußere Bildschirm 5,4 Zoll und erreicht rund 90 Prozent der Fläche eines iPhone 18 Pro.
Weiter Nische, aber mit Milliardenpotenzial
Ob Apple faltbare Smartphones in den Massenmarkt bringen kann, bleibt offen. IDC-Experte Jeronimo geht davon aus, dass Foldables gemessen an den Stückzahlen auch künftig nur einen kleinen Teil des gesamten Smartphone-Markts ausmachen werden. Beim Umsatz könnte die Kategorie wegen der hohen Preise bis 2030 aber auf einen Anteil von zehn Prozent kommen. Das würde sie zu einem lukrativen Milliardengeschäft machen.
IDC erwartet sogar, dass Apple trotz des späten Einstiegs innerhalb von zwölf Monaten die Spitzenposition in diesem Segment übernehmen könnte. Auch O’Donnell meint, Apple habe die Gerätekategorie mit der engen Verzahnung von Hard- und Software neu definiert.
Apple zeigt seine KI-Strategie
Bei der ersten großen Produktpräsentation unter Ternus wurde auch Apples Ausrichtung für das KI-Zeitalter deutlicher. Der Konzern will iPhone und andere vernetzte Geräte als persönliches Zentrum für Künstliche Intelligenz positionieren. Damit reagiert Apple auf Bestrebungen anderer Unternehmen wie OpenAI, eigene Geräte als Zugang zur KI zu etablieren.
Apple stellt dabei den Datenschutz in den Vordergrund. Informationen sollen möglichst direkt auf den Geräten verarbeitet werden und nicht in der Cloud.
Einen ersten Vorgeschmack darauf liefern neue Funktionen für die Watch Series 12 und die Ultra 4. Die Uhren können auf Wunsch Gespräche des Tages zusammenfassen und außerdem die letzten 15 Sekunden Gesagtes in Textform wiedergeben. Apple betont, dass dabei keine eigentlichen Aufzeichnungen gespeichert würden und der Konzern keinen Zugriff auf die Inhalte habe.
Neues iPhone 18 Pro vorgestellt
Parallel zum Duo präsentierte Apple auch das iPhone 18 Pro. Ein Standardmodell wurde diesmal jedoch nicht angekündigt. Nach Informationen von Bloomberg soll dieses erst im kommenden Frühjahr folgen.
Das iPhone 18 Pro soll vor allem bei schwierigen Lichtverhältnissen bessere Fotos liefern. Eine wichtige Rolle spielt dabei die neue verstellbare Blende, wie man sie sonst eher aus klassischen Kameras kennt.
Mit Blick auf KI-generierte Fälschungen führt Apple zudem die Funktion Apple Reference Image ein. Dabei wird ein unverändertes Originalbild direkt vom Bildsensor gesichert. Dieses Referenzbild lässt sich nicht bearbeiten und soll helfen, die Echtheit eines Fotos zu überprüfen.
Preislich beginnt das iPhone 18 Pro bei 1.449 Euro und kostet damit 150 Euro mehr als das Vorgängermodell. Apple verweist auf die stark gestiegenen Kosten für Speicher, die im Zuge des KI-Booms zuletzt deutlich angezogen haben.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber