Bayern hält am konfessionellen Religionsunterricht fest
Während Niedersachsen die Fächer katholische und evangelische Religion schrittweise zu einem gemeinsamen Unterrichtsfach zusammenführt, ist in Bayern vorerst keine vergleichbare Änderung geplant. Vertreter der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und des Katholischen Büros erklärten gemeinsam, dass der Freistaat weiterhin am konfessionell getrennten Religionsunterricht festhalte. Zugleich solle die bereits praktizierte Zusammenarbeit zwischen beiden Kirchen fortgeführt werden.
Für die meisten Schülerinnen und Schüler bedeutet das: Der Religionsunterricht bleibt in Bayern in der Regel nach Konfession getrennt. Es gibt jedoch Ausnahmen, bei denen katholische und evangelische Kinder gemeinsam unterrichtet werden können.
Gemeinsamer Unterricht in besonderen Fällen
Ein solches Modell ist der „Religionsunterricht mit erweiterter Kooperation“ (RUmeK) an Grund- und Mittelschulen. Es kommt dann zum Einsatz, wenn für eine Konfession keine eigene Lerngruppe gebildet werden kann. In solchen Fällen können Kinder beider Konfessionen gemeinsam unterrichtet werden.
Nach Angaben der Kirchen hat sich dieses Modell bewährt. Besonders dort, wo regionale Besonderheiten, schwankende Schülerzahlen oder fehlende Lehrkräfte neue organisatorische Lösungen nötig machen, sei RUmeK eine sinnvolle Antwort. Zugleich betonen die Verantwortlichen, dass es sich nicht um ein flächendeckendes Konzept handelt, sondern um eine Lösung für besondere Situationen vor Ort. Auch das Kultusministerium bewertet das Modell positiv und verweist darauf, dass es inzwischen dauerhaft etabliert wurde.

Im vergangenen Schuljahr wurden in Bayern 42.380 Schülerinnen und Schüler an rund 600 staatlichen Grund- und Mittelschulen nach diesem Modell unterrichtet. Im Schuljahr davor waren es noch 430 Schulen.
Weiteres Kooperationsmodell in den ersten Klassen
Daneben gibt es das Modell „KoRUk“ – also kooperativen konfessionellen Religionsunterricht – für die erste und zweite Jahrgangsstufe der Grundschule. Auch hier können katholische und evangelische Kinder gemeinsam unterrichtet werden.
Dieses Projekt greift laut Ministerium, wenn aus organisatorischen Gründen keine getrennten Religionsgruppen gebildet werden können und es in einer Klasse weder eine klare katholische noch evangelische Mehrheit gibt. Der Unterricht wird dann entweder von einer katholischen oder einer evangelischen Lehrkraft erteilt. Entsprechend richtet sich auch der Lehrplan nach deren Konfession.
So viele Kinder besuchen Religion und Ethik
An den staatlichen Schulen in Bayern besuchten im vergangenen Schuljahr rund 601.000 Schülerinnen und Schüler den katholischen Religionsunterricht. Etwa 264.000 nahmen am evangelisch-lutherischen Religionsunterricht teil. Den Ethikunterricht belegten rund 471.000 Kinder und Jugendliche.
Eine Sonderstellung nimmt der islamische Unterricht ein. Dabei handelt es sich nach Darstellung des Ministeriums nicht um bekenntnisgebundenen Religionsunterricht, sondern um ein staatlich verantwortetes Angebot mit islamkundlichem Schwerpunkt. Daran nahmen etwa 23.000 Schülerinnen und Schüler teil.
Kirchen sehen Zukunft nicht an der Organisationsform hängen
Angesichts sinkender Mitgliederzahlen in der katholischen und evangelischen Kirche hängt die Zukunft des Religionsunterrichts nach Auffassung der Kirchenvertreter nicht in erster Linie von seiner organisatorischen Gestaltung ab. Entscheidend seien vielmehr seine Qualität und seine Bedeutung für die Bildung.
Kinder und Jugendliche wüchsen heute in einer Gesellschaft auf, die religiös und weltanschaulich sehr vielfältig sei. Gerade deshalb brauche es Räume, in denen Fragen nach Sinn, Verantwortung, Glauben und Zusammenleben gestellt und bedacht werden könnten. Religionsunterricht solle Orientierung geben, Grundlagen des christlichen Glaubens vermitteln und junge Menschen dabei unterstützen, eine eigene Haltung zu entwickeln.
Religionsunterricht als Beitrag zur Demokratiebildung
Nach Ansicht der Kirchen geht guter Religionsunterricht über reine Wissensvermittlung hinaus. Er helfe dabei, unterschiedliche Sichtweisen wahrzunehmen, religiöse und weltanschauliche Vielfalt zu verstehen und anderen Überzeugungen mit Respekt zu begegnen. Darin liege auch ein wichtiger Beitrag zur demokratischen Entwicklung junger Menschen.
Niedersachsen geht einen anderen Weg
In Niedersachsen ist mit Beginn des neuen Schuljahres Mitte August das neue Fach „Christliche Religion“ gestartet. Dort werden die bislang getrennten Fächer katholische und evangelische Religion zusammengeführt. Der Anstoß für dieses Konzept kam von den Kirchen selbst.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber